• Sinnlosoph

Frage 130: Wie hart ist dein Leben

Wie hart das eigene Leben ist, ist immer subjektiv und kontextabhängig. Ich versuche einmal, mein eigenes Leben einzuschätzen.

Wenn du dich selbst auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen könntest, wobei 1 bedeutet, dass dein Leben ein Spaziergang ist und 10, dass du für deine Erfolge hart kämpfen musst, wo würdest du dich gerne einordnen? Wo befindest du dich jetzt?

Eigentlich darf ich mein Leben nicht zu hart einschätzen. Immerhin lebe ich in einem der sichersten Länder. Ich habe eine gute Ausbildung und zwei mehrheitlich gesunde Eltern, die mich unterstützten. Ich hätte es also durchaus schlimmer treffen können. Wenn ich nun diese Einschätzung in Bezug auf die gesamte Welt vornehmen müsste, wäre mein Leben wohl eine zwei oder drei. Immerhin musste ich nie Hungern, erlebte keinen Krieg, musste nicht fliehen und konnte mich mehrheitlich ausleben. Eine solche Einschätzung wäre jedoch langweilig, weswegen ich sie lieber in Bezug auf die anderen Schweizer vornehme.

Im Vergleich zu meinen Klassenkameraden hatte ich es nicht wirklich einfach. Wenn ich jetzt eine Einschätzung mit gleichaltrigen Schweizern vornehmen müsste, würde ich mich auf der acht platzieren. Hier meine Gründe:

Ich hatte schon immer meine Schwierigkeiten sozialen Anschluss zu finden., Das scheint von außen wie ein Luxusproblem. Allerdings war ich die gesamte Schulzeit Mobbing ausgesetzt. Das führte nicht nur dazu, dass ich mehrfach in Schlägereien verwickelt wurde, sondern auch, dass mein Rücken nun bleibende Schäden davongetragen hat. Mobbing ist nicht zu unterschätzen und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Wegen dem Mobbing und auch meinem kaputten Rücken leide ich unter chronischen Depressionen. Diese sind mal mehr und mal weniger stark zu spüren. Es gibt jedoch durchaus Tage, an denen ich mich zu jeder einzelnen Bewegung zwingen muss. Es ging in der Vergangenheit auch soweit, dass ich mich selbst verletzte und suizidale Gedanken hatte. Mittlerweile habe ich das alles größtenteils im griff. Ich habe Mittel und Wege gefunden, um damit fertig zu werden. Es war aber sicher kein einfacher Weg.

Im Beruf hatte ich es ebenfalls nicht immer leicht. Meine erste Ausbildung zum Schreiner musste ich abbrechen, da der Rücken nicht mitmachte. Es folgte ein Jahr mit Therapie und ohne wirkliche Beschäftigung. Die zweite Ausbildung zum Kaufmann unterforderte mich derart, dass ich ziemlich viele Dummheiten machte. Anschließend fand ich trotz Bestnoten für neun Monate keine Anstellung. Als es dann klappte, musste ich für dieselbe Anerkennung immer das doppelte und dreifache Leisten. Am Ende wurde ich ausgenutzt und arbeitete mich für einen Hungerlohn an den Rand des Burnout. Das Mobbing ging also auch hier weiter, mit dem Unterschied, dass es mir lange Zeit nicht aufgefallen ist. Erst als ich dann kündete änderte es sich und ich begann meine eigenen Ziele zu verfolgen.

Diese Ziele seht ihr nun vor euch. Wo andere ein Bild ihres Ausschnittes posten und damit praktisch über Nacht berühmt werden, geht es nur sehr schleppend voran. Es könnte durchaus einfacher sein. Allerdings scheue ich mich nicht vor harter Arbeit und mache einfach weiter. Ich bin es ja gewohnt, mehr zu leisten für dasselbe Resultat. Wichtig ist jedoch, dass es mir dabei endlich gut geht.

Ich hatte also einige Stolpersteine in meinem Leben. Andere hatten es sicher einfacher. Nur wenige tragen solche Schäden aus der Jugend wie es bei mir der Fall ist, weshalb ich meine Einschätzung auf der Acht durchaus gerechtfertigt finde.

Dieser Post soll nun aber auf keinen Fall Mitleid erregen. Vielmehr soll es allen ein Zeichen sein, dass Hindernisse nie unüberwindbar sind. Mit genügend Einsatz und Wille gibt es praktisch immer einen Weg. Man muss ihn nur gehen. Und bitte achtet darauf, dass es euch dabei gut geht.

Wie schätzt ihr euer Leben ein? War es eher einfach, oder schwierig? Lasst es mich wissen!

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now