• Sinnlosoph

Frage 14: Eine Behinderung ist kein Hindernis

Und wir sind wieder bei den persönlichen Fragen angelangt. Erstaunlich viele drehen sich um Liebe. Ich versuche es jedoch eher als Grundsatzfrage zu betrachten.


Wenn deine Verlobte durch einen Autounfall querschnittsgelähmt wird, würdest du die Hochzeit absagen? Was wenn sie komplett gelähmt wäre?

Was wäre, wenn du herausfindest, dass deine Verlobte wahrscheinlich mit 50 an Alzheimer erkrankt?



Hier wird von einer Verlobten gesprochen. Die Frage lässt sich aber auch auf die gesamte eigene Familie. Würdest du also aufgrund von Einschränkungen in der Zukunft deine Gefühle zu jemandem in Frage stellen oder deine Entscheidungen umkehren?


Ich muss zugeben, dass ich mit derartigen Behinderungen noch keine direkten Berührungspunkte hatte. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass diese Umstände allein nicht ausreichen, um eine wirklich innige Beziehung zu zerstören. Ich würde dem entsprechend sicher keine Hochzeit absagen. Egal, wie gravierend die Einschränkungen sind, ich wäre der Person zumindest einen Versuch schuldig.


Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass einer der beiden Partner nicht mit der Situation umgehen kann, wäre eine andere Ausgangslage geschaffen. Dann würde sich mit der Zeit nicht nur die Erscheinung und die Möglichkeiten der Person ändern, sondern auch deren Charakter und Einstellung. Irgendwann wäre dann ein Punkt erreicht, wo eine Trennung durchaus angebracht ist.


Bei Alzheimer sieht die Sache wiederum anders aus. Gehen wir davon aus, dass ich die Person morgen treffe, sie gleich alt ist wie ich und wir in zwei Jahren heiraten. Bis sie 50 ist wären also noch 20 Jahre Zeit. Das ist eine verdammt lange Zeit, für die Entwicklung der Medizin. Zudem ist es auch eine verdammt lange Zeit um sich näher zu kommen. Ich denke also nicht, dass ich dabei auch nur das geringste Interesse hätte, die Person nach all den gemeinsamen Momenten einfach gehen zu lassen.


Ich habe in meinem Familienkreis gesehen, wie man sich um die Älteren und Bedürftigen kümmern kann und soll. Dabei waren zwar vordergründig körperliche und nicht geistige Einschränkungen zu betreuen, das Ergebnis wird aber auf dasselbe hinauslaufen. es hat mich auf jeden Fall zutiefst berührt, wie meine Mutter über Jahre hinweg meine Großeltern pflegte und dabei bis an ihre Grenzen und teilweise darüber hinaus ging. Sie hätte in vielerlei Hinsicht ein Vielfaches an Unterstützung verdient, aber sie hat mir auch gezeigt, wie weit man für einen Menschen, den man Jahrzehnte kennt und liebt, gehen kann.


Zum Abschluss möchte ich zusammenfassen, dass ich eine Behinderung an sich nie als Hindernis für eine Beziehung sehen würde. Es kommt immer darauf an, wie der Einzelne damit umgeht. Wenn ich mich einzig Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen gegen eine Person entscheiden würde, wäre das nur das absolute Zeugnis, dass ich sie nie richtig geliebt habe.


Was sagt ihr zu solchen schwierigen Lebensumständen? Wäre das ein Grund für euch, die Beziehung zu beenden? Habt ihr womöglich bereits Erfahrungen mit solchen Situationen gesammelt? Lasst es mich wissen!

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now