• Sinnlosoph

Projekt Eden - 1. Kapitel

Aktualisiert: Juli 6

„Wie soll das gehen?“

Seine Stimme hallte von den kahlen Steinwänden wieder. Er stand in einem nur spärlich durch billige Gaslampen beleuchteten Raum. Ein leicht modriger Geruch lag in der Luft und der Boden schimmerte feucht. Allem Anschein nach befand er sich in einem Keller oder Kerker.



Abgesehen von einem großzügigen Stuhl auf einem kleinen Podest fehlte sämtliche Einrichtung. Die Frau darauf, obwohl schlank und zierlich, füllte mit ihrer Präsenz jedoch jeden Winkel.

Die Beine überschlagen schaute sie ihn mit dunklen, fast schwarzen Augen durchdringend an. Ihre Unterarme lagen dabei locker auf den abgeriebenen Armlehnen.

„Das Wie ist mir egal. Ich bin nur an den Resultaten interessiert. Hast du verstanden, worauf ich hinauswill?“

Er nickte voller Selbstvertrauen, auch wenn sich bei jedem ihrer Worte die Nackenhaare aufstellten und ihn ein eisiger Schauder durchfuhr.

Obwohl der Keller nicht beheizt und dem entsprechend kühl war, trug die Frau nur ein leichtes Tuch, welches gerade das nötigste bedeckte. Ihre Haut war glatt und ohne Makel, jedoch von einer gräulichen, ungesunden Farbe. Ihre Haare waren weiß und hingen offen bis zu ihrem Bauchnabel. Insgesamt eine durchaus ansprechende Erscheinung, wenn nicht diese unbehagliche und schlicht böse Ausstrahlung wäre.

„Sehr wohl. Ihr wollt ein Gerät, dass aus der Ferne gesteuert wird. Es soll wie ein Mensch funktionieren, jedoch seine Kraft um ein Vielfaches übersteigen. Dabei müssen alle Aufgaben so genau erledigt werden, als würde sie durch eine echte Person getätigt werden. Zudem müssen die Gerätschaften so konstruiert sein, dass sie praktisch unlimitiert erweiterbar sind und auch als Ersatz für verlorene Gliedmaßen genutzt werden können.“

Er schluckte leer.

„Habe ich den Auftrag so richtig verstanden?“

Die Frau blieb ruhig und bewegte sich nicht. Sie saß in ihrem gepolsterten Stuhl und schaute ihn weiterhin durchdringen an.

„Ich sehe, du hast deinen Verstand behalten. Und wie ich spüre hast du bereits einen Plan. Eden? Was soll das heißen?“

Wieder liefen im Schauder über den Rücken. Wie konnte sie wissen, was er sich vor wenigen Sekunden ausgedacht hatte?

„Jedes Projekt braucht einen Namen. Damit ist es leichter, geeignetes Personal zu finden. Was ihr beschreibt lässt sich als Erweiterung der erbbedingten Neurologie, kurz Eden bezeichnen.“

Seine Stimme klang sicher und selbstbewusst. Eine Qualität, die er sich in den Jahren auf dem Schlachtfeld in den Diensten der Krone angeeignet hatte. Als Truppenführer durfte er sich damals keine Schwäche zugestehen. Damals hatte er noch seinen Stolz und ein Ziel, für das er bereit war zu sterben.

Sie neigte leicht den Kopf, lächelte hinterhältig und zeigte dabei ihre spitzen, weißen Zähne.

„Ich verstehe. Wenn es hilft meine Ziele zu erreichen, nur zu. Dieser Ingenieur, an den du denkst wird aber einige Schwierigkeiten bereiten. Sei dir dessen bewusst.“

Sie tat es schon wieder. Diesmal fühlte es sich an, als wäre er in ein Becken mit Eiswasser gestoßen worden.

„Deine Bezahlung hängt davon ab, was du mir bringst. Sie wird aber in jedem Fall angemessen sein.“

Sie hob die Hand und die schweren Kerkertüren hinter ihm schwangen auf.

„Eins noch: Solltest du scheitern, wirst du dir wünschen im Krieg gefallen zu sein.“

Nun schnürte es ihm die Kehle zu. Einzig ein nervöses Nicken brachte er über sich.

Ihre Hand senkte sich und es fühlte sich an, als würde er durch den Abfluss einer Badewanne gezogen werden. Die Felswände begannen sich zu drehen und bewegten sich an ihm vorbei. Der Wirbel wurde stärker, bis er die Augen schließen musste, um die aufkommende Übelkeit zu bezwingen. Nach einer gefühlten Ewigkeit traute er sich, zu blinzeln und fand sich am Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer wieder.

„Diese verdammte Hexe. Ich gewöhne mich wohl nie daran.“

Ein letztes Zittern durchfuhr ihn. Konnte sie seine Gedanken auch lesen, wenn er nicht vor ihr stand? Er beschloss, sich dem neu gefassten Auftrag zu widmen.

„Egal was sie sagt. Ich kenne den perfekten Techniker für dieses Vorhaben. Wenn er es nicht schafft, ist es unmöglich. Zur Sicherheit werde ich aber noch ein paar weitere darauf ansetzen. Nun aber erst ein Schluck für die Nerven.“

Mit zittrigen Beinen stand er auf und ging zur Kommode auf der linken Seite seines Büros, um sich ein Glas Portwein einzuschenken. Das würde sicher helfen, seine Gedanken zu ordnen.

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