• Sinnlosoph

Projekt Eden - 12. Kapitel

Aktualisiert: vor 6 Tagen

„Ich dachte du wärst immer noch im Süden!“

„Schon lange nicht mehr, kleines.“

Seine rauchige Stimme war in etwa so angenehm wie die Luft im Raum.

„Komm her und lass dich drücken.“

Cate sprang auf und umarmte ihn.

„Ich habe dich seit Brandons Trauerfeier nicht mehr gesehen. Wie geht es dir?“

„Oh ja, die Feier! Kann mich kaum mehr dran erinnern. Also muss sie gut gewesen sein.“



Er lachte laut und es klang als würden Steine einen Abhang hinunterrollen. Dann wurde er ernst.

„Ausgebrannt bin ich. Hab im Süden alles an die verdammte Krone verloren. Dann bin ich mit nichts hierhergekommen. Naja, viel besser läuft‘s hier auch nicht. Was treibt dich ins Krähennest?“

„Ich wollte eigentlich gleich weiter. Wir haben einen Schläger gestellt, der uns vor einigen Tagen eins ausgewischt hat. Das musste man feiern.“

Hartwin stutzte kurz.

„Wo ist denn dein Schiff?“

„Darum bin ich bei dir. Gemeutert wurde ich. Finnigan, der Trottel hat die halbe Mannschaft gegen mich gehetzt.“

„Ja, den hätte ich schon längst aufgeknüpft oder irgendwo weit weg abgesetzt. Wusste nie, was Brandon an ihm fand. Was hast du jetzt vor?“

„Keine Ahnung.“

Sie setzte sich auf einen Stuhl.

„Ich muss mein Schiff zurückbekommen. Wird aber verdammt schwer ohne Mannschaft.“

Hartwin setzte sich zu ihr.

„Ich helfe dir. Weit können sie noch nicht sein.“

„Und was willst du dafür?“

„Darf man einem alten Freund nicht einmal helfen?“

„Wen nennst du hier alt?“

Sie schlug ihm spielerisch auf die Hand.

„Zudem sind wir beide Piraten. Wir machen nichts aus Freundlichkeit.“

Hartwin nickte anerkennend.

„Der alte Brandon hat bei dir schon alles richtig gemacht. Ich hätt dich einfach verkauft.“

Sie lachten beide.

„Ich brauche selbst Hilfe. Die Luftfahrt hat sich verändert in den letzten Jahren. Die Krone hat immer mehr Einfluss und die Händler werden oft eskortiert. Wenn wir zusammenarbeiten wird es einfacher. Jeder mit eigenem Schiff und eigener Mannschaft. Die Beute wird halbiert und jeder gewinnt.“

Es klang wirklich verlockend. Zumal er recht hatte, die Luftfahrt wurde immer gefährlicher. Vor allem aber brauchte sie ihr Schiff zurück.

„Abgemacht. Du hilfst mir mein Schiff zurück zu holen und wir arbeiten zusammen.“

Sie streckte ihm die rechte Hand entgegen und er schlug ein.

„Lass uns noch anstoßen, um den Packt zu besiegeln.“

„Können wir erst mein Schiff holen? Sonst wird nichts aus dem Packt.“

Er nickte.

„Also gut. Holen wir dein Schiff zurück. Ist es immer noch die Eiserne Jungfrau?“

„Natürlich, hab noch kein besseres gefunden.“

Hartwin lachte und klopfte ihr auf die Schulter.

„Diese alte Schwarte wird uns beide noch überleben.“

gemeinsam gingen sie an Deck wo er seine Mannschaft zusammenrief.

„Männer! Wir haben eine neue Mission! Macht alles bereit zum Ablegen. Und verdammt nochmal, bringt mir eine Flasche Rum!“

„Aye, Käpt‘n!“ schallte es zurück und überall kam Bewegung auf.

Kurz darauf wurde ihm von dem hässlichen Typ, der Cate zu ihm führte der Alkohol gebracht.

„Das ist mein Smutje. Keine Ahnung wie er heißt. Ist dümmer als er aussieht, aber kochen kann er wie kein zweiter. Auf unseren Packt.“

Mit den Zähnen zog er den Korken aus der Flasche und leerte sie zur Hälfte in einem Zug. Er streckte ihr den Rum entgegen und sie tat es ihm gleich. Zum Abschluss warf sie die nun leere Flasche über Bord und Hartwin schoss sie gekonnt mit seiner Pistole ab. Dann setzte sich das Schiff in Bewegung.

„So, nachdem wir die alten Bräuche durch haben machen wir uns auf die Suche nach deinem Schiff.“

„Ich denke kaum, dass er weit gekommen ist. Er hatte nur die halbe Mannschaft bei sich. Damit lässt sich die Jungfrau kaum steuern.“

Tatsächlich fanden sie die Eiserne Jungfrau an dem Ort, wo Cate angelegt hatte. Sie hatten es also noch nicht geschafft alles für die Abfahrt vor zu bereiten.

„Dann gehen wir zum Entern über.“

„Achte darauf das Schiff nicht zu beschädigen.“

„Keine Sorge, meine Leute sind Profis. Vielleicht etwas aus der Übung, aber die wissen was sie tun.“

Er zog seinen Säbel und blies zum Angriff.

Cate’s ehemalige Mannschaft wurde überrumpelt. Sie rechneten wohl noch nicht mit einem Angriff. Das wurde ihnen nun zum Verhängnis.

Noch bevor auch nur die geringste Gegenwehr aufkam war der Entertrupp schon auf dem Schiff. Nach einigen Schüssen und einem kleinen Handgemenge auf dem Achterdeck war es auch schon vorbei.

„Alle Achtung, von deinen Leuten kann man noch was lernen.“

Er grinste sie an und gemeinsam setzten sie zur Eisernen Jungfrau über.

Nun war Cate’s Auftritt. Sie ging langsam an den gefesselten Piraten vorbei und blickte auf sie hinab.

„Wisst ihr, ich bin enttäuscht. Ich habe doch immer für Beute gesorgt. Warum habt ihr euch der Meuterei angeschlossen?“

„Finnigan hatte recht! Du hast das Schiff nur, weil du bei Brandon im Bett warst!“

Es war Bill, der sprach. Er und Finnigan traten beide zur selben Zeit der Crew bei und hatten immer die gleiche Meinung.

„So? Und wenn das so wäre? Bin ich deswegen ein schlechter Kapitän?“

„Schlechter als Brandon. Ich wette, du hast ihn umgelegt, um an das Schiff zu kommen.“

Stahl blitzte auf. Es erklang ein dumpfes Knacken gefolgt von einem Poltern und leisem Tröpfeln. Bills Kopf rollte noch einige Schritte weiter als Cate ihren Säbel an seiner Kleidung reinigte.

„Denkt sonst noch jemand ich hätte ihn umgebracht?“

Keiner antwortete.

„Und denkt jemand ich wäre ein schlechter Kapitän?“

Wieder blieb es still.

„Wo ist Finnigan?“

„Der is abgehaun. Hab ihn Richtung Kneipe rennen sehn. Hab ihm aber noch n Messer ins Bein gehaun.“

Hartwins Smutje zeigte mit der rechten Hand in Richtung der Landungsstege und hielt mit der linken noch zwei weitere Wurfmesser.

Cate nickte. Lieber hätte sie auch ihn hingerichtet. Doch mit einem verletzten Bein und dem Ruf ein Meuterer zu sein würde er früher oder später drauf gehen. Bis dahin darf er noch ein wenig leiden.

„Lasst sie frei. Wer gehen will, kann abhauen. Wer meine Führung nicht zu schlecht findet steht morgen bei Sonnenaufgang auf dem Deck.“

Mit diesen Worten wandte sie sich ab und ging mit Hartwin in die Kapitänskajüte. Darin setzten sie sich beide an den Tisch und schwiegen.

„Findest du ich bin ein schlechter Kapitän?“ fragte sie als sie sich etwas beruhigt hatte.

Hartwin sah sie mitleidig an.

„Nur weil zwei eine verkehrte Ansicht haben musst du dir keine Sorgen machen. Du führst sie nun schon einige Zeit an und bisher habt ihr immer Beute gemacht. Die waren wohl einfach verwöhnt.“

Er kramte in seinen Taschen und begann sich seine Pfeife zu stopfen.

„Aber du bist etwas emotional. Das ist nicht gut. Das kann gegen dich verwendet werden.“

Es klopfte an der Tür.

„Jetzt nicht!“ schrie Cate.

Trotzdem wurde die Tür geöffnet und wieder stand eine kleine Gestalt mit verdecktem Gesicht darin. Ob es dieselbe war konnte sie unmöglich sagen. Die Person streckte ihr einen Brief entgegen.

Cate stand auf, nahm den Brief und öffnete ihn. Mit jeder Zeile, die sie las wurde sie unruhiger. Das Schreiben löste sowohl Freude als auch Sorge in ihr aus. Als sie ihn zu Ende gelesen hatte zündete sie ihn an.

„Danke“ sagte sie und warf der Gestalt einen kleinen Beutel entgegen. Sie erwiderte nichts und verschwand.

„Du machst Geschäfte mit denen? Pass auf, denen ist nicht zu trauen.“

„Wir sind im Krähennest. Hier kann man niemandem trauen.“

Hartwin grummelte zustimmend.

„Wenn du dir ihre Dienste leisten kannst musst du ein guter Kapitän sein. Sonst hättest du kaum so viel Geld. Und ich glaube, ich habe durch den Packt mit dir den Deal meines Lebens abgeschlossen.“

Sie schwieg und ließ sich das gelesene noch einmal durch den Kopf gehen.

„Vielleicht. Ich habe auch schon einen Vorschlag, was wir als Nächstes anstellen werden.“

„Geht es darum, was in dem Brief stand?“

„Vielleicht?“

Hartwin fing wieder lauthals an zu lachen.

„Keine halben Sachen, was? Dann leg mal los, was ist dein Plan.“

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