• Sinnlosoph

Projekt Eden - 18. Kapitel

Aktualisiert: Juli 6

Von oben hörten sie dumpf den Paukenschlag. Eric und Silas fasten ihre Werkzeuge und machten sich mit grimmigem Gesichtsausdruck daran die Wand einzureißen. Es war solide Maurerarbeit mit hochwertigem Mörtel und neuen Steinen. Das war allerdings kein Problem für die geübten Bergleute und schon nach wenigen Schlägen mit der Spitzhacke und dem Hammer brachen die ersten Steine heraus. Nach wenigen Minuten war die Vertäfelung dahinter freigelegt.

„Hoffen wir, dass uns niemand hörte.“

Mit diesen Worten nahm Eric die Axt und spaltete mit drei gekonnten Hieben das Holz. Das warme Licht der Lampen strömte in den Schacht und die vier Freunde traten in die Bibliothek.

„Schnell, wir müssen nach links, um in das Büro zu gelangen.“

Noch ehe sie sich in die angegebene Richtung bewegen konnten sprangen die drei Türen im Raum auf und es strömte gut eines duzend schwer bewaffneten Soldaten hinein.



„Wie ist das möglich?“

Sie wurden eingekreist und kurze Speere und Musketen wurden auf sie gerichtet.

„Habt ihr wirklich gedacht ihr könntet in mein Haus einbrechen?“

Sir Adam betrat den Raum und schaute sie verachtend an.

„Dachtet ihr, ich würde es nicht merken, wenn ihr mich hintergehen wollt? Gerade von dir, Angelo, hätte ich mehr erwartet.“

„Wie hast du davon erfahren?“

Sir Adam grinste und schwenkte sein Glas mit Portwein.

„Jaques, Zeit, dass du unseren Freunden deine wahre Identität preisgibst.“

Aus dem Schatten eines Büchergestelles trat Henry hervor. Allerdings war er nicht in die übliche Bergmannskleidung gehüllt, die er bei den Besprechungen trug. Er hatte sie gegen ein feines Gewand getauscht, welches sonst nur von Adligen getragen wurde. Die vier Einbrecher schauten ihn fassungslos an.

„Ja, er war mein Spion. Es war richtig, dass er von der Krone beauftragt wurde den Vorfall in der Miene zu untersuchen. Allerdings nur aufgrund meiner Empfehlung und ein wenig Geld, dass ich den Entscheidungsträgern zugesprochen habe.“

Sir Adam verfiel in irres Gelächter. Henry, oder besser gesagt Jaques blickte betroffen zu Boden und sagte nichts.

„Das wirst du noch Bereuen, du mieser Hundesohn!“

Eric wollte schon auf Jaques losstürzen, wurde aber von Silas zurückgehalten. Der Kreis um sie wurde etwas enger.

„Ich habe einen Plan.“ Flüsterte Angelo.

Er begann hinter dem Rücken seinen Beutel zu öffnen und zog die Apparatur heraus, die wie eine Hand aussah.

„Habt ihr noch einen letzten Wunsch?“

Keiner der vier antwortete. Angelo verstellte blind einige Schrauben am Gerät. Silas war immer noch damit beschäftigt den wütenden Eric in Schach zu halten und Alina blickte Jaques eindringlich an. Dieser erwiderte ihren Blick. In seinen Glubschaugen erkannte sie Schuldgefühle. Er nickte ihr kaum merklich zu.

„Wie langweilig. Männer! Bringt es zu ende. Aber macht mir den Teppich nicht schmutzig.“

„Wartet, Sir!“

Jaques trat in dem Moment vor, als die Wachen ihre Waffen zum Angriff hoben.

„Ich möchte noch etwas sagen.“

Sir Adam unterbrach die Hinrichtung mit einer Handbewegung.

„Nur zu. Immerhin ist das alles vor allem dein Verdienst.“

„Ich möchte mich entschuldigen. Ich habe den Auftrag angenommen, weil das mein Beruf ist. Ich habe nicht gewusst, wohin es führt. Ihr sollt aber wissen, dass Sir Adam nicht der Drahtzieher ist. Es gibt jemanden, oder besser etwas, das ihm Befehle erteilt. Wenn ihr überlebt, konzentriert euch darauf. Er ist nur eine Marionette.“

„Du wagst es mich in meinem Haus zu diffamieren?“

„Seht euch vor. Das Wesen ist nicht natürlich. Es wird uns alle vernichten, wenn ihr es nicht aufhaltet.“

„Männer! Bringt sie um! Und Jaques gleich mit ihnen.“

„Soweit lasse ich es nicht kommen“ Schrie Jaques und zog etwas aus seinem Umhang.

Ein greller Blitz erfüllte den Raum. Es knallte wie bei einer Explosion und schlagartig standen sie im Rauch. Es fielen einige Schüsse und Holz barst. Die vier Freunde warfen sich auf den Boden. Angelo gab seine Konstruktion frei und steuerte sie mit seiner rechten Hand. Er konnte nicht sehen wohin er sie führte, doch er hörte, dass sie mindestens eine der Wachen zu Boden riss.

„Lasst uns verschwinden!“ schrie Eric.

Silas und Alina zogen sich mit ihm in den Schacht zurück. Angelo hingegen bewegte sich im lichter werdenden Rauch auf die Tür zum Büro zu.

„Komm her du kleiner Schmierfink!“

Gerade als er die Tür erreichte streifte ihn ein Querschläger aus einer Muskete am linken Oberarm. Er stürzte.

„Dieser verfluchte…“

Nun vollkommen in Rage nahm Eric die Axt in die eine und den Hammer in die andere Hand. Er stürmte zurück in die Bibliothek und schlug beim vorbeigehen einigen Wachen wahlweise den Schädel ein oder brach ihnen die Arme mit wuchtigen Hieben.

Angelo rappelte sich unterdessen wieder auf und öffnete die Tür. Als Eric ihn erreichte blickten sie sich um. Von den Wachen war keiner mehr auf den Beinen. Die meisten hatten sich gegenseitig im Chaos erschossen oder aufgespießt. Einige hatte Angelo mit seinem Gerät zu Boden gerissen und weitere fielen Erics Blutrausch zum Opfer. Auch Sir Adam und Jaques lagen verletzt auf dem Boden. Silas ging zu Sir Adam, um ihn festzuhalten während Alina sich um Jaques kümmerte.

„Warum hast du das getan?“

„Weil es das richtige war.“ Antwortete Jaques zwischen zwei blutigen Atemzügen.

„Deine Lunge wurde getroffen.“

Alina blickte besorgt auf den blassen Mann mit den Glubschaugen herab und ihre langen Haare strichen über sein Gesicht.

„Ja, es geht zu ende. Vertraut mir ein letztes Mal. Findet den Auftraggeber. Haltet ihn auf. Sonst war es umsonst.“

„Aber wo finden wir ihn?“

„Ich… Weiß es nicht. Aber ihr habt Hilfe.“

Das Atmen fiel ihm immer schwerer und blutiger Schaum lief ihm das Kinn hinunter.

„Ihr macht das schon. Geht jetzt. Es kommen noch mehr.“

Mit einem röcheln stieß er Alina weg. Seine Augen wurden glasig und er bewegte sich nicht mehr. Alina schloss seine Lider und ging zu den anderen.

„Ist er tot?“ fragte Silas.

Alina nickte und blinzelte eine Träne weg. „Der Adlige Hundesohn auch. Wahrscheinlich verblutet, wenn ich mir das so ansehe.“

„Lasst uns schnell sein Büro durchsuchen und dann verschwinden.“

Angelo stürmte in das Zimmer und begann Schubladen und Schränke auf zu reißen. Die anderen folgten ihm.

„Hört ihr das?“

Es waren Fußtritte zu hören. Sehr viele Fußtritte. Kurz darauf sahen sie, wie weitere Soldaten die Bibliothek stürmten. Mehr noch als zuvor.

„Schließt die Tür!“

Angelo sprang zurück und schlug die Holztür zu. Sie war zum Glück aus massiver Eiche gefertigt und mit Stahlbändern verstärkt. Eric verbarrikadierte sie zusätzlich mit einigen Möbelstücken.

„Wir werden nicht lange in Sicherheit sein. Wie kommen wir hier wieder raus?

Keiner antwortete.

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