• Sinnlosoph

Projekt Eden - 19. Kapitel

Langsam glitten sie durch die Lüfte. Unter ihnen lag die in Dampf und Staub gehüllte Stadt. Abgesehen von den größeren Straßen und Gebäuden erkannten sie allerdings nichts, da sie weit oberhalb der normalen Flughöhe unterwegs waren. Vom Boden aus würden auch sie nicht zu erkennen sein. Da sowohl Cate als auch Hartwin zwei erfahrene Kapitäne waren hatten sie aber kein Problem damit die beiden Schiffe zielsicher zu navigieren.

„Position erreicht! Stabilisatoren laufen!“



Cate’s Miene verfinsterte sich. Sie waren nun also genau über ihrem Zielpunkt. Sie sah, dass auch Hartwins Schiff die Position hielt und wartete. Sie wusste, dass es jeden Augenblick losgehen könnte. Es war aber auch möglich, dass sie noch Stunden auf eine passende Gelegenheit warten mussten.

Gespannt beobachtete sie durch ihr Fernglas das Gebäude. Auf der Straße davor kam Bewegung auf. Besser gesagt die Bewegung geriet ins Stocken und es bildete sich ein Menschenauflauf. Ursache dafür war anscheinend ein Wagen, der steckenblieb.

Einige Straßen weiter begann die Parade ihren Marsch. Es war äußerst gefährlich sich der Stadt zu nähern während der Großteil der Wachen auf einem Platz versammelt war, doch das Risiko war sie bereit einzugehen.

Sie löste sich von dem Anblick und signalisierte Hartwin mit zwei Fahnen, dass sie sich in einen langsamen Sinkflug begab. Dieser Antwortete sogleich und tat es ihr nach.

Nach einigen Minuten bemerkte sie eine Veränderung auf den Straßen. Die Parade verlief nicht nach Plan. Ein Teil der königlichen Wachen trennte sich vom Rest und marschierte in Richtung ihres Ziels. Das war der Moment, auf den sie warteten.

„Männer! Wir gehen zum Angriff über!“

Ohne Zögern bereitete die Mannschaft alles für den Kampf vor. Die Segel wurden gerefft, die Kanonen geladen und die Waffen gezogen. Gleichzeitig setzten sie zu einer rasanten Abwärtsspirale an.

Cate positionierte sich am Bug und beobachtete, wie die Stadt näherkam. Der Wind pfiff ihr durch die Haare und die letzten Sonnenstrahlen spiegelten sich auf ihrem Säbel.

„Zielt mit den Kanonen auf den zweiten Stock, zwischen die Fenster. Drei Schuss, nicht mehr.“

Der Sinkflug endete einige Meter über dem Boden. Die Mannschaft, die sie mit einigen Männern aus Hartwins Truppe aufgestockt hatte war sehr präzise. Das Schiff war perfekt positioniert und kurz darauf senkte sich auch das andere Luftschiff einige Schritt neben ihrem auf dieselbe Höhe.

„FEUER!“

Mit ohrenbetäubendem Lärm wurden die drei vordersten Backbordkanonen abgefeuert. Die eisernen Geschosse donnerten genau zwischen die Fenster und zertrümmerten die Mauer, ohne den Rest des Hauses zu beschädigen.

„ANGRIFF!“

Mit einem Schrei stürmte sie voran und sprang über die Reling in das Loch in der Wand. Ein halbes Duzend ihrer Männer und noch einmal so viele von Hartwins schiff folgten ihr.

Der Raum wäre nobel eingerichtet gewesen, wären nicht alle Schränke ausgeräumt und die Hälfte der Möbel gegen die Tür gestemmt worden. In Mitten dieses Chaos entdeckten sie vier ziemlich entsetzt dreinsehende Menschen.

„Hast du mich vermisst, dicker?“

Sie zwinkerte Eric zu und bedeutete ihren Männern die Tür zu bewachen.

„Du? Woher… Warum… Wieso…“ Eric brachte keinen anständigen Satz zustande.

„Ganz ruhig dicker. Wir sind auf deiner Seite.“

Splitternd gab die Tür der Wucht eines Axthiebes etwas nach.

„So wie es aussieht braucht ihr uns auch.“

„Wer seid ihr? Wer hat euch geschickt?“

„Wir sind Piraten. Wir sind hier, weil wir das wollen. Jetzt geh zurück kleine, sonst brichst du dir noch einen Nagel.“

Diese Ansage verschlug Alina die Sprache und sie stellte sich neben Eric, der immer noch nach den richtigen Worten suchte.

„Was habt ihr nun vor?“ fragte Silas zögernd.

Cate blickte ihn überrascht an.

„Dich kenne ich ja gar nicht. Lass mich raten, Mienenarbeiter? Warum versteckt ihr euch unter der Erde, wenn ihr alle so gut ausseht?“

Silas errötete, was noch nicht so oft vorgekommen ist.

Ein weiteres Splittern ertönte und die Tür brach auf der linken Seite aus den Angeln.

„Käpt’n! Die komm’n durch. Darf ich sie hau’n?“

Der Smutje hatte einen irren Blick aufgesetzt und leckte sich gierig über die Lippen während er mit seinen Wurfmessern Jonglierte.

„Ihr habt‘s gehört. Geht auf das Schiff. Wir sorgen dafür, dass keiner von denen nachkommt.“

Angelo, Alina und Silas nahmen die Beine in die Hand und sprangen nacheinander auf das Schiff. Eric aber blieb und fasste den Hammer, den er immer noch bei sich trug mit beiden Händen.

„Wenn hier jemand meine Schwester beschützt bin das ich.“

Cate war erstaunt über seinen Mut. Wenn es ein etwas günstigerer Moment gewesen wäre, hätte sie sich ihm um den Hals geworfen. So atmete sie noch einmal tief seinen Duft ein und zückte ihre beiden Pistolen.

Es folgte eine Explosion. Überall flogen Holzsplitter durch die Luft und auch einige Bruchstücke des Mauerwerkes wurden mitgerissen. Offensichtlich hatten sie die Tür schlussendlich einfach gesprengt.

Es blitzte und donnerte im Raum. Es wurden Messer geworfen, Kugeln abgefeuert und mit allerlei Waffen zugeschlagen. Cate schoss den ersten beiden, die durch die Tür kamen je eine Kugel zwischen die Augen. Da sie keine Zeit zum Nachladen hatte steckte sie die Pistolen in die Schärpe und ging mit ihrem Säbel zum Nahkampf über. Sie fand sich Rücken an Rücken mit Eric direkt vor der Tür wieder. Verbissen kämpften sie gegen die nachdrängenden Wachen. Überrascht stellte sie fest, dass Eric mit dem Hammer nicht nur geschickt Schädel zertrümmern konnte, sondern dabei keinerlei Ermüdung zeigte.

„Cate! CATE! Wir müssen los! Sie kommen von unten!“

Hartwin winkte ihr energisch zu und deutete nach unten.

„Sie haben Fackeln! Wenn wir nicht abhauen brennen die unser Schiff ab!“

Sie nickte und schob sich zusammen mit Eric zum Fenster, immer noch nach allen Richtungen schlagend und stechend.

„Beeil dich! Wir heben ab!“

Sie lösten sich voneinander und rannten zur Fensterfront. Gemeinsam sprangen sie ab, doch Cate rutschte auf einem losen Stein aus. Während Eric es bis auf das Schiff schaffte konnte sie sich noch gerade so an der Reling festkrallen. Mit Leichtigkeit zog Eric sie hoch und trug sie zu den Stufen zum Achterdeck.

Das Schiff schoss mit voller Fahrt nach oben. In wenigen Sekunden würden sie in Sicherheit sein. So lange würde sie sich aber noch an Erics Schultern festhalten.

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