• Sinnlosoph

Projekt Eden - 7. Kapitel

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Sir Adam saß wie üblich an seinem Schreibtisch als es an der Tür klopfte. Er sagte nichts. Geräuschlos trat sein Butler ein und räusperte sich. Sir Adam blickte auf und sah ihn an.

„Der Brief wurde wie gewünscht überbracht. Ich habe das Antwortschreiben bei mir.“

Er trat zum Tisch und legte ein Silbertablett ab, worauf sich der Brief mit schwarzem Siegel befand. Sir Adam öffnete ihn und überflog die Zeilen.



„Was?!“

Wütend schleuderte er das Tablett nach seinem Butler, welcher sich elegant duckte und sich nichts anmerken lies.

„Bring mir Jacques, Jacques de Montreux. Aber schnell!“

Sir Adam schnaubte vor Wut. Er holte mit viel Schwung seine Kassette hervor und knallte sie auf die Tischplatte. Sein Butler hingegen blieb ruhig, verneigte sich kurz und verließ das Zimmer.

Schnell schätzte Sir Adam den Inhalt der Kassette. Das ganze Unterfangen würde ihn teurer zu stehen kommen als er dachte. Allerdings störte ihn der finanzielle Verlust weit weniger als die vergeudete Zeit. Jede Minute, die er aufgehalten wurde, machte seine Auftraggeber unberechenbarer. Wenn er es hingegen schaffen sollte, sie zufrieden zu stellen, würde Geld bedeutungslos werden.

Es klopfte abermals an der Tür. Diesmal trat allerdings nicht sein Butler ein, sondern ein schmaler, kleiner Mann mit Glubschaugen und fettigen Haaren. Er verneigte sich gerade so tief, dass es den Anforderungen genügte und trat auf ihn zu.

„Sie haben nach mir geschickt, werter Herr?“

Seine Stimme war angenehm schmeichelnd, so dass Sir Adams Wut ein wenig abnahm.

„Setz dich, bitte.“

Jacques setzte sich und neigte den Oberkörper interessiert vor.

„Ich habe hier deine Unterlagen. Du scheinst ein überaus fähiger Spion zu sein.“

„Der beste, wenn ich das anfügen darf.“

„Du kennst dich mit den verschiedenen Gepflogenheiten aus und kannst mehrere Sprachen fließend. Verkleidungen scheinen dir keine Mühe zu bereiten und bisher warst du äußerst loyal. Kannst du dich auch als gemeiner Arbeiter einbringen?“

„Ich bitte sie, Sir, das ist wohl wirklich keine Herausforderung für jemanden mit meinen Fähigkeiten.“

„Reicht das, um deine Dienste in Anspruch zu nehmen? Bis zur Erfüllung des Auftrages versteht sich.“

Sir Adam schob ihm die gesamte Kassette zu. Darin befand sich genug Bargeld und Juwelen, um eine ganze Straße mit allen Häusern und Läden zu kaufen. Jacques warf einen flüchtigen Blick darauf.

„Ich bin ganz euer.“

„Gut. Ich erwarte Diskretion, Loyalität und garantierten Erfolg. Das Ziel ist Angelo Correr.“

„Er ist Ingenieur in den Diensten der königlichen Luftfahrtgesellschaft. Momentan arbeitet er für einen anonymen Förderer zur Entwicklung dampfbetriebener Prothesen.“

„Ich sehe, ich habe den Richtigen für diesen Auftrag gewählt.“

Sir Adam war beeindruckt. Jacques wusste nicht alles, doch wesentlich mehr als für die Öffentlichkeit zugänglich war. Er fuhr fort:

„Denke daran, Charles ist beim Versuch ihn aufzuhalten umgebracht worden.“

„Das war ein grober Schläger ohne Feingefühl. Ich versichere euch, bei mir wird es keinerlei Komplikationen geben.“

„Spioniere ihn aus. Vermittle ihm falsche Informationen. Lass ihn in eine Falle tappen. Meine Leute werden ihn dann erledigen.“

„Sehr wohl, Sir.“

Mit diesen Worten stand Jacques auf, verneigte sich und verließ mit der Kassette den Raum. Sir Adam widmete sich wieder dem Brief. Seine Stimmung war etwas entspannter. Allerdings ergriff ihn eine Mischung aus Angst und Hilflosigkeit beim erneuten durchlesen der Zeilen. Er hatte nur noch diesen einen Versuch. Wenn es schief gehen sollte, würden ihn seine Auftraggeber wahrscheinlich aus dem Weg räumen und die Sache selbst in die Hand nehmen.

Er schluckte schwer und schenkte sich einen Portwein ein.

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