• Sinnlosoph

Projekt Eden - 8. Kapitel

„Was meinst du, haben sie mit uns vor?“

Eric schwieg, so wie immer.

„Wir hängen hier schon eine Weile. Denkst du sie werden uns töten?“

„Nein.“

„Was macht dich so sicher? Immerhin sind es Piraten. Denen kann man nicht trauen. Die würden sogar ihre eigene Mutter umbringen, wenn es sich lohnt.

„Diese nicht.“

Sie schwiegen. Eric musste an das Gespräch mit Cate denken. Wie weit konnte er ihr trauen? Sie schien eine aufrechte Seele zu haben und trotzdem war sie eine Piratin. Dazu war sie noch Kapitän eines eigenen Schiffes. Sie musste also schon einiges auf dem Kerbholz haben.

„Wie geht es euch da unten? Wir setzen euch gleich ab. Macht euch auf eine unsanfte Landung gefasst.“

Es war Finnigan, der erste Maat. Er konnte die Vorfreude nur schlecht verbergen. Tatsächlich spürten sie, wie das Schiff sank und unter Ihnen wurde bald ein Hügel sichtbar. Einige Meter darüber hängend blieben sie stehen.

„Viel Spaß bei der Landung, ihr Saftnasen!“

Mit diesen Worten hörten sie, wie die Seile gekappt wurden. Sie fielen. Der Hügel war dick mit Moos bewachsen und federte den Sturz ein wenig ab. Dennoch stöhnten die beiden beim Aufprall.

„Geht es dir gut?“

Angelo stand bereits und hatte sich erstaunlicherweise schon aus den Fesseln befreit. Er half Eric auf die Beine und entknotete auch seine Seile.

„Weißt du wo wir sind?“

Eric blickte nach oben. Das Luftschiff schwebte bereits ein gutes Stück über ihnen und würde bald in den niedrigen Wolken verschwinden.

„Ja, ich kenne den Hügel. Es ist nicht weit bis wir bei mir Zuhause sind. Ich muss mit Alina sprechen. Und die Miene!“

Plötzlich fiel ihm schmerzlich ein, dass er noch den Wagen zurückbringen musste und er nichts über den Verbleib seines Freundes Oric wusste.

„Lass uns gehen.“

Mit steifen Beinen gingen sie den Hügel hinunter. Tatsächlich war das Haus von Eric und Alina bereits nach wenigen Minuten in Sicht. Ebenso wie der Wagen, den er in der Seitengasse abgestellt hatte. Alina erwartete sie bereits an der Tür.

„Wo wart ihr so lange? Und was ist mit euch geschehen?“

„Gehen wir rein. Hier draußen redet es sich schlecht.“

Sie setzten sich an den Tisch und Alina brachte eine Kanne mit dampfendem Tee.

„Jetzt erzählt mir, was vorgefallen ist. Und wieso seid ihr von oben bis unten Dreckig und voller blauer Flecken?“

Sie schwiegen. Alina setzte sich nun ebenfalls und Jenkyns, ihr getigerter Kater sprang ihr auf den Schoss. Angelo nippte gedankenverloren an der Tasse und Eric wich ihrem Blick aus.

„Sprecht endlich mit mir! Ich habe ein Recht darauf zu erfahren was passiert ist!“

„Wir wurden angegriffen. Ich ging zu Angelo wie ich es dir versprochen habe. Allerdings waren da einige Schläger in seiner Werkstatt.“

Eric erzählte die Geschichte. Es war seltsam, da man ihn nur selten so viel reden hörte.

„Dann wurden wir auf dem Hügel abgesetzt und wir kamen her. Weißt du etwas über Oric?“

Alina war sichtlich geschockt. Sie konnte sich nicht erklären, wie es dazu kommen konnte, war Angelo doch einer, der niemandem auf die Füße tritt.

„Die Miene steht noch. Oric hat es auch geschafft, allerdings hat er sich dabei die linke Hand gebrochen. Ein Stein zertrümmerte sie ihm.“

Eric konnte sich nicht entscheiden ob er Glücklich oder traurig darüber sein sollte. Er entschied die Kerze auf dem Tisch grimmig anzuschauen.

Sie schwiegen sich eine Weile an. Plötzlich ergriff Angelo das Wort.

„Was wollen wir nun tun? Wir alle sind Angestellte von Sir Adam. Wenn das wahr ist, was die Piraten Eric erzählten, steckt er hinter dem Attentat. Es ist auch kein Geheimnis, dass ich mit euch befreundet bin. Ihr seid somit ebenfalls in Gefahr.“

Eric hasste es, aber er musste ihm Recht geben. Wenn alles, was sie bisher erfahren haben stimmte, dann konnte hinter jeder Ecke ein weiterer Schläger auf sie warten.

„Wir müssen herausfinden, was dieser Sir Adam vorhat. Du und Alina, ihr bleibt hier. Ich kann es nicht verantworten, wenn ihr euch in Gefahr bringt. Ich werde mich in der Miene umhören. Vielleicht wissen die anderen mehr darüber. Ich bringe gleich noch den Wagen vorbei und sehe ob ich etwas herausfinde.“

Keiner der beiden wollte protestieren. Deshalb stand Eric auf und ging zur Tür hinaus. Angelo und Alina saßen sich schweigend gegenüber.

„Ich sehe mir mal das Haus an. Vielleicht kann ich noch etwas umbauen.“

Angelo verschwand und Alina blieb allein mit ihrem Kater zurück. Gedankenverloren trank sie ihren Tee und streichelte Jenkyns. Warum geschieht uns das? Ich wollte doch ein ruhiges Leben mit Angelo und meinem Bruder. Wir haben doch nichts falsch gemacht?

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