• Sinnlosoph

Feuerkrieger - 12. Kapitel: Der Zauber der Alten

„Versteht mich nicht falsch, doch wird es ausreichen?“

„Es reicht lange genug. So lange bis unsere Hoffnung eintritt.“

Cecil war ein gebildeter Mann. Zumindest gebildeter als die meisten von sich behaupten konnten. Und doch konnte er in den meisten Aussagen der Magierin keinen eindeutigen Sinn ausmachen.



„Und wie lange ist das? Tage? Wochen? Ich brauche Fakten. Die Handvoll, die sich zur Verteidigung freiwillig meldete, wird nervös. Die Ungewissheit macht sie mürbe.“

In Wahrheit waren die meisten von akutem Schlafmangel betroffen. Aus Angst, der Angriff könne sie im Schlaf überraschen.

„Sag ihnen sie können beruhigt sein. Mein Blick reicht weiter als der eure und ich werde euch früh genug davon in Kenntnis setzen, wenn es so weit ist.“

Mit solch einer Antwort rechnete Cecil. So ging es immer aus, wenn er von ihr eine eindeutige Aussage wollte. Stumm salutierte er und ging mit leicht hängenden Schultern zurück zu seinen Männern. Ein weiterer Tag, an dem er versuchen musste, das tapfere Volk zu beruhigen und mit fadenscheinigen aussagen Mut zu zusprechen.

Die Magierin in ihren schwarzen Gewändern ging langsam durch ihre Residenz in Seenheim. Ihre Schritte führten sie zu einem reich verzierten Balkon, von dem aus man eine atemberaubende Aussicht auf den See und die schöne Landschaft rund um Seenheim hatte. Wäre da nicht die graugrüne Masse gewesen, welche sich bis zum Horizont erstreckte. Wenn man genau hinsah konnte man sogar bis zur Festung auf dem Königsfelsen blicken. Oder wie man jetzt wohl besser sagte auf die Ruinen davon.

Vor zwei Tagen schien es den vereinigten Horden der Orks, Goblins und anderen dunklen Kreaturen gelungen zu sein die Festung zu stürmen. Anfangs stieg nur ein dünner Rauchfaden aus dem äußeren Verteidigungsring auf. Doch nur Stunden später schien selbst der Fels, auf dem die Festung stand zu brennen. Vielleicht war dies auch der Fall. Es war nicht üblich für die Scheusale so koordiniert und zielstrebig zusammen zu arbeiten. Es musste eine Macht dahinter stecken welche bisher noch im Verborgenen blieb.

Nun stand die gesamte Streitmacht des Bösen vor den Toren von Seenheim. Mit dem Unterschied, dass für ihre Augen nur ein See zu sehen war. So groß, dass ganz Seenheim darin hätte versenkt werden können. Wer dem See zu nahe kam und somit den Zauber, den sie vor einigen Wochen um die Stadt wob, gefährdete, alterte zunehmend schneller je näher er der Eigentlichen Stadt kam. Dieser Verteidigungszauber war wohl einfach gestrickt, doch sehr wirksam. Zum einen täuschte er die Feinde, zum anderen vernichtete er jene, die nicht getäuscht werden konnten oder aus Unwissenheit zu nahekam.

Thalea war eine der letzten Elfen und somit von Geburt an magisch veranlagt. Doch im Gegensatz zu ihren Artgenossen verspürte sie keine Abscheu vor den Menschen mit ihren klobigen und schmutzigen Städten. Sie verspürte eine tiefe Zuneigung zu sämtlichen Wesen, die Gutes zu tun vermochten. Und so konnte sie nicht blind zusehen wie die Menschen aufgerieben wurden, während sie und die anderen Elfen in den Baumwipfeln der Thyndred-Ebene Zuflucht suchte. Sie riskierte lieber ihr Leben, um Tausende zu retten. Warum sollten die anderen Völker dafür büßen, dass sie nicht so intelligent und grazil, so künstlerisch und vollkommen waren wie das alte Volk? Zudem hatte sie in den momentanen Geschehnissen eine Rolle zu spielen. Das spürte sie. Welche war ihr noch nicht klar, doch das würde sich bald zeigen.

Wie sie da stand, die Hände auf dem fein gemeißelten und reich verzierten Geländer des Balkons. Wie der Wind mit ihrem langen, lichtsilbernen Haar spielte und sie nachdenklich in die Ferne blickte. In ihrem weiten, schwarzen Kleid, das den Kontrast zu ihrer weißen Haut bildete, konnte man glauben, ein gefallener Engel ohne Flügel sei gelandet.

„Komm schnell zurück Geliebter. Ich weiß nicht wie lange ich sie aufhalten kann.“

Mit diesen Worten wandte sie sich um. Ihre rechte Hand glitt unwillkürlich zu dem Ring, der um ihren Hals an einer Lederschnur hing. Es war ein Geschenk ihres Liebsten. Sie würde ihn dazu benutzen einen Zauber über ihren Nicolai zu sprechen, der ihn vor möglichem Schaden schützen möge und hatte dafür noch einiges vorzubereiten.

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