• Sinnlosoph

Feuerkrieger - 16. Kapitel: Eine böse Überraschung

Nicolai hatte keine Kosten gescheut. Weder bei der angeforderten Ausrüstung noch bei den Pferden. Es waren drei schöne und kräftige Rösser der Kavallerie. Nach seinen Angaben beherbergte die Garnison von Esteborg mehr Pferde als sie mit ausgebildeten Soldaten hätten besetzen können. Natürlich hatte er dank seines guten Rufes ein wenig Rabatt bekommen, doch Travos war sich sicher, dass er immer noch einen stattlichen Batzen in die Hand nehmen musste.



Sie waren nun seit drei Tagen unterwegs. Gerastet hatten sie nur so viel wie es unbedingt notwendig war. Die restliche Zeit verbrachten sie trabend und wenn es das Gelände und die Konstitution der Pferde zu ließ in gestrecktem Galopp. Der Winter schien langsam zu Ende zu gehen. An der Südseite der Hügel war größtenteils das Gras zu sehen und auch die Sonne hatte bereits genug Kraft, um die drei Gefährten unter ihren schweren Wintermäntel zum Schwitzen zu bringen. Das Wetter schien ihnen gewogen. Es hatte praktisch durchgehend die Sonne geschienen und auch jetzt war nirgends am Himmel eine Wolke zu sehen.

Für wahr, sie kamen gut voran. Dennoch schien es Nicolai nicht schnell genug zu gehen. Bei den kurzen Rasten, die sie abhielten, schien er sich nicht zu erholen, sondern vielmehr immer gereizter zu werden. Selbst jetzt, da sie wieder über eine Ebene galoppierten war sein Gesicht hart. Travos hatte so das Gefühl, dass er seit der Abreise keine einzige Nacht wirklich geschlafen hatte.

Sie näherten sich einem kleinen, überschaubaren Wäldchen, welches auf einem kleinen Hügel stand. Es wurde wieder einmal Zeit für eine Rast und so gab er Andro und Nicolai ein Zeichen, dass sie auf dieses Wäldchen zuhalten sollten. Wie zu erwarten war, gefiel das Nicolai überhaupt nicht. Doch wenn er so unvernünftig sein sollte und den ganzen Weg nach Seenheim ohne Unterbrechung reiten will, war es ihre Pflicht dafür zu sorgen, dass er, wenn er dort ankommt auch halbwegs bei Kräften ist. Zudem brauchten die Pferde Wasser und Travos Blase reklamierte schon seit den frühen Morgenstunden.

„Muss das schon wieder sein? Es ist erst Mittag und wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Zudem habe ich bei diesem Ort ein ungutes Gefühl.“

„Genau dasselbe sagtest du auch beim letzten Rastplatz. Und bei dem Davor. Und überhaupt bei jedem.“

Andro hatte recht. Zudem schien es als könne die Reise für ihn nicht lange genug Dauern. Er genoss es sichtlich ohne Verpflichtung durch die Gegend zu Reiten. Ohne einen Gedanken an den nächsten Tag zu verschwenden. Nicolai hingegen nörgelte vor sich hin. Die eingefallenen, entzündeten Augen verschossen Blitze und er ließ keine Möglichkeit aus, seinen Unmut zu zeigen. Routiniert machten sie sich an die Arbeit. Zumindest Travos und Andro. Nicolai trat nach Steinchen, hieb mit seinem Degen in das hohe Gras und murmelte dabei unablässig. Andro begann ein kleines Feuer zu entzünden, um einen bereits vorbereiteten Eintopf aufzuwärmen. Travos nahm unterdessen die drei Pferde an den Zügeln und führte sie in das Wäldchen. Irgendwo darin musste es einen kleinen Bach und somit frisches Wasser geben. Dort konnten die Tiere trinken, die Wasserschläuche aufgefüllt werden und er hätte endlich Gelegenheit sein eigenes Wasser ab zu schlagen.

Das sanfte Plätschern des Baches führte ihn zielsicher zum gesuchten Ort. Grundsätzlich konnte er Andro gut verstehen. Zu dieser Jahreszeit, da die Natur langsam aus ihrem langen Schlaf erwacht und die Tage wieder länger und wärmer wurden gab es nichts Schöneres als Hautnah dabei zu sein. Für Nicolai hatte er weniger Verständnis. Er wusste, dass seine Frau ihm viel bedeutete, doch was er hier zeigte, war keine bloße Liebe mehr. Er war regelrecht von ihr besessen. Er selbst kannte Thalea nicht. Den Erzählungen seines Reisegefährten zu folge soll sie allerdings eine Frau von unerreichter Schönheit und Eleganz sein. Er schwärmte in den höchsten Tönen von ihr und doch konnte er nicht verstehen, wie sich ein stattlicher Mann wie Nicolai so sehr um ihr Wohlergehen sorgen konnte, dass die eigene Gesundheit bis aufs Äußerste dafür strapaziert wurde.

Leise vor sich hin summend begann er damit ihre Wasservorräte auf zu füllen. Es dauerte nicht lange und die ins gesamt fünf ledernen Schläuche waren prall gefüllt. Nun war es endlich an der Zeit den unangenehmen Druck in seinem Unterleib zu beseitigen. Mit einem wohligen seufzen tränkte er einen großen Eichenbaum, der gerade in der Nähe stand. Wenn er mit den Pferden zurück kehrte würde Andro bereits ein passables Feuer entfacht haben und derselbe Eintopf wie schon die Tage davor über dem Feuer hängen. Ein Schrei riss ihn aus seinen Gedanken. Er kam eindeutig aus der Richtung, in der sie Ihr kleines Lager aufschlagen wollten. Schnell schüttelte er noch die letzten Tropfen ab und lief los.

Während er rannte versuchte er seine Hose zu verschnüren und wäre dabei beinahe über eine hervorstehende Wurzel gestolpert. Sein Verstand riet ihm, dass er nicht wie ein wild gewordener Stier in das Lager platzen, sondern ein wenig Deckung hinter den umstehenden Bäumen suchen sollte. Also schlich er die letzten paar Schritte geduckt von Deckung zu Deckung. Als er den Rand des Wäldchens erreichte spähte er durch ein niedriges Himbeergebüsch, welches bereits einige Blätter getrieben hatte und so vortrefflichen Sichtschutz bot. Was er sah schockierte ihn.

Der Kochtopf mit dem Essen hing wie gehofft über dem Feuer und begann zu dampfen. Seine Gefährten allerdings waren in einer ausweglosen Lage. Irgendwie waren sie unbemerkt in einen Hinterhalt von Banditen oder Wegelagerern gelangt. Sieben Bogenschützen hatten ihre Pfeile auf seine beiden Kumpane gerichtet und die Sehnen gespannt. Andro und Nicolai hatten die Hände erhoben und die Waffen vor sich auf dem Boden verteilt. Sie waren wehrlos und wenn er ihnen jetzt zu Hilfe eilen würde, wäre ab zu sehen wie es ihm erging. Dazu kam, dass es die Schützen erschrecken könnte, welche dann die Sehnen ihrer Bögen losließen und als Folge ein ungewollter Pfeilhagel losbricht.

Fieberhaft dachte Travos darüber nach, wie er ihnen helfen könnte. Gerade als er sich aus seinem Versteck zurückziehen wollte hörte er hinter sich ein leises Rascheln. Kurz darauf spürte er die Klinge eines Dolches an seinem Hals.

„Da ist mir doch glatt ein weiterer Fisch ins Netz.“

Die Frauenstimme war genauso schneidend und kalt wie der Stahl an seiner Kehle.

„Komm mit. Ich glaube deine Freunde vermissen dich schon.“

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