• Sinnlosoph

Feuerkrieger - 17. Kapitel: Von Fallen und Pfeilen

Sie ritten nun schon eine ganze Weile Richtung Süden. Allzu schnell kamen sie nicht voran. Luvan hatte sich kurzerhand ein Pferd von einem der umliegenden Höfe gestohlen. Brandulf allerdings konnte aufgrund seiner geringen Größe mit solch einem Tier nichts anfangen. Widerwillig hatte er zugestimmt zumindest ein Pony für die Reise zu verwenden. Allerdings sind diese in der Gegend nicht besonders verbreitet. Erst am dritten Tag hatten sie eines in einem Stall entdeckt und dem Bauern abgekauft. Es waren nicht die besten Reittiere, doch immerhin würden sie so nicht zu Fuß gehen müssen.



Als sie die letzten Ausläufer von Esteborgs Zivilisation hinter sich gelassen hatten und in der freien Natur auf von Unkraut überwucherten Trampelpfaden unterwegs waren verordnete Luvan eine Pause. Brandulf hatte sich wirklich gebessert. Zumindest redete er nicht mehr ununterbrochen und löcherte seinen Gefährten nicht mehr unentwegt mit Fragen. Allerdings konnte das auch an seinem Wundgerittenen Hintern liegen. Er war sich lange reisen nicht gewohnt. Zudem war er, was das Essen anbelangte etwas verwöhnt.

Luvan kletterte auf einen etwas abseitsstehenden Baum und hielt Ausschau. Er wusste was er suchte, doch nicht wo er es finden würde. Schließlich war er einige Jahre nicht mehr hier gewesen. Brandulf vertrat sich unterdessen die Beine und versuchte einen Krampf seiner Gesäßmuskulatur zu lindern. Ohne Erfolg wie es schien. Er versuchte alles was ihm zur Verfügung stand: hüpfen, rennen, seine Hinterbacken mit den Händen massieren. Seine endlosen Nörgeleien wurden kein bisschen leiser. Luvan suchte weiter die Gegend ab.

Womöglich waren sie nicht einmal mehr hier? Es war riskant immer am gleichen Ort zu bleiben. Vielleicht wurden sie schon längst entdeckt. Andererseits war dies ihr Hauptposten. Er wusste, dass sie von hier aus schon vor seiner Geburt immer wieder Überfälle auf die Handelsstraßen planten. Ihr Versteck war zudem so gut mit Fallen gesichert, dass es schier unmöglich war das Lager hoch zu nehmen.

Ein Knall wie von einer Peitsche war zu hören. Brandulfs Tiraden gingen nahtlos in einen Schrei über und wurden bald durch einen dumpfen Laut beendet. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht sprang Luvan vom Baum hinunter und suchte nach seinem kleinwüchsigen Freund. Schwer zu finden war er nicht. Er hing gut einen Steinwurf entfernt kopfüber an einem Baum und hatte eine Platzwunde an der Stirn aus welcher beständig dunkles Blut tropfte. Mit einem gut gezielten Messerwurf durchtrennte Luvan das Seil und fing den Zwerg so gut es ging auf. Nach einigen Spritzern kühlen Wassers erwachte dieser auch wieder aus seiner Ohnmacht und blickte sich verwirrt um.

„Herzlichen Dank. Du hast gefunden, was ich gesucht habe. Von jetzt an bleibst du am besten dicht hinter mir.“

Er klopfte ihm auf die Schultern und ging zielstrebig tiefer in den Wald hinein. Brandulf dröhnte noch immer der Kopf. Er wusste nicht recht was passiert war. Er konnte sich nur daran erinnern, dass ihm der Boden unter den Füssen weggezogen wurde und kurz darauf ein Baum mit absurder Geschwindigkeit auf deinen Kopf zu raste. Ihm war leicht schwindelig und er brauchte sämtliche Kraft, um nicht bei jedem zweiten Schritt der Länge nach hin zu fallen. Ihm blieb also nichts anderes übrig als Luvan zu folgen.

Nach einigen Schritten, als es ihm wieder etwas besser ging und die Welt aufhörte sich zu drehen konnte er den fast unsichtbaren Weg, den sie nahmen, etwas genauer betrachten. Luvan schien genau zu wissen wohin er wollte. Allerdings lief er wie ein Betrunkener mal nach links und dann wieder nach rechts. Den ein oder anderen baum umrundeten sie mehrfach, ohne danach die Richtung gewechselt zu haben. Auch kam es vor, dass sie zwischendurch einige Schritte zurück gehen mussten ohne, dass es einen Sinn dahinter zu haben schien. Dennoch hielt sein langer Freund es nicht für angebracht ihm eine Erklärung zu liefern. Nach einer endlos scheinenden Irrfahrt durch die Büsche und Äste des Waldes hielt Luvan endlich an.

„Wir sind da. Von jetzt an ist es wichtig, dass du bei mir bleibst und deine Zwergenzunge etwas in Zaum hältst. Hast du mich verstanden?“

„Wie wäre es, wenn du mir erst einmal erklärst was wir hier suchen? Totes Laub und alte Bäume gibt es auch anderswo genug.“

„Folge mir und du wirst es sehen. Ich werde dir bei Zeiten alles erklären.“

Mit diesen Worten wandte er sich ab und ging zum nächsten Baum. Eine alte Kiefer. Dem Anschein nach war sie schon seit Jahren tot. Die Äste trugen kein Grün, die Borke war an manchen Stellen abgefallen und darunter erkannte man klar tiefe Furchen, welche Käfer hineingefressen haben. Ohne zu zögern zog er ein kleines Stilett aus seinem rechten Stiefel und klopfte mit der klinge an den Stamm. Insgesamt sieben Mal schlug er das Eisen an verschiedenen Stellen gegen das Holz und jedes Mal klang der dumpfe schlag etwas anders. Nach einigen Herzschlägen gespannten Wartens geschah nichts.

„Was sollte das denn? Elfenzauber? Oder wolltest du mich einfach nur verarsch…“

Einen halben Schritt vor Brandulfs stiefeln hob sich der Boden an. Ein Spalt öffnete sich, so die herumliegenden Blätter auf und wurde immer grösser. Mit einem gedämpften schlag traf das Holz der Falltür auf den Boden dahinter auf. Aus dem so entstandenen, quadratischen Loch ragten drei Pfeilspitzen. Eine davon war auf sein Herz gerichtet, die anderen beiden auf Luvan. Die Gesichter der Schützen waren hinter einer Art Haube aus braunem Leinen und Lederriemen verborgen, so dass nur die Augen zu sehen waren.

„Ihr hattet auch schon eine herzlichere Art Besucher zu begrüßen.“

Luvan klang als wäre es normal, dass sich im Wald eine Öffnung auftat, aus welcher der Tod in Form von Pfeilen entgegen blitzte.

„Wer seid ihr. Woher kommt ihr und was wollt ihr.“

Die tiefe Männerstimme kam vom mittleren der drei Schützen. Er schien nicht mehr der Jüngste und der Anführer der kleinen Gruppe zu sein.

„Der Zwerg heißt Brandulf. Er reist unter meiner Obhut. Mich kennt man unter dem Namen Luvan. Und ich habe etwas mit Cynthia zu besprechen.“

Keiner bewegte sich. Brandulf begann sich zunehmend unwohl zu fühlen. Sie waren ihnen ausgeliefert. Wenn Luvan etwas Falsches sagte, konnte es ihr beider Tod bedeuten. Worauf hat er sich nur eingelassen? Er hätte ihn im Kerker verrotten lassen sollen. Oder gegen ihn aussagen und genüsslich seiner Hinrichtung beiwohnen. Doch der verfluchte zwergische Abenteuerinstinkt hatte gesiegt. Gerade als er damit begann ab zu wägen ob er es schaffen könnte hinter einen Baum oder etwas Ähnliches zu springen, bevor der Pfeil ihn erreichte kam Bewegung in die Schützen. Die Waffen wurden gesenkt, die Pfeile in die Köcher gesteckt.

„Ihr könnt reinkommen. Aber wir beobachten euch.“

Mit diesen Worten verschwanden zwei von ihnen so dass nur der mittlere blieb. Er nickte Luvan kurz zu und winkte ihnen dann zu folgen.

Verdammter Assassine. Dieser Luvan ist mir wirklich mehr als nur eine Erklärung schuldig.

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