• Sinnlosoph

Feuerkrieger - 18. Kapitel: Unliebsame Gesellschaft

Er hatte sich wohl zu früh gefreut. Seit er den blutigen Schauplatz im Wald hinter sich gelassen hatte war genug Zeit vergangen, dass sämtlicher Schnee schmelzen konnte und die Natur allmählich wieder grüner wurde. Wie lange es genau her war vermochte er nicht zu sagen. Lange Zeit folgte er dem Weg, den er gefunden hatte. Nachdem allerdings Tage lang keine Menschenseele seinen Weg kreuzte und es auch keinerlei Anzeichen für nahende Zivilisation gab beschlich ihn das Gefühl einem alten, vergessenen Handelsweg zu folgen. Während seiner Regentschaft hatte er etliche Gesuche abgelehnt, welche einen Ausbau des Straßennetzes beantragten. Wie es schien wurde ihm das jetzt zum Verhängnis. Es war gut möglich, dass dieser Weg irgendwo in der Wildnis endete, da man die verwendeten Steine anderweitig brauchte. Oder dass er in einer verlassenen Geisterstadt landen würde. So oder so würde ihm nicht geholfen sein.



„So etwas kann nur mir passieren. Andere währen schon in der Schlacht mit Würde gestorben.“

Er beschloss also vom Pfad ab zu weichen und in Richtung Osten zu gehen, dort wo das Meer war. Jedenfalls glaubte er es sei Osten. Sein Orientierungssinn war noch nie besonders ausgeprägt. Zudem kannte er das Land größtenteils nur von uralten Karten welche zum Teil nicht mehr mit der Realität überein stimmten.

Immerhin hatte sich sein Körper langsam an die Strapazen gewöhnt. Seine Füße trieben kaum noch blasen und auch der nagende Hunger war nicht mehr all gegenwärtig. Zudem brauchte er sich keine Sorgen mehr zu machen im Schlaf zu erfrieren. Die Nächte waren noch immer kalt, allerdings stand einem nicht mehr der Atem vor dem Mund und schlug sich in Form von Eiskristallen in seinem wuchernden Bart nieder.

„Nur ich konnte natürlich nicht Sitzenbleiben und auf den Tod warten. Ich musste natürlich abhauen.“

Dazu kam, dass langsam auch das Tierreich aus dem Winterschlaf erwachte. Und dies bedeutete ein steigendes Nahrungsangebot. Als er so gedankenverloren einen niedrigen Hügel hinauf marschierte viel ihm auf, dass so ein Leben auch seine Vorteile hatte. Er hatte wohl sämtlichen Wohlstand und Komfort hinter sich gelassen, jedoch plagten ihn nun auch keine Sorgen und Verpflichtungen die einen Regenten jeden Tag zu erdrücken drohen.

„Jeder vernünftig denkende Mensch hätte sich schon längst erhängt.“

Solche Gedankengänge waren nicht neu für ihn. Er hatte in den letzten Wochen genug Zeit sich mit dem Gedanken anzufreunden nie wieder in einem anständigen Himmelbett zu schlafen oder ein köstlich zubereitetes Stück Wild auf seinem Teller zu sehen. Er wagte sogar zu bezweifeln überhaupt wieder einmal einen Teller zu besitzen.

„Es hätte dem ganzen wenigstens ein schnelles Ende bereitet.“

Seine Gedanken verschwanden im gleichen Moment als er über die Kuppe des Hügels blicken konnte. Was er sah, erfüllte ihn mit Freude und kurz darauf mit Entsetzen. In der Ferne erkannte er deutlich die Umrisse seines Heims. Der Königsfelsen stand in seiner ganzen Pracht am selben Ort wie schon seit Jahrhunderten. Allerdings krönte keine prunkvolle Festung sein Haupt. Das militärische und politische Herz des middländischen Reichs war nur noch eine schwach rauchende Ruine. Kein Stein schien auf dem anderen geblieben zu sein.

„Mein Heim ist Asche, meine Garde Tot und meine Wampe ist auch weg. Warum tu ich mir das an?“

Was allerdings weit mehr Sorgen als die Ruine seiner Residenz bereitete war das Heer, welches sich unweit um einen See versammelt hatte. Der ehemalige König stutzte. Er hatte diesen See oft genug vom Fenster seines Arbeitszimmers ausgesehen. Allerdings schien einiges Falsch an dem Bild. Der See war grösser als in seiner Erinnerung. Dafür fehlte die komplette Stadt Seenheim. War es den Biestern etwa gelungen auch diesen Ort aus zu löschen?

„Sogar meine Nachbarn wurden ausgelöscht. Hier hält mich nichts mehr. Ich sollte mich ertränken.“

Langsam begannen die Fakten zu seinem Verstand durch zu dringen. Während seiner vergangenen Irrfahrt durch das Land ging er den gesamten Weg zurück, den er zuvor mit seiner nun zerschlagenen Garde zurücklegte. Folglich war er niemals in Richtung Osten unterwegs, sondern immer zu nach Süden gelaufen. Zu allem Überfluss schien ihn ein Späher der Kreaturen um den See entdeckt zu haben.

„Sich sinnlos abstechen zu lassen hat auch seinen Reiz.“

Eine kleine Gruppe von etwa einem duzend grün- und grauhäutigen Wesen hatte sich aus der Masse gelöst und stürmte ihm entgegen den Hügel hinauf. Um weg zu rennen fehlten ihm die Kraft und die Motivation. Er würde es nicht schaffen ihnen zu entkommen. Also wozu die Anstrengung? Die Gruppe erreichte ihn. Ein etwas zu kurz geratener Goblin wollte schon vorstürmen und ihn mit einer rostigen, schartigen Klinge erstechen als er innehielt.

„Komm schon. Immerhin das seid ihr mir schuldig.“

Mit quiekenden und grunzenden Lauten schienen sie sich zu besprechen bis einer von ihnen, ein breit gebauter Ork mit nur einem Ohr vortrat und ihn kurzerhand bewusstlos schlug. Die Selbstgespräche des abgemagerten Königs endeten. Der Ork, der ihn niedergeschlagen hatte, packte ihn am Fuß und schleifte ihn den Hügel hinunter in Richtung ehemaliger Königsfelsen.

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