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Feuerkrieger - 22. Kapitel: Die erste Beschwörung

Es dauerte ihm zu lange. Diese verdammten Menschen hatten mehr Durchhaltevermögen als er dachte. Der Schild fiel wie zu erwarten war. Allerdings hatte er damit gerechnet, dass nach dem der Zauber gebannt wurde nur eine kleine Ansammlung von ausgelaugten Menschen dastehen würde, welche mit einigen schlagfertigen Argumenten aus dem Weg zu räumen sind. Sie hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Verluste waren ihm egal, doch die Zeit, die verstrich würde sich nicht mehr aufholen lassen. Verärgert wandte er sich ab. In seinem Zelt hatte er genug Material zur Verfügung, um wenigstens die nächsten Schritte vor zu bereiten. Kaum hatte er sich an seinen Schreibtisch gesetzt und das entsprechende Buch aufgeschlagen wurde die Plane zurückgeschlagen.



Ein stinkender Ork trat ein, von oben bis unten mit Schlamm verkrustet. Ohne auf zu blicken zeigte er mit der linken auf ihn, drehte die Handfläche nach oben und schloss die Finger zur Faust. Augenblicklich sank der Störenfried in sich zusammen, löste sich auf und sammelte sich in einer Wolke aus Staub, welche das Licht auf zu saugen schien. Das passierte, wenn man ihn unangekündigt zur falschen Zeit stört. Die schwarze Essenz sammelte und konzentrierte sich bis sie zu einem Kieselstein großen Klumpen schrumpfte. Diesen steckte er in einen kleinen, ledernen Beutel.

Vor dem Zelt brach ein kleiner Tumult aus. Es gab nicht viel was ihn mehr erzürnte, als wenn man ihn direkt bei der Arbeit störte. Wenn sie allerdings nicht einmal den Mut haben ihm in die Augen zu blicken konnte ihm das den ganzen Tag verderben. Wütend trat er hinaus. Dabei stolperte er fast über eine Gruppe von Orks und Goblins. Offensichtlich war der, der zuvor zu ihm kam ihr Anführer. Sofort wichen sie vor ihm zurück.

„Ich hoffe für euch, dass ihr mich nicht grundlos stört.“

Grunzend teilte sich die Menge und gab den Blick auf einen Bewusstlosen Menschen frei. Er brauchte einen Moment, um ihn zu erkennen. Er hatte vielleicht die Hälfte seines Körpergewichts verloren und die dreifache Länge des Bartes zugelegt, doch es war eindeutig der König. Nach kurzem Überlegen formte sich ein genialer Plan in seinem Kopf. Er könnte es ja einmal versuchen.

“Bringt ihn zu mir ins Zelt.“

Er ging voraus und zögernd folgten ihm seine Untergebenen.

„Wartet hier. Und wehe einer von euch Bastarden fasst etwas an“

Nachdem er einige Fläschchen zusammengesucht hatte und deren Inhalt in einem bestimmten Muster auf dem Boden verteilte nickte er zufrieden.

„Erwürgt ihn.“

Mit fragendem Blick schauten sich die Orks um.

„Na los! Oder muss ich euch zeigen wie man es macht?“

Einer von ihnen trat einen unsicheren Schritt in Richtung des ehemaligen Königs und legte die groben Hände an dessen Hals. Er drückte zu.

„Sehr schön. Das reicht. Er ist tot. Stellt euch vor mir auf ihr elenden Hunde.“

Mit geübten Griffen positionierte er die Leiche in der Mitte des Raumes und legte ihm den Lederbeutel mit dem schwarzen Kiesel auf die Brust. Mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen stand er nun seinen Untertanen gegenüber. Diese waren noch immer verängstigt und trauten sich nicht sich zu bewegen. Nach einigen Herzschlägen murmelte er ein unverständliches Wort, klatschte die Hände vor sich zusammen und ließ sie dann sinken. Mit interessierter Miene beobachtete er nun was geschah.

Zunächst schien es, als sei der Zauber misslungen. Doch nach einigen Herzschlägen begann die kleine Gruppe sichtlich zu altern. Die Haut wurde schlaff und faltig, die Augen sanken immer weiter in die Höhlen zurück. Um sie herum sammelte sich derselbe dunkle Staub wie zuvor bei ihrem Anführer und mit einem Stöhnen sanken sie synchron in sich zusammen. Wieder sammelte sich die schwarze Essenz und bildete einen Klumpen. Dieses Mal war er Faustgroß und in perfekten Fassetten geschliffen. Langsam senkte er sich zu Boden und landete neben dem kleinen Beutel.

Zufrieden betrachtete er sein Werk. Eine solche Menge an Lebenskraft sollte genügen. Er besaß vielleicht noch nicht die Macht, die er dafür eigentlich brauchte, doch hatte er nun das Zehnfache an Energie zur Verfügung. Das sollte dieses kleine Problem beheben. Nun konnte er einen kleinen Vorgeschmack dessen beschwören, wovon er Legionen besitzen soll. Er musste nur warten, bis sich einer der Dämonen traute und zum Vorschein kam. Wie erwartet dauerte es nicht lange. Die meisten der höheren Dämonen waren immerzu auf der Suche nach neuen Quellen von Lebensenergie. Sie so auf dem Präsentierteller an geboten zu bekommen war wie ein Festmahl.

Der Eintritt des Höllenfürsten wurde durch ein leises Stöhnen angekündigt. Kurz darauf fegte ein kräftiger, heißer und zugleich kalter Windhauch durch das Zelt. Die zuvor dargebotenen Steine versanken im Körper des toten Königs. Anschließend begann die eigentliche Verwandlung. Durch die Zeichen, die der Magier zuvor auf dem Boden verteilte, war der Geist gezwungen in den Körper zu fahren und seinem Willen zu gehorchen. Unter der Haut der Leiche begann es zu brodeln. Muskeln wuchsen bis auf das dreifache an, Knochen verschoben sich, brachen knackend oder wuchsen zusammen. Das Ganze dauerte einige Augenblicke, doch dann stand er vor ihm: Sein erster dämonischer Untergebener.

Er hatte noch durchaus Ähnlichkeiten mit dem früheren Monarchen doch war er auf groteske Art verdreht. Bei den Gliedmaßen herrschte keinerlei Symmetrie mehr, die Haare waren ihm ausgefallen und an einigen Orten wölbten sich die Ansätze von Hörnern unter der bleichen, gespannten Haut.

„Ich hoffe du verstehst mich. Wir werden jetzt zusammen in die Burg eindringen und eine gewisse Person holen. Solltest du dich als unnütz erweisen werde ich dich Zerstören. Und damit meine ich nicht nur deinen Körper.“

Der Dämon rührte sich nicht. Lediglich die flammend roten Augen verengten sich ein wenig und schienen so sehr von Hass erfüllt zu sein, dass die ganze Welt darin ertrinken könnte.

„Ich sehe, wir werden gut zusammenarbeiten. Gehen wir.“

Ein Fauchen war die einzige Antwort.

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