• Sinnlosoph

Feuerkrieger - 23. Kapitel: Feuer und Blut

Es war nicht gerade angenehm durch den unterirdischen Tunnel zu gehen. Dennoch war es besser als sich durch die Horden der Monster zu schlagen. Nicolai warnte sie davor in einen der Nebenstollen zu gehen, egal was sich darin auch befinden sollte. zu Recht wie sich herausstellen sollte. In unregelmäßigen Abständen zweigten einige Wege ab. Manche waren dunkel und nicht ein zu sehen. In anderen konnte man prall gefüllte Schatzkammern oder Waffenlager Entdecken. Einer schien sogar zum Keller eines Freudenhauses zu führen.



„Ihr müsst wissen, dass das alles nur Blendwerk ist. Thalea hatte diese Idee. Es scheint als führten diese Wege zu Reichtum und Freuden, tatsächlich fehlt nach einigen Schritten der Boden und man fällt in eine mit Pfählen gespickte Grube.“

Nach einem endlos scheinenden Marsch gelangten sie zu einer Treppe.

„Dort oben befinden sich unsere Gemächer. Wenn wir Glück haben befindet sie sich ebenfalls dort.“

Schweigend stiegen sie die Stufen hinauf und gelangten durch eine Tür hinter einem Regal in die Kammer. Sie war verlassen. Es schien als habe ein Sturm in diesem Zimmer gewütet. Die meisten Bücher waren auf dem Boden zerstreut, die Laken des Bettes zerwühlt und an manchen Stellen gerissen.

„Wir müssen sofort zu Hauptmann Cecil!“

Im Laufschritt stürmte er die Tür hinaus und dem Korridor entlang. Luvan und Cynthia hatten Mühe mit ihm Schritt zu halten. Nicolai führte die beiden Zielsicher durch Hallen und Gänge hinaus auf die Straßen der Innenstadt. Von da aus konnten sie sehen, wie verzweifelt die Lage für die Verteidiger aussah.

Es wurde an mehreren Fronten gekämpft und die Männer von Seenheim waren sichtlich erschöpft. Luvan wurde klar, dass sie schon verdammtes Glück haben müssten, wenn sie wieder Heil aus dieser Hölle herauskommen wollten. Nicolai deutete auf den mittleren Wehrgang.

„Da! Cecil steht wie immer an der Front. Er braucht uns!“

Ohne auf seine beiden neuen Freunde zu warten rannte er los. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis sie die Treppe erreichten, die zu den Zinnen hinaufführte.

„Cecil!“

Der Hauptmann blickte sich um und entdeckte sie. Mit der Rückhand schlug er einem Angreifer, der gerade über die Mauer klettern wollte, den Kopf von den Schultern und kam ihnen entgegen. Sie zogen sich in einen der Wehrtürme zurück.

„Die Herrin hatte recht! Ihr seid gekommen.“

Er salutierte. Nicolai erwiderte den Gruß knapp.

„Ich muss zu Thalea. Wo ist sie?“

Sorge zeichnete sich auf Cecils Stirn ab.

„Im provisorischen Lazarett, Herr. Sie hatte bis vor drei Tagen einen magischen Schirm aufrechterhalten, der uns vor Angriffen schützte. Sie hatte sich verausgabt und liegt seitdem in einer Art Koma.“

Nicolai atmete auf.

„Sie ist also in Sicherheit.“

Es schien als sei eine tonnenschwere Last von seinen Schultern gefallen. Nicolai straffte sich und auf einmal strahlte er wieder dieselbe Autorität aus, die ein so einflussreicher Mann besitzen sollte.

„Wie steht es um die Verteidigung? Hallten die Bollwerke Stand?“

Cecil seufzte.

„Die Mauern halten noch. Allerdings gehen mir die Männer aus. Ich habe keinen einzigen mehr in der Reserve. Alle sind entweder tot, schwer verwundet oder hier an der Front. Wenn es so weiter geht werden wir heute noch Untergehen. Die Herrin sagte allerdings, dass ihr kommen werdet. Wo ist die Verstärkung?“

Beschämt wandte Nicolai den Blick ab.

„Es gibt keine Verstärkung. Ich bin mit fünf anderen hierhergekommen. Die Nachricht vom Angriff auf Seenheim erreichte mich zu spät. Es tut mir leid.“

Fassungslos starrte Cecil ihn an.

„Aber das heißt… Wir sind dem Untergang geweiht.“

Resigniert sank er auf einen Stuhl.

„Hauptmann!“

Ein Bote kam herein gerannte und Salutierte hastig. Ohne auf die Erwiderung des Grußes zu warten fuhr er fort.

„Hauptmann, es gab einen Angriff auf das Lazarett! Wir wissen nicht wie sie dahin gelangten, doch es herrscht Chaos!“

Nicolai sprang auf.

„Es sind nur zwei, allerdings habe ich so etwas noch nie gesehen. Es ist schrecklich!“

Verstört sank der Bote in sich zusammen und kauerte sich in eine Ecke.

„So schrecklich… überall Blut.“

Luvan und Nicolai tauschten einen Blick und waren sich sofort einig.

„Wir müssen dahin. Cecil, halte die Stellung. Ich werde mich darum kümmern.“

„Ich folge euch. Ein Schwert mehr wird nicht schaden.“

Zu viert rannten sie los. Es war nicht weit bis zur Krankenstation. Zudem beflügelten die beiden eine Mischung aus Angst und Wut, so dass sie in kürzester Zeit ankamen. Die Worte des Boten konnten sie nicht darauf vorbereiten, was sie da sahen. Nun verstanden sie, weshalb er so aufgewühlt war.

Wo bis vor kurzem noch verletzte auf den Betten lagen und geschäftige Sanitäter hin und her wanderten war die Hölle ausgebrochen. Es gab so gut wie keinen Flecken, der nicht mit Blut besudelt war. Überall lagen Leichenteile verstreut und in mitten all des Wahnsinns stand eine einzelne Person mit dem Rücken zu ihnen. Er war in eine schwarze Robe mit silbernen Stickereien gekleidet. Die Zeichen auf seiner Kleidung schienen in einer fremden Sprache geschrieben zu sein und besaßen eine Art Eigenleben. Sie pulsierten und veränderten sich langsam, aber beständig.

„Ich habe auf dich gewartet.“

Langsam drehte er sich um und sein Gesicht schien dem Tod selbst nachempfunden zu sein. Fahle Haut spannte sich über einen kahlen Schädel. Die Augen waren tief eingesunken, durchgehen Schwarz und von dunklen ringen umgeben.

„Wie ich sehe hast du einige Freunde mitgebracht.“

„Wo ist Thalea!“

Nicolais Stimme überschlug sich.

„Aber, aber. Du solltest deine Schoßhündchen besser abrichten, Kahd’jin.“

„Wer bist du. Und woher kennst du diesen Namen?“

Luvan sprach ruhig. Die anderen starrten ihn verwirrt an. Der Mann in der Robe lachte.

„Woher ich deinen Namen kenne? Du bist berühmt. Ich kenne dich. Und ich kannte auch deine Ahnen. Und genau wie sie sollst du durch meine Hand sterben. Allerdings bin ich großzügig.“

Er machte eine Pause und lächelte versonnen.

„Du sollst nicht unwissend sterben. Du solltest mich ebenfalls kennen. Oder zumindest von mir gehört haben. Einige nennen mich Faelan. Unter deines Gleichen bin ich auch als Todbringer bekannt.“

„Das reicht!“

Cecil hatte die Starre überwunden und stürmte mit dem Schild voran auf den Magier zu, das Schwert zum Schlag bereit.

„Also bitte…“

Faelan streckte die rechte Hand aus, Daumen und Zeigefinger gekrümmt.

„Du wirst für all die Opfer büßen!“

Eine Wolke aus giftig grünem Dampf schoss aus der Hand des Magiers, direkt auf Cecil zu. Dieser konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und rannte geradewegs hinein. Ein erstickter Schrei war das einzige was sie hörten. Als der Dampf sich verzogen hatte sahen sie den Hauptmann ausgestreckt da liegen. Die Rüstung war verrostet und die Haut warf dicke blasen.

„Ich sagte doch du solltest sie an die kurze Leine nehmen.“

Nicolai und Cynthia starrten fassungslos auf die Leiche. Luvan hingegen zog eines seiner bewährten Wurfmesser und schleuderte es Faelan entgegen. Der Wurf war gut gezielt und würde ihm direkt in den Hals fahren. Dieser aber winkte gelangweilt ab. Eine schimmernde Barriere entstand vor ihm und als das Messer durch sie hindurch flog zerfiel es augenblicklich zu rostigem Staub.

„Von dir hätte ich mehr erwartet.“

Nun war auch Luvan aus der Fassung geraten. Starr blickten die drei verbliebenen Recken in den Saal.

„Weißt du was Kahd’jin? Da ich heute einen guten Tag hatte werde ich dich nicht töten. Ich werde jetzt zusammen mit eurem geliebten Mondkind verschwinden und überlasse euch meiner neuesten Schöpfung. Bald werde ich eine Legion solcher Kreaturen besitzen. Also könnt ihr gerne versuchen sie zu töten.“

Mit diesen Worten wandte er sich ab. Er ging hinter eine der Trennwände und kam mit Thalea in den Armen wieder hervor.

„Ich hoffe doch, dass du überlebst. Ich möchte dir Zeigen was ich aus ihr gemacht habe.“

Mit hämischem Gelächter verblasste er und verschwand schließlich ganz mitsamt der Elfin. Die drei gaben sich der Verzweiflung hin, die sich breit machte. Nicolai begann zu schreien und schlug mit der Faust machtlos auf den Boden ein. Cynthia Suchte Trost bei Luvan und schmiegte sich an ihn. Er selbst blickte mit steinerner Miene und geballten Fäusten auf den toten Hauptmann.

Ein Knacken aus dem hinteren Teil der Halle ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken. Eine grotesk verzerrte Kreatur schälte sich aus dem Schatten. Die anderen beiden hatten sie ebenfalls entdeckt und stellten sich an seine Seite. Das Monster hatte sichtlich Probleme damit zu gehen. Dies lag vor allem an den verschiedenen Längen der Beine. Es hatte entfernte Ähnlichkeit mit einem Menschen doch schien es als sei es zerstückelt und willkürlich wieder zusammengesetzt worden. Erst als es näher kam erkannten sie, mit wem sie es zu tun hatten.

„Das… das ist der König!“

Als seien die letzten Ereignisse noch nicht schlimm genug standen sie nun einem deformierten Monarchen gegenüber. Nicolai hatte Mühe die Fassung zu bewahren.

„Falsch. Es war unser König. Bevor ihn Faelan korrumpierte.“

Das Wesen schrie mit einem Laut, als würde Metall zerreißen. Unvermittelt sprang es nach vorne und landete nur wenige Schritte vor ihnen.

„Cynthia, geh nach hinten und gib uns mit deinem Boden Deckung. Nicolai, du gehst nach links, ich übernehme die rechte Seite.“

Überraschend schnell und widerspruchslos führten die beiden seine Befehle aus. Kaum hatte er seinen Platz erreicht sirrte auch schon der erste von Cynthias Pfeilen durch die Luft. Dieser prallte allerdings wirkungslos an der Schulter der Kreatur ab. Ein weiterer ohrenbetäubender Schrei und das Monster ging zum Angriff über.

Nicolai war ihr erstes Ziel. Mit der bloßen Hand schlug es nach ihm. Dieser versuchte den Schlag zu parieren. Er hatte allerdings die neue Kraft des Monarchen unterschätzt. Sein Rapier schrammte wirkungslos am Unterarm entlang und wurde ihm dabei fast aus der Hand gerissen.

„Ausweichen! Anders schaffen wir es nicht.“

Nicolai nickte. Er tauchte unter dem nächsten Angriff durch und Stach seine Waffe mit ganzer Kraft in den aufgeblähten Bauch der Abscheulichkeit. Dieses Mal drang die spitze fingerbreit in das Fleisch ein. Gelber, nach Schwefel riechender Eiter tropfte daraus hervor, schien das Monster jedoch nicht weiter zu stören.

„Verdammt! Das Vieh ist fast unverwundbar!“

Mit taumelnden Schritten entging er nur knapp dem nächsten Angriff. Luvan suchte in der Zwischenzeit eine Verwundbare Stelle am Rücken. Sein Langschwert war vielleicht schwerer, besaß allerdings eine größere Reichweite und Durchschlagskraft als das Rapier seines Mitstreiters. Nach kurzer Zeit hatte er alle Typischen Schwachpunkte versucht. Achillessehne, Kniekehle, Wirbelsäule, Nacken. Nichts zeigte Wirkung. Immer wieder flogen Cynthias Pfeile durch die Luft, doch selbst diese hinterließen selten mehr als einen Kratzer.

Plötzlich richtete sich die Kreatur mit einem weiteren Schrei auf. Luvan sah seine Chance. Mit zwei schritt Anlauf vollführte er eine Drehung, fasste das Schwert mit beiden Händen und zog die Klinge mit ungeahnter Kraft über den Bauch seines Gegners. Er wusste, ein normaler Mensch wäre nach solch einem Streich zerteilt gewesen. Nicht so dieses von dämonischer Macht erfüllte Wesen. Die Klinge hinterließ einen tiefen Schnitt. Der schwerste Treffer, den sie bisher erzielen konnten. Dennoch schien das die Bestie nicht auf zu halten. Es hatte viel mehr den Anschein als werde sie dadurch zusätzlich angestachelt.

Sie konzentrierte sich jetzt auf Luvan. Dieser konnte sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und wurde durch die Kraft des Schlages mehrere Schritt weit in Richtung des Eingangs geschleudert wobei er sein Schwert aus den Händen verlor. Benommen und entwaffnet lag er da. Sein Gegner konzentrierte sich nur noch auf ihn. Der Pfeilhagel von Cynthia und auch Nicolais Hiebe interessierten sie nicht mehr.

Langsam kam sie auf ihn zu. Mit einem unmenschlichen Knurren beugte sie sich zu seinem Gesicht hinab. Er konnte direkt in die flammenden Augen des Monsters blicken. Der Hass und die Wut, die er darin sah, kannte er nur zu gut. Allzu oft gab es in der Vergangenheit Momente in denen er sich von seinem inneren, nicht löschbaren Feuer hatte leiten lassen. Er wusste wie es war, wenn Zerstörung der einzige Lebensinhalt war. War er so wie dieses Monster? War er nichts weiter als ein Instrument der Zerstörung?

In diesem Moment flammte dieses Feuer in ihm wieder auf. Von unmenschlicher Kraft beseelt stieß er die Kreatur von sich weg, stellte sich vor sie und ballte die Hände zu Fäusten. Sämtlicher Schmerz der vergangenen Jahre erfüllte ihn. Jeder einzelne Verlust, jede Wunde und jede Enttäuschung stiegen in ihm hoch. Er steigerte sich so sehr in seinen Wahn, dass er die Kontrolle über sich verlor. Die Welt war in ein feuriges Rot getaucht und er spürte, dass es nur eine Möglichkeit gab seinen inneren Schmerz los zu werden. Er musste ihn freilassen.

Er richtete beide Hände auf seinen Gegner. Mit einem weiteren Schrei entzündete sich die Luft vor ihm und umfing den ehemaligen König. Luvan spürte, wie sein Schmerz der Taubheit wich und so machte er weiter. Was genau geschah merkte er kaum. Er wusste nur, dass er endlich diesen Schmerz los werden wollte. Nach einer für ihn endlosen Zeit war es so weit. Er senkte die Arme und verlor langsam das Bewusstsein. Unfähig noch etwas zu sagen wurde ihm schwarz vor Augen. Er hörte noch wie Cynthia seinen Namen rief und spürte eine Hand auf seiner Brust. Danach kam die wohl verdiente, schmerzfreie Ruhe.

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