• Sinnlosoph

Feuerkrieger - 8. Kapitel: Ein Strich durch die Rechnung

„Hast dir wirklich ein gutes Versteck ausgesucht. Wer würde einen Auftragsmörder im Kleiderschrank eines Kaufmanns vermuten. Wie hast du ihn dazu gebracht dich bei ihm wohnen zu lassen?“



Luvan bereute mittlerweile, dass er dem Zwerg erlaubt hatte, mit ihm auf den Markt zu kommen. Eigentlich hatte er es ihm gar nicht erlaubt. Vielmehr hat sich Brandulf an ihm festgesetzt wie eine Klette. Seit dem Abkommen, dass er mit ihm vor wenigen Tagen getroffen hatte, wurde er mit Fragen regelrecht gelöchert und er war froh, dass er noch in Ruhe pissen konnte.

„Du sagtest, du hättest schon einmal den Auftrag gehabt Nicolai umzulegen. Warum hast du es damals nicht geschafft?“

„Ich habe ihn unterschätzt.“

Luvan beschleunigte seine Schritte in der Hoffnung, der Zwerg käme soweit außer Atem, dass er wenigstens ein paar Minuten Ruhe hätte.

„Aber wie konnte das geschehen? Ich meine, klar er ist einer der besten Fechter, doch gegen einen Assassinen sollte er doch chancenlos sein.“

Die beiden so verschiedenen Handelspartner erreichten den verschneiten Marktplatz. Irgendwo hier musste Nicolais Haus sein. Sofern man Brandulfs Informationen Glauben schenken konnte.

„Wieso sollte es dir eigentlich helfen, wenn er unter der Erde liegt? Das Herz einer Frau erobert man für gewöhnlich nicht indem man ihren Freund umlegt.“

Endlich entdeckte Luvan das Haus, welches er suchte. Der übliche protzige Bau, wie ihn alle von hoher Geburt bevorzugten. Eine schwere Eisenbeschlagene Eichentür und Himmelblaue Fensterläden. So wie es der Zwerg beschrieb.

„Und noch dazu, was nützt es dir, wenn du ihr Herz eroberst? Wieso sollte sie sich überhaupt mit dir einlassen? Du darfst nicht vergessen, dass du ein sadistischer, blutrünstiger, gefühlsloser Massenmörder bist der mehr Tod geschenkt hat als es Häuser in dieser Stadt gibt.“

Jetzt war es genug. Luvan war geduldig, wenn es um das Warten auf sein Ziel ging. Aber nicht in dieser Hinsicht. Es stimmte vielleicht was ihm vorgeworfen wurde, doch er hatte keine Ahnung. Seine Hand schlug zitternd die Kapuze seines Mantels zurück. Sein langes, Hellblondes Haar umspielte sein leichenblasses Gesicht. Die Hellblauen Augen fixierten den kleinwüchsigen und schienen ihn zu erdolchen.

„Noch ein Wort und ich habe einen weiteren Toten zu verzeichnen.“ Zischte er zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.

„Aber…“

„Du hast es so gewollt!“

Waffen Führte Luvan keine mit sich. Jedenfalls keine, an die er in seiner blinden Wut gedacht hätte. Stattdessen schlug er ihm mit der behandschuhten Faust mitten ins Gesicht. Er traf die knollige Nase und spürte, wie sich der Knorpel unter seinen Fingern verschob und ein leises Knacken die Wirkung des Schlags andeutete. Völlig überrumpelt stolperte Brandulf nach hinten, die Hände an die blutende Nase gepresst. Noch ehe er auch nur annähernd wieder im Gleichgewicht war traf ihn der zweite schlag. Sein Kopf wurde nach links geschleudert und es regnete feine Blutstropfen in den weißen Schnee. Er stürzte. Irgendwo auf dem Platz schrie eine Frau. Sein ganzes Gesicht brannte und der kalte Schnee verschaffte nur kurz Linderung. Grob wurde er am Arm auf die Beine gezerrt, nur um einen Hieb in die Magengrube zu bekommen. Er fühlte sich wie der Spielball eines Riesen, der ihn lustlos mal hier hin, mal dahin schleuderte. Wieder landete er im Schnee und alles drehte sich. Beinahe schon fühlte er den Schmerz des nächsten Angriffes, unfähig sich auch nur ansatzweise dagegen zu wehren. Doch es kam nichts.

Brandulf setzte sich auf, den Schmerz in seinem Kopf und den Gelenken ignorierend. Als die Welt wieder zum Stehen kam und der Sternenschauer vor seinen Augen nachließ, erkannte er gerade noch, wie fünf Soldaten der Stadtwache versuchten Luvan in Zaum zu halten. Dies gelang ihnen erst, als sie ihn vollends in Ketten gelegt hatten und ihn auf den Knien mit einem Leinensack über dem Kopf durch den Schnee zogen. Geradewegs auf die Festung zu, wo auch der Kerker war.

1 Ansicht
This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now