• Sinnlosoph

Frage 79: Meine brutalste Schlägerei

Heute geht es um Schlägereien und Auseinandersetzungen mit anderen. Ich bin definitiv kein Schlägertyp, hatte aber durchaus schon die eine oder andere Auseinandersetzung, die nicht so schmerzfrei beendet wurde.


Was war die brutalste Auseinandersetzung, an der du teilgenommen hast? Wer ging als Sieger daraus hervor?



Es gab in meinem Leben zwei gröbere Schlägereien, die mehr als nur leichte Blessuren zur Folge hatten. Bei beiden war ich leider in der Unterzahl, beide wurden aufgrund meiner Erscheinung angezettelt und bei beiden ist kein klarer Sieger zu benennen. Fangen wir bei der älteren und brutaleren an.


Ich war damals süße 15 Jahre alt. Zusammen mit meiner ersten Freundin warteten wir auf den Zug, damit ich wieder nachhause kam. Am Bahnhof lagerten jedoch einige halbstarke, schätzungsweise zwischen 12 und 20. Ich dachte mir nicht viel dabei und wollte am Automaten mein Ticket lösen. Während ich also am Automaten stand, begannen mich diese anzugreifen. Neben einigen Beschimpfungen und bespucke traten sie mir in die Kniekehle. Ich wollte mich nicht darauf einlassen und zog mich weiter die Gleise hinab zurück. Da sie mir folgten und ich keinen Ausweg mehr sah, nahm ich mein Taschenmesser zur Verteidigung hervor. DAS war der große Fehler. Anstatt wie die meisten abgeschreckt zu sein, griff mich einer von ihnen an. Dann ging es schnell. Es entstand ein Handgemenge, das Messer wurde eingesetzt und nach gefühlten zwei Sekunden lösten wir uns von einander, um das Weite zu suchen. Ich hatte einen unschönen Schnitt am linken Handrücken, so dass die Sehnen zu sehen waren. Der andere hatte zwei oder drei Schnitte am Oberkörper.


Ein wenig später sprachen wir uns noch aus. Beide sahen ein, dass es dumm war und beide Fehler begangen habe. Wir verzichteten auf die Polizei und gingen unserer Wege. Ich erhielt dann von einigen seiner Freunde noch Morddrohungen, die aber nie auch nur ansatzweise umgesetzt wurden.

Die Sache hätte sehr schnell sehr unschön enden können. Ich hätte ihm einen tödlichen Stich versetzen können und er hätte mir genauso gut eine Arterie aufschlitzen können. Seit diesem Tag habe ich Taschenmesser nur noch bei mir, wenn ich im Wald grilliere, oder für eine längere Wanderung in die Berge gehe.


Die zweite Auseinandersetzung fand zwei Jahre später statt. Wieder war ich am Bahnhof, diesmal aber einer anderen Stadt, und wartete auf meinen Zug. Dabei telefonierte ich mit meiner zu diesem Zeitpunkt zweiten Freundin. Wie ich da auf einer Bank sass, kam wieder eine Gruppe Jugendlicher, diesmal im Alter von 16 aufwärts und belästigten mich wieder. Sie beleidigten mich also und ich wurde wieder bespuckt. Da ich keine Lust auf eine Auseinandersetzung hatte, ging ich wieder weiter. Einer von ihnen packte mich an den Schultern und in dem Moment brannte mir eine Sicherung durch. Aus der Drehung trat ich ihm mit meinen Stahlkappenstiefeln gegen das Schienbein. Seine Freunde fanden das nicht lustig und ich erhielt einen Schlag an den Kopf. Das nächste, was ich weiss, ist, dass ich am Boden aufwachte und mein Handy einige Zentimeter neben mir lag. Zwei nette Frauen halfen mir auf und ich wurde vom Schaffner in einen separaten Teil des Zuges zu meinem eigenen Schutz eingesperrt.


Am nächsten Tag zeigte sich die ganze Pracht. Ich hatte ein blaues Auge, einige geprallte Rippen und einige Schürfwunden. Wie ich später erfuhr, habe ich dem ersten das Schienbein gebrochen. Auf eine Anzeige habe ich auf Anraten der Polizei verzichtet und die anderen hatten genug Dreck am Stecken, dass sie auch nichts unternommen haben. Es folgten wieder einige Morddrohungen und kleinere Auseinandersetzungen, aber nichts Gröberes.

Wie ich Jahre später erfuhr, landete derjenige mit dem gebrochenen Bein später im Gefängnis. Unter anderem wegen Körperverletzung und Drogenhandel. Ich habe also meine Genugtuung erhalten.


Ich wünsche wirklich niemandem in eine Solche Situation zu gelangen. Im Nachhinein hätte ich beide Male lieber das Weite gesucht und mich von meinen Eltern, oder einem Taxi heimfahren lassen. Mein Rat also an alle: Haut ab, solange es noch geht. Tragt keine Messer bei euch und wenn doch benutzt sie nicht. Versucht niemals den Helden zu spielen, denn es kann sehr schnell nach hinten los gehen. Dass ich noch lebe ist einer guten Portion Glück zu verdanken. Dass ich niemanden aus Versehen ernsthaft verletzt habe brauchte noch viel mehr Glück.


Hattet ihr auch schon solche Auseinandersetzungen? Was könnt ihr anderen mit auf den Weg geben? Lasst es mich wissen!

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