• Sinnlosoph

Frage 56: Hedonismus oder Nihilismus

Heute geht es um die Persönlichkeitsentwicklung. Genauer gesagt, wie du zu dem Menschen geworden bist, der du heute bist. Es wird also sehr persönlich und ich gehe etwas vertiefter auf meine Vergangenheit ein.


Formte sich dein Charakter mehr durch Freude und Erfolg oder Schmerz und Enttäuschungen?



Die meisten Menschen werden eine Kombination aus beidem sein. Ich denke, es gibt kaum eine Person, die nur gutes, oder nur schlechtes erlebt hat. Es kann aber durchaus ein Ungleichgewicht bestehen. In meinem Fall gibt es ein deutliches Ungleichgewicht in der Jugend, welches sich nun im Erwachsenenalter jedoch ausgleicht.


Während meiner Schulzeit war ich jeweils der Aussenseiter. ich hatte keine bis nur sehr wenige Freunde und ich wurde von den meisten im besten Fall gemieden. Es gab sogar eine inoffizielle Blacklist, auf der die meist gehassten Schüler aufgezählt wurden. Gerüchten zufolge war ich auf Platz eins. Das kann ich sogar glauben, da ich jeweils der mit den meisten "Anschlägen" war. Sie hatten es sich also zum Spass gemacht, die Schüler auf der Liste zu attackieren und haben dafür Punkte erhalten. Im Rückblick scheint das alles sehr grausam, aber es wurde zumindest nie lebensgefährlich.


Man kann sich also vorstellen, dass diese Abneigung und der Hass auf mich Spuren hinterlassen hat. Zum Beispiel begann ich mit zehn oder elf damit, Krafttraining zu betreiben. In dem Alter sind die Ergebnisse nicht sonderlich sichtbar, hat mir aber geholfen einen Schulrekord im Kugelstoßen aufzustellen. Das Training hat mir auch geholfen, meine Pausen besser zu überstehen und den Frust abzulassen. Gleichzeitig habe ich mich dank dem Internet sehr früh mit Ernährung und Anatomie auseinandergesetzt, was mir heute hilft, einen gesunden Lebensstil zu führen und Verletzungen besser einzuschätzen.


Da die Schüler, die Jagd auf mich machten, alles Ausländer waren, entwickelte ich aber auch eine ziemlich rechts orientierte Haltung. Das ging noch nicht ganz in den Extremismus, aber ich war auf dem besten Weg dahin. Abhilfe schaffte dann mein Freundeskreis, den ich ab dem Alter von sechzehn aufgebaut habe. Dieser Bestand hauptsächlich aus Punks, Metallern, Goths und einigen Pennern. Also alles Menschen, die allgemein als den Bodensatz der Gesellschaft bezeichnet wird. Diese Menschen haben mir aber auch gezeigt, dass es überall Arschlöcher gibt. Durch meine Integration in diese Gruppe erfuhr ich auch aggressive Abneigung von Seiten anderer Schweizer, was mich darin bestärkte. Das Ganze führte dann zu meiner heutigen Einstellung, dass weder Rasse, Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder körperliche Behinderung ein Grund oder eine Ausrede für das eigene Verhalten ist. Idioten sind Idioten und halten sich nicht an Herkunft und Länder.


Mit meinem Wegzug in die Innerschweiz änderte sich dann nochmals einiges. Da ich eine Zweitausbildung machte, war ich einer der älteren und hatte bereits gewisse Themen behandelt oder mir selbst beigebracht. So schaffte ich es ohne Mühe als Klassenbester. Mein Berufsleben entwickelte sich dann als Senkrechtstart, so dass ich innerhalb von weniger als vier Jahren von einer Assistenzposition zur Führungsperson aufstieg. Das hat meinem Selbstvertrauen einen ordentlichen Schub gegeben und die wachsende Verantwortung erforderte eine klare moralische und ethische Richtlinie. Diese habe ich mir dann im Laufe der Zeit angeeignet und verfolge sie noch heute.


Kurz zusammengefasst hatte ich also in der ersten Hälfte meines bisherigen Lebens vor allem negative Erfahrungen gemacht. In der zweiten Hälfte begann ich dann aktiv an mir zu arbeiten und erhielt dafür positive Bestätigung und eine offenere Sichtweise. Man kann also sagen, dass das Fundament auf dem Schlechten basiert und ich nun für eine bessere Zukunft darauf aufbaue.


Wie war eure eigene Entwicklung? Habt ihr auch eine so klare Differenzierung, oder war es durchwegs durchmischt? Lasst es mich wissen!

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