• Sinnlosoph

Frage 90: Hilfst du uneigennütz?

Wie verhalten wir uns, wenn wir jemanden, oder etwas, sehen, das unsere Hilfe braucht? Haben wir Zeit für andere und helfen wir, oder gehen wir einfach weiter? Heute geht es darum, wieso wir so handeln.


Wenn du vor deiner Haustür einen Vogel mit gebrochenem Flügel findest, was würdest du tun? Und wieso?



Ehrlich gesagt habe ich noch nie das Vergnügen gehabt einen verletzten Vogel zu finden. Ich kann euch jedoch erzählen, was wir machten, als wir einen verletzten Igel im Garten hatten.

Dieser ist uns aufgefallen, weil er kaum mehr laufen wollte und dabei immer sein Hinterbein hinter sich herzog. Zunächst versuchten wir zu erkennen, was mit ihm nicht stimmt. Ziemlich schnell war klar, dass es wahrscheinlich gebrochen war und auch eine entzündete Wunde hatte. Da ich niemanden kenne, der eine Tierärztliche Ausbildung abgeschlossen hatte, machten wir uns erst einmal schlau. Nach kurzer Internetrecherche wussten wir, dass wir ihn in eine Kiste ins warme bringen sollten. Ein wenig Katzenfutter sollte kraft geben und wir fanden die Telefonnummer von jemanden, der sich um solche verletzten Igel kümmert. Wir bereiteten also alles vor und gaben ihn der Person mit. Das Ganze dauerte etwas mehr als zwei Stunden. Leider erfuhren wir nicht, was aus unserem stacheligen Freund geworden ist.


Dieses Beispiel zeigt wohl, dass auch für Tiere meine Zeit nicht zu schade ist. Bei uns war es ein glücklicher Zufall, dass es an einem Wochenende geschah und wir alle Zeit hatten. Wenn es nun am Morgen eines Arbeitstages gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich, zu meiner Schande, nicht so hilfsbereit gewesen. Es scheint also so, dass ich nur hilfsbereit bin, wenn es die Zeit zulässt.


Wenn wir das nun auf Menschen übertragen, sieht die Sache etwas anders aus. Auch hier habe ich eine kleine Geschichte bereit.

Wir gingen eines Abends durch die Altstadt. Hinter uns hörten wir Geschrei und nach einem Knall drehten wir uns um. Von einer kleineren Gruppe von vier Personen lag einer am Boden, während die anderen drei wegrannten. Für mich stand außer Frage, dass ich helfen musste und ich rannte, ohne zu überlegen hin. Der verletzte am Boden war etwas verwirrt und wollte mich zunächst schlagen, bis er merkte, dass ich ihm helfen wollte. Nach wenigen Minuten beruhigte er sich und wir riefen zur Sicherheit einen Krankenwagen. Mittlerweile kamen noch zwei weitere Personen zu Hilfe, denen wir den Verletzten übergaben, da wir unseren Zug erwischen mussten. Wären wir allein gewesen, hätten wir die Sache zu Ende gebracht und uns von irgendjemanden abholen lassen.


Mein Helferinstinkt ist in solchen Situationen anscheinend stärker als meine Vernunft. Schließlich hätte er mich auch mit einer Waffe angreifen können. Allerdings war ich schon oft genug in einer ähnlichen Situation und mir kam nicht immer jemand zu Hilfe. In der Regel kann man beobachten, dass weniger Menschen helfen, je mehr in der Nähe sind. Dieses Phänomen nennt sich Verantwortungsdiffusion. Gerade weil ich diese Problematik kenne, versuche ich, sie bewusst zu übergehen. Das hat dann aus meiner Sicht nichts mit Zivilcourage zu tun, sondern viel mehr mit einer bewussten Handlung gegen eine gesellschaftliche Blockade.


Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich auch andere bewusst gegen die Verantwortungsdiffusion stellen und jeder nach seinen Möglichkeiten hilft. In Bezug auf den ersten Fall wünsche ich mir, dass Unternehmen einen solchen Vorfall anerkennen und es nicht zu Sanktionen kommt, nur weil man ein Lebewesen retten möchte. Dieser Artikel zeigt mir vor allem, dass ich doch ein Unterschied zwischen einem Tier und einem Menschen mache und das gefällt mir nicht.


Wie handelt ihr in solchen Situationen? Hattet ihr auch schon einmal eine Begebenheit, wo ihr auf Hilfe verzichtet habt, weil es genügend andere Zeugen gab? Würdet ihr euren Mitarbeitern eine Standpauke halten, weil sie zu spät zur Arbeit gekommen sind, um einem verletzten Tier zu helfen? Und vor allem, macht ihr einen Unterschied zwischen verletzten Menschen und Tieren? Lasst es mich wissen!

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