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Kettenhemd Anleitung: Anforderungen

Zeitaufwand

Die Frage, die wohl allen auf der Zunge brennt: Wie lange braucht man, um ein Kettenhemd zu fertigen? So einfach diese Frage ist, die Antwort ist nicht so einfach. Es gibt viele Faktoren, die auf die Bearbeitungszeit Einfluss nehmen. Der Offensichtlichste ist, wie groß es am Ende sein soll. Kurzärmlig und hüftlang braucht es nur etwa halb so viele Ringe wie mit langen Ärmeln und bis zu den Oberschenkeln. Die eigene Größe spielt ebenfalls eine Rolle, so dass kleinere Personen klar im Vorteil sind.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist, ob die Ringe vernietet werden oder nicht. Das addiert für jeden einzelnen Ring einen zusätzlichen Arbeitsschritt. Obwohl es vielleicht nur einige Sekunden sind, kommt bei mehreren tausend Ringen die eine oder andere Stunde zusammen. Zusätzlich entscheidet das verwendete Muster, wie viele Ringe für eine gegebene Fläche benötigt werden. Der Europäische Standard ist vier in eins. Es gibt jedoch auch sechs in eins und das Sogenannte Königsmuster. Dabei kann sich die Anzahl der Ringe durchaus verdoppeln. Mehr zu den einzelnen Mustern und wie sie gefertigt werden, gibt es in einem separaten Beitrag. Am Ende kommt es auch darauf an, ob die Ringe gekauft, oder selbst hergestellt werden. Gerade bei vernieteten Ringen kann sich der Arbeitsaufwand mehr als verdoppeln.

Ihr habt es also weitestgehend selbst in der Hand, wie viel Arbeit ihr euch zutrauen wollt. Als grober Maßstab kann jedoch gesagt werden, dass zwischen 100 und 1500 Stunden alles möglich ist. Bei erstem werden die Ringe mit relativ großem Durchmesser gekauft, in vier in eins geflochten und nicht vernietet. Am Ende gibt es ein Kurzes Kettenhemd für eine kleinere Person. Mit über eintausend Stunden hingegen ist die komplette Herstellung, vom Draht bis zum vernieteten Hemd für einen stämmigen Mann abgedeckt.

Gewicht

Auch diese Frage kommt immer wieder auf. Historische Kettenhemden hatten ein Gewicht von 8 bis 15 Kilogramm. Auch heute bewegen wir uns in diesem Rahmen. Grundsätzlich kann aber gesagt werden, dass ein sinnvoll geschneidertes und auf den Träger angepasstes Kettenhemd tendenziell leichter ist als Massenware. Wie im letzten Beitrag erwähnt, lässt sich das Gewicht um etwa zwei Drittel reduzieren, wenn statt Eisen Aluminium verwendet wird. Das geht aber auf Kosten der Funktionsfähigkeit und Haltbarkeit.

Wichtig zu erwähnen ist, dass ein solches Gewicht nach viel klingt, den Träger aber kaum beeinträchtigt. Die einzelnen Kettenglieder können sich frei bewegen, so dass sie sich dem Körper anpassen. Das Gewicht ist also stets nahe und es entstehen kaum Hebelwirkungen. Einzig an den Schultern kann das Hemd mit der Zeit spürbar drücken. Hierfür bietet es sich an, einen Gürtel über dem Kettenhemd zu tragen, der die Last auf die Hüfte überträgt. Es lässt sich dann mit einem Rucksack vergleichen. Dabei ist es jedoch angenehmer verteilt und nicht als einzelner Klumpen am Rücken konzentriert.

Teilweise wird die Meinung vertreten, dass Frauen keine Kettenhemden tragen können. Als Grund dafür wird gerne das oben genannte Gewicht herangezogen. Ich habe selbst schon einige Frauen in entsprechender Rüstung gesehen. Es ist also durchaus möglich. Einziger Nachteil für Frauen: vergesst eure Rundungen. Da sich das Gewicht der Kette gleichmäßig verteilt, und aufgrund der Schwerkraft in einer möglichst senkrechten Linie fallen will, werden die doch tendenziell weichen Rundungen einfach gegen den Brustkorb gedrückt. Abhilfe kann ein zweiter Gürtel schaffen, der das Gewicht auffängt und direkt auf die Rippen verteilt. Ob das so bequem ist, kann ich nicht sagen. Es soll aber funktionieren.

Werkzeuge

Nachdem wir nun Gewicht und Arbeitsaufwand geklärt haben, bleibt die Frage, welche Werkzeuge benötigt werden. Im Internet kann man teilweise spezielle «Sarwükerzangen» kaufen. Diese sind meist handgeschmiedet und kosten ein kleines Vermögen. Wenn man allerdings für sich zuhause an einem Hemd knüpfen will, sind sie absolut nicht nötig. Wer hingegen an einem Mittelaltermarkt einen Sarwüker, also einen Kettenhemdschmied darstellen will, der wäre darauf angewiesen. Meist machen sie sich die Zangen jedoch selbst.

Für alle anderen reichen im Minimum zwei flache Zangen. Ob es nun Kombizangen, Wasserpumpenzangen, oder Spitzzangen sind, ist zweitrangig und auf die eigene Präferenz abzustimmen. Es ist lediglich darauf zu achten, dass die meisten Zangen eine geriffelte Fläche haben, damit sie besser greifen. Wird nun einfaches Eisen verwendet, können dadurch abdrücke auf den einzelnen Ringen entstehen. Besser wäre es, wenn die Wangen der Zange glatt sind. Das erschwert es ein wenig, da die runden Ringe gerne hinausspringen, hinterlässt aber keine Spuren.

Hilfreich und teilweise notwendig, je nach verwendeter Ringe, ist eine Spreizzange. Damit lassen sich die Ringe recht einfach auseinanderziehen. Sollten die Ringe selbst hergestellt werden, wird zudem ein entsprechendes Werkzeug zum Schneiden benötigt. Je nach Drahtstärke reicht ein recht billiger Drahtschneider mit einfachem Drehgelenk. Ich rate jedoch dazu, in einen kleinen Bolzenschneider mit doppeltem Hebelmechanismus zu investieren. Dies spart Kraft, schont die Hände und ermöglicht längeres arbeiten.

Zum Schluss wird bei vernieten Ringen entweder eine passende Zange, oder ein kleiner Ambos mit Hammer benötigt. Der Vorteil einer Zange ist, dass die Arbeit auch spät am Abend fortgesetzt werden kann und niemand gestört wird. Allerdings ist hier wieder mit einer größeren Belastung der Hände zu rechnen. Wenn die Nieten gehämmert werden, braucht man unter Umständen etwas länger, verursacht einiges an Lärm, dafür hat das Ergebnis einen ganz eigenen Charme.

Kosten

Fertige Kettenhemden sind im Preis zwischen 100.- und 2500.- erhältlich. Hier sieht man bereits, dass die Qualitätsunterschiede gewaltig sind. Während die billigen Hemden meist in Indien oder anderen Ländern mit niedrigem Lohnniveau gefertigt werden, sind die am oberen Ende maßgeschneidert. Hier gilt, dass man durchaus die Qualität erhält, die man bezahlt.

Wird das Hemd selbst hergestellt, kommt es wieder darauf an, ob die Ringe gekauft oder hergestellt werden. Fertige Ringe werden meist im Kilogramm verkauft. Je nach Material und Ausführung muss zwischen 20.- und 40.- gerechnet werden. Bei durchschnittlich 12kg wären das 240.- bis 480.-.

Draht auf der anderen Seite kann sehr günstig bezogen werden. Hier macht vor allem die Menge den Preis. Wenn lediglich einige hundert Meter am Stück gekauft wird, kostet es entsprechend mehr. Mit einer großen Rolle sinkt der Meterpreis drastisch. Die Schwierigkeit hier besteht allerdings darin geeigneten Draht zu finden. Die meisten Baumärkte bieten lediglich verzinkten Draht an. Dieser ist, wie bereits in einem früheren Beitrag erwähnt, auf jeden Fall zu meiden. Wenn man jedoch Zugang zu passendem Material hat, können hier die Gesamtkosten auf etwa 50.- für ein komplettes Hemd gedrückt werden.

Gesundheitsrisiken und Schutzmaßnahmen

Das Knüpfen eines Kettenhemdes ist in der Regel nicht direkt gefährlich. Es kann jedoch zu schmerzhaften Verletzungen führen, wenn man die Sache falsch angeht. Es ist dem entsprechend dringend angeraten entsprechende Schutzmaßnahmen und -ausrüstung einzuhalten und zu verwenden.

Gerade beim Herstellen der Ringe sind robuste Arbeitshandschuhe Pflicht. Da beim Drehen des Drahtes Reibung entsteht, verbrennt man sich sonst schnell die Finger. Genauso kann es passieren, dass sich der Draht um einen Finger wickelt und ihn einklemmt. Da schützen die Handschuhe nur bedingt, helfen aber sicher gegen schlimmere Verletzungen. Zudem steht die Spule am Ende unter Spannung. Wird der Draht abgeschnitten, löst sich diese und die scharfe Kannte wirbelt mehrmals um den Stab. Auch hier besteht wieder erhöhte Verletzungsgefahr.

Beim Schneiden von Draht ist zudem immer ein passender Schutz für die Augen zu tragen. Kleine Eisensplitter, die mit der Zange abgeknipst werden, können mit erstaunlicher Geschwindigkeit in eine Willkürliche Richtung fliegen. Es wäre schade, wenn die Arbeit für mehrere Wochen ausgesetzt werden muss, nur weil ein solcher Splitter seinen Weg ins Auge fand.

Zum Schluss ist auch das Knüpfen selbst nicht ganz ungefährlich. Gerade für Menschen, die im Alltag wenig mit den Händen machen, ist die Belastung enorm. Es fühlt sich meist nicht so an, da der Körper während des Knüpfens in einen Endorphinrausch gerät. Diese Phänomen tritt bei allen repetitiven Aufgaben auf. Sei es beim Stricken, Joggen oder eben beim Knüpfen eines Kettenhemdes. Da wir in diesem Zustand ein verringertes Schmerzempfinden haben, müssen wir uns selbst zu pausen ermahnen.

Am besten ist es, wenn man den Körper langsam an die neue Belastung gewöhnt. Beginnt mit dem Knüpfen und hört sofort auf, wenn sich auch nur der geringste Schmerz bemerkbar macht. Fahrt am nächsten Tag fort und wiederholt dieses Prozedere. Durch die tägliche Regenerationszeit kann der Körper Muskeln aufbauen, Sehnen und Bänder stärken und die Gelenkskapseln erholen sich. Nach einiger Zeit könnt ihr dann scheinbar endlos weiter knüpfen. So erspart ihr euch langwierige Gelenks- und Sehnenentzündungen, die euch auch im Alltag beeinträchtigen würden.

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