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Kettenhemd Anleitung: Beschusstest

Um den Unterschied zwischen vernieteten und offenen Ringen nochmals deutlich zu machen, habe ich mit einer kleinen Handarmbrust einige Beschusstests durchgeführt. Zur Anwendung kam die Pistolenarmbrust Scorpion mit 80 lb Zugkraft. Verschossen wurden die mitgelieferten Aluminiumpfeile mit Stahlspitze. Mit 10 Gramm, oder 155 Grain sind sie regelrechte Leichtgewichte und eher mit einer 9mm Kugel zu vergleichen, als mit einem historischen Pfeil. Die Zugkraft mit 80 Pfund ist sicher nicht gerade gering, kommt aber nicht im Geringsten an die Kraft von den damaligen Langbögen. Diese schlugen nochmals 50% drauf. Armbrüste konnten sogar ohne Probleme das Doppelte erreichen.

Die hier aufgeführte Testmethode ist also alles andere als repräsentativ und soll auf keinen Fall als Argument für oder gegen Kettenhemde verwendet werden. Was es aber deutlich zeigt, ist, dass unvernietete Kette kaum Schutz vor Stichangriffen bietet.

Alle drei Geflechte boten unzureichenden Schutz vor dem Bolzen. Da die Einschusslöcher teilweise schwer zu erkennen sind, habe ich sie mit einem Kreis markiert. Links ist das Geflecht mit 4 in 1. Einen einzelnen Ring hat es so weit verbogen, dass er aus dem Verbund hinaus viel. Die anderen Ringe waren unbeschädigt. Der Vergleichsweise geringe Schaden liegt daran, dass sich der Bolzen, durch die sich bildende Lücke schieben konnte, ohne die anderen groß zu deformieren.

In der Mitte befindet sich das 6 in 1 Geflecht. Hier schoss ich zwei Mal, da der erste Schuss etwas nach am Rand war. Der Zweite traf dafür ziemlich mittig. Hier sind bedeutend mehr Ringe verbogen. Drei vielen sofort heraus und noch einige weitere waren beschädigt. Auch hier fand der Bolzen einen Weg durch das Geflecht, hatte danach aber deutlich weniger Energie. Ein Gambeson hätte die den Träger sicher ausreichend geschützt.

Das Königsmuster verhielt sich etwas anders. Da das Geflecht so dicht ist, blieb kaum Raum, um die Ringe aufzusprengen. Dennoch wurde ein Paar so weit aufgebogen, dass sie sich mit der Zeit lösen würden. Dieses Geflecht war das Einzige, welches das Eindringen des Bolzens in die Zielscheibe verhinderte. Allerdings hinterließen die Ringe tiefe Abdrücke. Ein Treffer wäre sicher nicht angenehm.

Dem Bolzen hat es ebenfalls übel mitgespielt. Neben Kratzern am Schaft, wurde die Stahlspitze abgeflacht. Diese ist nun «stumpf» in dem Sinne, dass sich vorne eine Runde Fläche mit etwa 1.5 Millimeter Durchmesser gebildet hat. Das Markanteste ist jedoch, dass der Schaft verbogen wurde. Die Zielscheibe selbst ist relativ weich, so dass der Knick nicht beim Herausziehen entstand. Eine solche Deformation entsteht, wenn das Geschoss in kurzer Zeit abgebremst wird.

Ein Kettengeflecht aus offenen Ringen bietet also eine gewisse Schutzwirkung. Entscheidend ist, wie dicht es geknüpft wurde. Wenn es jedoch um Leben und Tod geht, würde ich mich jedoch nicht darauf verlassen. Testen wir nun, wie es sich mit vernieteten Ringen verhält. Immerhin bestand die größte Schwachstelle darin, dass sich die Ringe verbogen und ausfielen. Gesprengt wurde kein einziger.


Für das vernietete Geschlecht verwendete ich Ringe mit einem Innendurchmesser von 8 Millimeter. Der Außendurchmesser umfasst 12 Millimeter und die Dicke beträgt ca. 0.8 Millimeter. Das Gewicht beläuft sich auf etwa 0.35 Gramm pro Ring, was etwas mehr als ein Drittel ist. Es wird also mit einem etwas anderen Maß gerechnet, die Kettengeflechte sind aber durchaus vergleichbar. Ein weiterer Grund, weshalb diese Tests auf keinen Fall als Grundlage für irgendwelche Aussagen über die Wirksamkeit von Kettenhemden herangezogen werden sollen.

Ein Beschuss mit der selben Armbrust und Munition wird komplett abgehalten. Sowohl das Geflecht aus 4 in 1, als auch 6 in 1 bietet vollständigen Schutz. Was es noch zusätzlich beeindruckend macht, ist die Tatsache, dass die Bolzen aus nächster Nähe und im nahezu perfekten Winkel abgefeuert wurden. Man kann also davon ausgehen, dass auch stärkere Pfeile mit mehr Masse und Geschwindigkeit zuverlässig abgeleitet wurden. Vor allem, wenn sie in einem Winkel auftrafen.

Das Geflecht selbst nahm ebenfalls nur bescheidenen Schaden. Beim 4 in 1 wurden bei zwei Ringen die Nieten abgeschert, die Ringe selbst blieben jedoch geschlossen. Das 6 in 1 hat lediglich einen stark verbogenen Ring, der im restlichen Geflecht unterging. In beiden fällen wäre das Kettenhemd weiterhin brauchbar und die Reparaturarbeiten wären einfach durchzuführen. Sofern kein zweiter Pfeil exakt dieselbe stelle traf, wäre auch die Schutzwirkung unbeeinträchtigt.


Dieses Kleine Experiment soll vor allem aufzeigen, wie groß der Unterschied zwischen vernietetem und unvernietetem Geflecht ist. Gerade wenn es um punktuelle Belastung wie bei Pfeilen oder Stichen geht, können offene Ringe nicht mithalten.

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