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Kettenhemd Anleitung: Hintergrundwissen

Ein Geflecht aus Kettengliedern zum Schutz von exponierten Körperteilen hat eine lange Tradition. Die ersten Funde stammen aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Der Fakt, dass auch heute noch vergleichbare Schutzausrüstung im Einsatz ist, zum Beispiel bei Tauchern oder Fleischern, zeigt ihre Wirksamkeit.

Die ersten, die eine wahre Rüstungsindustrie mir dieser Art Schutz aufbauten, waren die Römer. Sie nannten die Rüstung Lorica Hamata. Sie bildete die Basis für die Legionäre (Haupttruppe) und Auxiliare (Hilfstruppen). Selbst bei ranghöheren Zenturio war sie beliebt, da sie sehr wartungsarm war.

Um eine solche Menge an Soldaten mit der nötigen Rüstung zu versorgen, wurden industrielle Optimierungen vorgenommen. So wurde die Hälfte der Ringe aus Blech gestanzt, während die andere Hälfte aus Draht gewickelt wurde. Das Material dafür war in der Regel Eisen, seltener auch Bronze.

An der Art, wie Kettenhemden hergestellt wurden, änderte sich in den nächsten Jahrhunderten wenig. Die Größe der Ringe, die Drahtstärke und das Schnittmuster wurden den jeweiligen Begebenheiten angepasst. Das Grundlegende Prinzip blieb jedoch unverändert. Erst mit dem Aufkommen von Plattenpanzern verlor das Kettenhemd langsam an Bedeutung, wenngleich es nie ganz vom Schlachtfeld verschwand. So wurde selbst unter einer Plattenrüstung ein Kettenhemd getragen, um die schwer zu panzernden Stellen wie zum Beispiel unter den Armen zu schützen.

Unter dem Kettenhemd wurde stets eine Polsterung aus Stoff getragen. In Europa wurde zum Beispiel ein Gambeson eingesetzt, der für sich alleine schon vor vielen Verletzungen auf dem Schlachtfeld schütze. Die Kette darüber sorgte dafür, dass sich die Waffe des Feindes nicht in den Stoff graben konnte, und die Wucht des Schlages über die einzelnen Kettenglieder auf einer größeren Fläche verteile. So gerüstet konnte selbst Pfeilbeschuss standgehalten werden. Vor Stumpfen Waffen, oder speziellen Pfeilspitzen war man jedoch nicht geschützt.

Im Internet findet man relativ häufig Tests, bei denen ein Kettengeflecht an einen Baum genagelt wird und anschließend scheinbar mühelos durch einen Schwertstreich oder einen normalen Pfeil zerteilt wird. Solchen Tests sollte man mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen. Um eine Annäherung an reale Verhältnisse zu erreichen, müsste unter dem Kettengeflecht eine Wattierung, ähnlich dem Gambeson sein. Zudem ist der menschliche Körper nicht so starr wie ein Baum, es müsste also Haut, Fleisch und Knochen simuliert werden. Die Wucht des Aufpralls würde den Träger zudem zurückstoßen, was einen Teil der Energie ausgleichen würde. Zu guter Letzt war es recht unwahrscheinlich, dass ein Pfeil im perfekten rechten Winkel auf die Rüstung trifft. Bei nur leichter Neigung würde ein beachtlicher Teil der Energie abgeleitet werden.

Es ist weiter anzumerken, dass in den seltensten Fällen ein historisch korrektes Geflecht verwendet wird. Meist greifen die Tester auf unvernietete Ringe zurück. Ein solches Geflecht ist relativ schnell gefertigt und kostet nicht viel. Allerdings waren ausnahmslos alle Funde in Europa vernietet oder Feuerverschweißt. Solche offenen Geflechte waren nur in Japan als Kusari-Katabira verbreitet, welche ähnlich einem Unterhemd als sekundäre Rüstung genutzt wurde.

Mittlerweile gibt es einige Händler, die durchaus vernietetes Rüstzeug im Angebot haben. Meist erkennt man die Qualität des Angebotes bereits am Preis. Sollte in der Artikelbeschreibung also nicht vermerkt sein, wie das Hemd gefertigt wurde, verrät der Preis oft, ob es sich um Qualität oder Massenware handelt. Grundsätzlich würde ich jedoch davon abraten ein Kettenhemd zu kaufen. Eine solche Rüstung schützt nur zuverlässig, wenn sie auf den Träger abgestimmt ist. Im besten Fall trägt man unnötigen Ballast mit sich, im ungünstigsten Fall ist das Hemd schlicht nutzlos. Wenn man von der Qualität nicht absolut überzeugt ist und selbst keine Anpassungen vornehmen will oder kann, dem Rate ich zum Selbstbau. Wie das geht, verrate ich euch in den nächsten Beiträgen.

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