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Kettenhemd Anleitung: Materialkunde

Bei der Wahl des Materials ist einiges zu beachten. Ungeachtet, ob die Ringe für das Kettenhemd selbst hergestellt oder gekauft werden, definiert das verwendete Metall und die Dimension des Ganzen den Einsatzzweck.

Eisen blank

Wer Wert auf Authentizität legt, dem bleibt keine andere Wahl. Dies wäre bei all jenen der Fall, die sich im Reenactment bewegen. Ein Kettenhemd aus blankem Eisen kommt dem am nächsten, was in der Vergangenheit verwendet wurde. Heutiges Eisen besitzt immer noch eine höhere Reinheit, als es damals der Fall war, was die Widerstandsfähigkeit weiter steigern sollte. Allerdings muss man sich dabei bewusst sein, dass Rost dazu gehört. Bei regelmäßigem Tragen schabt sich dieser von alleine ab, so dass es weniger ein Problem darstellen sollte. Wenn es aber für längere Zeit, zum Beispiel über den Winter nicht getragen wird, muss es entsprechend geölt werden.

Eisen brüniert

Es scheiden sich die Geister, ob früher bereits eine Art der Brünierung verwendet wurde. Heute wird die dünne Oxidschicht mit Hilfe von Säuren aufgetragen. Diese dünne Schicht schützt teilweise vor Rost, ist aber nicht absolut rostfrei. Es ist gut möglich, dass die früheren Kettenhemden eine schwarze Eisenoxidschicht besaßen, die beim Schmieden des Drahtes entstand. Ob mit diesem Argument jedoch jeder Authentizitätsfanatiker zufrieden zu stellen ist, wage ich zu bezweifeln.

Wer nicht so viel Wert darauf legt, aber dennoch möglichst nah am Original bleiben will, dem steht es natürlich offen. Ein durchgehend brüniertes Kettenhemd kann durchaus ein Blickfang sein. Man muss sich aber bewusst sein, dass sich die Beschichtung bei ausgiebigem Tragen abnutzt. Das Geschieht leider nicht immer gleichmäßig, so dass ein fleckiges Aussehen entstehen kann.

Eisen verzinkt

Die Verzinkung von Eisen bietet einen zuverlässigen Schutz vor Rost. Immerhin sind die meisten Zäune aus solchem Draht gefertigt. Anfangs besitzt die Zinkschicht einen ausgeprägten silbernen Glanz, der mit der Zeit matter, dunkler und grauer wird. Nach einiger Zeit sieht euer Kettenhemd so aus, wie der Zaun vor dem Haus.

Verzinkt wurde erst seit dem 18. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war die Kettenrüstung zum Randprodukt geworden. Wer also authentisch wirken will, muss hiervon die Finger lassen. Ein weiterer Grund, der dagegenspricht, ist die Angewohnheit von Zink mit der Haut zu reagieren. Es gibt relativ viele Menschen, die allergisch darauf reagieren. Was bei allen auftritt ist ein säuerlicher Geruch, der sich durch eine Reaktion mit dem Schweiß an den Händen bildet. Der letzte Punkt, der gegen verzinkten Draht spricht, ist, dass es Chromate enthalten kann, die im Verdacht stehen krebserregend zu sein. Damit würde ich es noch nicht einmal für LARP, Cosplayer oder Sammler empfehlen.

Edelstahl

Damit meine ich alle Formen von rostfreiem, unbeschichtetem Stahl. Ich muss wohl nicht mehr erwähnen, dass es mit der Authentizität nicht weit her ist. Alleine der Glanz und die Farbe eines solchen Kettengeflechtes erinnert eher an einen Hai Anzug oder Metzgerkette. Solcher Stahl hat zudem die Eigenschaft, dass er meist zu zäh ist, um die Ringe abzuflachen und zu vernieten. Es bleibt also meist nur die offene Knüpfart, die aber aufgrund der weit besseren Eigenschaften dennoch stabil bleibt.

Ein großer Minuspunkt ist, dass solcher Draht oder auch fertige Ringe meist bedeutend teurer sind. Wenn das Budget aber keine Rolle spielt und man auch nicht authentisch sein will, kann damit ein stabiles Kettenhemd gebaut werden, welches auch ohne den zusätzlichen Aufwand des Vernietens einiges aushält.

Aluminium

Als Rüstung absolut ungeeignet. Wer jedoch ein Kettenhemd für LARP-Zwecke haben will, hat hiermit eine leichte Alternative. Da Aluminium im Vergleich zu Eisen nur wenig mehr als einen Drittel wiegt, bereitet es auch keine Mühe die «Rüstung» länger zu tragen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Aluminium in verschiedenen Farben anodisiert werden kann. Das gibt vor allem im Fantasy Bereich viele Möglichkeiten und Freiheiten. So kann zum Beispiel ein Waldläufer eine entsprechend grüne Kette tragen, um in der Natur nicht so aufzufallen. Natürlich können sich auch Sammler hierbei nach Lust und Laune bedienen.

Messing, Bronze, Gold und Silber

Es ist sicher möglich, eine Rüstung aus Golddraht zu fertigen. Allerdings würde diese im Vergleich zu Eisen nochmal um einiges schwerer werden. Vom Preis einer solche Rüstung wollen wir gar nicht erst anfangen. Zudem müsste wohl die Ringstärke erhöht werden, damit sie nicht vom eigenen Gewicht auseinandergerissen werden. Bronze wurde vereinzelt bei den römischen Lorica Hamata (siehe letzter Beitrag) verwendet, ist aber auch eher eine Ausnahme.

Was authentisch korrekt wäre, ist, einzelne Ringe mit diesen (edel) Metallen zu ersetzen. Prunkrüstungen wurden oft verziert und im arabischen Raum wurden mit dieser Art teilweise kurze Gebete in die Rüstung eingewoben. Wenn man authentisch bleiben will, sollte man sich an einer entsprechenden Vorlage orientieren. Für alle anderen ist es sicher eine Möglichkeit, eine persönliche Note einzubringen.


Hier eine kleine Übersicht mit den einzelnen Materialien und den möglichen Verwendungszwecken:

Authentizität bei Reenactment

Eisen blank

Eisen brüniert (bedingt)

Andere Metalle (bedingt)


Funktionsfähig bei Sammler / LARP

Eisen blank

Eisen brüniert

Edelstahl

Andere Metalle (bedingt)


Just for the Looks bei Sammler / LARP

Eisen blank

Eisen brüniert

Edelstahl

Aluminium

Andere Metalle


Schädlich für Niemand geeignet

Eisen verzinkt

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