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Kettenhemd Anleitung: Muster und Variationen

Wenn es um das eigentliche Knüpfen oder Flechten der Kette geht, bieten sich einige unterschiedliche Variationen und Muster an. Auch hier werden diejenigen, die ein Authentisches Werk wollen stark eingeschränkt. Die erschlagende Mehrheit der Kettenhemden in Europa folgte demselben Muster. Daneben gab es aber auch einige Variationen und sobald wir weiter nach Osten gehen, werden auch andere Methoden durchaus authentisch. Ich will mich hier jedoch auf die Europäischen Varianten fokussieren, da ich mich mit den anderen zu wenig vertraut fühle.

Beachtet bitte, dass ich bei den Bildern der nachfolgenden Anleitung der Einfachheit halber recht große Ringe verwendete. Diese sind nicht vernietet, aus 2 Millimeter Draht und mit einem Innendurchmesser von 10 Millimeter. Auf diese Weise sollten die einzelnen Schritte besser zu erkennen sein.

4 in 1

Der Standard schlecht hin. Praktisch alle Funde waren in diesem Muster geknüpft. Der Name stammt daher, dass jeder einzelne Ring mit vier weiteren verbunden ist. Ausnahme bildet lediglich der Rand des Hemdes. Dieses Muster ist relativ einfach zu knüpfen und erfordert kaum Zeit, um es zu lernen. Mit der nachfolgenden Anleitung sollte es für jeden möglich sein.

Man beginnt am besten damit, vier Ringe zu schließen und einen weiteren etwas zu öffnen. Der offene Ring muss nicht besonders weit geöffnet werden. Es reicht, wenn die anderen Ringe ohne großen Aufwand eingefädelt werden können. Um die nächsten Schritte gleich mit zu erklären, habe ich das Ganze zwei Mal vorbereitet. Ich habe also insgesamt acht geschlossene und zwei offene Ringe.

Sobald wir diese Ringe zu zwei Quintette verbunden haben, müssen wir diese weiter Verbinden. Dafür wird ein weiterer offener Ring benötigt. Diesen fädeln wir in je zwei nebeneinander liegende Ringe der beiden Quintette ein und schließen ihn.

Im Bild sind die beiden Quintette bereits korrekt ausgelegt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Orientierung der Ringe noch nicht entscheidend. Es ist aber ratsam bereits jetzt die Ordnung anzutrainieren. Hier erkennen wir ganz gut, dass der zentrale Ring beider Quintette nach oben geneigt ist und die anderen Ringe nach unten. Diese Ausrichtung wird dann entscheidend, wenn wir größere Geflechte miteinander verbinden wollen.

Nun haben wir einen kurzen Kettenstrang von vier nach unten geneigten und drei nach oben geneigten Reihen. Wenn wir frisch beginnen, wiederholen wir die beiden Schritte davor, damit wir zwei solcher Ketten haben. Ich habe hier bereits ein etwas längeres Stück, an welches die neue Kette angehängt wird.

Nun brauchen wir drei weitere offene Ringe. Hier ist es nun entscheidend, dass die Ausrichtung der Ringe bei beiden Teilen übereinstimmt. Andernfalls würde es recht schwer werden die offenen Ringe einzufädeln. Zudem würde das Ergebnis einen Knick haben, der nicht nur unbequem ist, sondern auch eine Schwachstelle im Geflecht bildet. Bei einem Schlag würde sich die Kraft in diesen Ringen konzentrieren und sie würden wahrscheinlich biegen oder brechen.

Um die offenen Ringe nun einzusetzen führen wir sie durch die unterste Ringreihe des oberen, und die oberste Ringreihe des unteren Geflechts. Die Reihenfolge, in welcher die Ringe eingefädelt werden, ist ebenso entscheidend wie die Ausrichtung des Geflechts. Wir beginnen mit einem der oberen Ringe und nehmen entweder den zweiten oberen Ring oder den gegenüberliegenden unteren Ring als nächstes. Hier muss jeder selbst herausfinden, was am besten funktioniert. Sollte man einmal einen Fehler machen, zeigt es sich recht schnell im Muster und man macht die Stelle eben nochmal.

Das fertige Geflecht hat bei mir aufgrund der Ringgröße viel Spielraum. Links ist das Stück Kette abgebildet, wenn ich es an den Enden auseinanderziehe, rechts, wenn es in sich zusammengeschoben wird. Wird das Kettenhemd getragen, sorgt die Schwerkraft dafür, dass sich die Ringe ineinanderschieben. Es wird also tendenziell irgendwo in der Mitte der beiden Abbildungen liegen.

6 in 1

Ein Muster, welches teilweise authentisch ist, aber eher selten war. Zudem sind die wenigen Funde, die auf diese Art gefertigt wurden, eher in den späteren Perioden ab ca. 1400 einzuordnen. Ein Grund, weshalb es so selten ist, ist der Materialaufwand. Man benötigt für die gleiche Größe etwa 50% mehr Material. Die Fertigung ist jedoch ähnlich wie beim 4 in 1 mit einem zusätzlichen Schritt.

Wir beginnen wieder mit einer Auswahl an offenen und geschlossenen Ringen. Da wir hier 6 in 1 herstellen, brauchen wir je Gruppe sechs geschlossene und einen offenen Ring. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass es einfacher wird, wenn die offenen Ringe etwas weiter auseinandergezogen werden. Es kann allerdings passieren, dass sie sich so etwas zu sehr verformen und man sie nach dem Schließen wieder ordentlich rund drücken muss.

Hier sehen wir, dass es schon etwas enger wird. Allerdings ist das Vorgehen soweit noch identisch. Man hat anstelle von den Quintetten nun zwei Septette, also Gruppen mit sieben Ringen. Mit einem weiteren offenen Ring verbinden wir diese, indem wir drei vom einen und drei vom anderen einfädeln und den Ring schließen.

Für die Verbindung an den Rest des Geflechts brauchen wir nun nicht mehr nur drei Ringe, sondern insgesamt sechs. Diese fädeln wir nicht mehr nur in die äußersten Ringe ein, sondern nehmen einmal zwei von oben, einen von unten und danach umgekehrt, also einen von oben und zwei von unten. Ich empfehle erst eine Reihe durch zu knüpfen, damit die beiden Teile zumindest zusammenhalten. Mit welchen man beginnt, ist wieder jedem selbst überlassen.

Ich habe in meinem Beispiel die zwei von unten mit einem von oben verbunden. Im Bild sieht man, dass nun Reihe zwei und drei von unten praktisch aufeinander liegt. Da dazwischen müssten nun die verbliebenen Ringe eingefädelt werden.

Das Endergebnis ist ein Kettengeflecht aus 6 in 1. Dieses lässt sich nun kaum mehr auseinanderziehen und bleibt in dieser Form. Man erkennt klar, dass es ein dichteres Geflecht ist und wenn man es in der Hand hält merkt man auch, dass es etwas sperriger ist. Es hält sich aber noch im Rahmen, so dass durchaus auch ein ganzes Hemd damit gefertigt werden kann.

8 in 2 oder Königsmuster

Für das Königsmuster, oder 8 in 2 habe ich keine Schritt für Schritt Anleitung. Das Vorgehen deckt sich jedoch mit dem klassischen 4 in 1, lediglich mit dem Unterschied, dass jeder Ring doppelt genommen wird. Das Ergebnis ist, dass genau doppelt so viele Ringe verwendet werden, das Geflecht dem entsprechend doppelt so schwer wird und extrem sperrig wird. Ich würde davon abraten ein gesamtes Kettenhemd in diesem Muster zu fertigen. Zum einen wäre es einfach zu schwer und zum anderen würde es wohl die Bewegungsfreiheit enorm einschränken. Es bietet sich aber an damit einfache Verzierungen wie Säume oder ähnliches einzuarbeiten. Da die Ausrichtung und Dimension mit dem 4 in 1 übereinstimmen, ist eine Integration entsprechend einfach.

Oben sehen wir die drei Muster nebeneinander. Man erkennt schnell, dass die Anzahl der Ringe einen wesentlichen Einfluss auf die Dichte des Ergebnisses hat. Mir persönlich gefällt in dieser Ausführung das 6 in 1 am besten. 4 in 1 ist bei dieser Ringgröße etwas zu luftig und das Königsmuster sieht etwas brachial aus. Für diejenigen, die es interessiert, habe ich einige Messungen vorgenommen:


Dimensionen: 7cm x 6cm

Ringstärke; Innendurchmesser: 2mm; 10mm


4 in 1

Anzahl Ringe: 53

Gewicht: 50.9g

Biegsamkeit quer: >100%

Biegsamkeit längs: >100%


6 in 1

Anzahl Ringe: 78

Gewicht: 74.9g

Biegsamkeit quer: >100%

Biegsamkeit längs: ca. 100%


8 in 2

Anzahl Ringe: 106

Gewicht: 101.8g

Biegsamkeit quer: ca. 90%

Biegsamkeit längs: ca. 60%

Die Biegsamkeit bezieht sich darauf, wie weit das gegenüberliegende Ende ohne Kraftanstrengung hinüber gefaltet werden kann. Es zeigt sich, dass bei einem solch kurzen Stück auch das 6 in 1 Muster kaum Einschränkungen bietet. Beim Königsmuster ist jedoch mit starken Beeinträchtigungen zu rechnen.

Experimentelles

Es gibt noch weitere Möglichkeiten eine Kette zu bilden. Gerade im Bereich der Schmuckindustrie haben sich unterschiedliche Knüpfmethoden herausgebildet. Diese warten dann mit so wundervollen Marketingnamen wie «Dragonscale» oder «Fire Wyrm» auf. Es gibt sicher einen Platz für derartige Knüpfmethoden. Sie sind aber nicht gerade für ein Kettenhemd geeignet. Solltet ihr euch dafür interessieren, könnt ihr bei Youtube nach «Chainmail Jewelry» suchen.

Eine durchaus geeignete Methode für eine Rüstung ist 8 in 1. Ich bin bei meinen Recherchen zufällig darauf gestoßen. Es wäre sicher keine authentische Variante. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass daraus ein recht dichtes und interessantes Muster entstehen kann. Mit meinen Ringen war es mir leider nicht möglich ein entsprechendes Muster zu erstellen. Der Innendurchmesser müsste also etwa 12 Millimeter betragen. Damit würde ein Teil der versprochenen Schutzwirkung wieder entfallen. Wenn jemand den Versuch wagen will, wäre ich über ein entsprechendes Foto sehr dankbar. Vielleicht versuche ich es zu einem späteren Zeitpunkt auch selbst einmal.

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