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Kettenhemd Anleitung: Ringe Grundlagen

Kommen wir langsam zu dem Teil der Anleitung, der für die Fertigung eines Kettenhemdes wirklich relevant wird. Die Frage der Ringe wurde bereits einige Male angeschnitten. Dem entsprechend sind vernietete Ringe definitiv zu empfehlen, wenn man ein authentisches Ergebnis haben will, oder mehr damit anstellen möchte, als es lediglich auf einem Rüstungsständer auszustellen. Daneben gibt es aber noch einige weitere Punkte, die zu beachten sind.

Ringgröße und Drahtstärke

Hierbei wird in der Regel vom Innendurchmesser gesprochen. Historisch korrekt sind Innendurchmesser von 5 bis 8 Millimeter. Einige Exemplare gingen sogar von 4 bis 10 Millimeter. Alles darüber führte zu einem zu «luftigen» Geflecht, welches bedeutend weniger Schutz bot.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass kleinere Ringe zu einem «weicheren» Ergebnis führen. Das Geflecht verhält sich dann mehr wie Stoff und weniger als eine Kette. Kleinere Ringe boten gleichzeitig einen besseren Schutz. Das Geflecht wurde dichter und die Kraft eines Schlages konnte auf mehrere Glieder verteilt werden. Der große Nachteil von kleinen Ringen ist hingegen, dass es bedeutend mehr Ringe braucht, um ein komplettes Kettenhemd daraus zu fertigen. Gleichzeitig steigt das Gesamtgewicht der Rüstung, da mehr Eisen auf der gleichen Fläche verbaut wird. Für ein Europäisches Kettenhemd hat sich ein Innendurchmesser von 6 bis 8 Millimeter bewährt.

Die Drahtstärke hängt bis zu einem gewissen Grad mit dem Innendurchmesser zusammen. Je grösser der Durchmesser, desto dicker musste der Draht sein. Andernfalls würden die Ringe bei der kleinsten Belastung verbogen werden. Mögliche Stärken bewegen sich zwischen 1 und 2 Millimeter. Alles unter 1.4 Millimeter wird jedoch kaum stark genug sein, um wirklich als Rüstung zu zählen. Gleichzeitig wird über 1.8 Millimeter der Platz eng und das Gewicht zu hoch.

Flachringe oder Rundringe

Jeder Ring ist Rund. Andernfalls wäre es kein Ring. Was hier angesprochen wird, ist der Querschnitt. Rundringe sind, wie der Name vermuten lässt rund. Es kann also direkt mit gezogenem Draht gearbeitet werden. Flachringe hingegen sind im Querschnitt annähernd rechteckig und besitzen auf der Ober- und Unterseite Abflachungen. Es gibt die Argumentation, dass Flachringe authentischer wären, da der geschmiedete Draht nie eine perfekte Rundung hatte, sondern eben eckig war. Da das Drahtziehen seit dem 14. Jahrhundert belegt ist, kann es als Grauzone angesehen werden.

Der wesentliche Unterschied bei diesen beiden Varianten ist die Erscheinung. Man erkennt auf den ersten Blick, ob bei einem Kettenhemd flache oder runde Ringe benutzt wurden. Viele Behaupten, ein Kettenhemd aus flachen Ringen wäre angenehmer zu tragen. Es gibt aber auch Stimmen, die das Gegenteil behaupten. Idealerweise nimmt man je ein entsprechendes Geflecht in die Hand und entscheidet selbst. Am Ende kommt es vor allem auf die eigenen Vorlieben an.

In Bezug auf die Schutzwirkung gibt es ebenfalls widersprüchliche Aussagen. Grundsätzlich sind runde Ringe in alle Richtungen gleich schwer zu biegen. Sind nun zwei Seiten abgeflacht, sind diese einfacher in diese Richtung zu biegen, haben dafür eine höhere Resistenz in die andere Richtung. Flachringe sind demnach eher in der Fläche verbogen, als dass sie aufgesprengt werden. Müsste ich mein Leben aufs Spiel setzen, würde ich wahrscheinlich auf Flachringe setzen. Eine Rüstung zu reparieren ist angenehmer, als einen Pfeil auf dem Körper zu ziehen.

Kaufen oder Herstellen

Auch dieses Thema hatten wir bereits angeschnitten. Bei meinen ersten Versuchen stellte ich die Ringe selbst her. Dies funktionierte mit sehr kleinem Budget und lieferte ein durchaus passables Ergebnis. Dabei habe ich die Ringe jedoch weder abgeflacht, noch vernietet. Sollte man auf ein vernietetes Hemd hinarbeiten, muss man noch einige Schritte beachten.

Bei Rundringen ist der Bereich, an dem die Enden aufeinander treffen mit einem Hammer zu bearbeiten. Dafür benötigt man einen Ambos, oder eine andere harte und stabile Unterlage. Für jeden Ring müssen fünf bis zehn Schläge eingerechnet werden. Bei 30'000 Ringen hat man ein ziemlich effektives Training.

Verwendet man Flachringe, kann man das Ganze auch anders lösen. Anstelle von Hammer und Amboss kann ein Rohr auf eine Metallplatte geschweißt werden, in welches man einen einzelnen Ring legt. Nun nimmt man ein ordentliches Stück Rundeisen, welches in das Rohr passt und lässt es einige Male darauf fallen. Dadurch wird der Ring gleichmäßig geplättet. Da das Schlagstück etwas Masse haben muss, gibt es auch hier ordentlich Training.

Ich habe auch versucht die Ringe mit einer Hydraulischen Presse zu bearbeiten. Das Ergebnis war ernüchternd. Um bei einem einzelnen Ring mit 2 Millimeter Drahtstärke und einem Innendurchmesser von 10 Millimeter eine vernünftige Plättung zu erreichen, waren 6 bis 8 Tonnen Druck nötig. Selbst mit industriellen Maschinen kann man kaum mehr als einige wenige auf einmal bearbeiten.

Sobald die Ringe soweit bearbeitet sind, muss in jeden einzelnen ein Loch für die Niete gebohrt werden. Wir sprechen hier von Kleinstdurchmessern von 0.5 bis 1 Millimeter. Auch hier muss jeder einzeln bearbeitet werden. Eine einfache Automatisierung ist mir nicht bekannt.

Als Niete bietet sich ein weiteres Stück Draht an. Alternativ können auch kleine Nägel abgeschnitten werden. Das hätte den Vorteil, dass nur eine Seite gehämmert werden muss. In jedem Fall ist es aber einiges an Arbeit.

Mein Rat an alle, die kein Jahrzehnt an einem Kettenhemd arbeiten wollen, oder den ganzen Tag dafür aufwenden können: Kauft die Ringe, wenn ihr sie vernieten wollt. Macht sie euch selbst, wenn ihr sie offenlasst. Am Ende muss aber jeder selbst wissen, wie viel Zeit und Geld in das Hobby investiert werden soll.

Zum Schluss noch zwei Seiten, bei denen entsprechende Ringe bezogen werden können. Zum einen wäre da die Rüstkammer des Drachenhorts. Ich verwende am liebsten diese Flachringe. Dieser Shop ist vor allem für meine Schweizer Leser interessant. Da er ebenfalls in der Schweiz ansässig ist, entfallen hohe Liefer- und Zollgebühren.

Für Leser aus Deutschland empfiehlt sich Battlemerchant. Dieser ist wohl auch für Österreicher und andere EU-Mitglieder die beste Wahl. Falls ihr weitere Händler kennt, könnt ihr sie gerne in die Kommentare schreiben.

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