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Kettenhemd Anleitung: Schnittmuster und Techniken

Die einfachste Form für ein Kettenhemd ist drei Schläuche. Zwei schmale für die Arme und einen breiten für den Torso. Ein solches Kettenhemd kann getragen werden, bietet aber wenig Komfort. Ich würde ein solches Schnittmuster lediglich denen Empfehlen, die das Kettenhemd primär auf einem Rüstungsständer ausstellen wollen. Mehr als es zu demonstrationszwecken alle paar Jahre anzuziehen liegt nicht drin.

Ein so einfaches Kettenhemd ist recht einfach gefertigt. Man knüpft sich die Flächen zusammen, bis sie die gewünschte Dimension erreicht haben und schließt dann die Seiten. Dabei wird jedoch außer Acht gelassen, dass die Schultern meist breiter sind als die Taille. Auch die Arme sind dann am Handgelenk genau so weit wie am Oberarm. Das führt dazu, dass die Kette unschön herabhängt. Dieses unnötige Gewicht bei jeder Bewegung mit zu ziehen erfordert nicht nur mehr Kraft, es verlangsam die Bewegungen und lässt sie weniger genau werden. Zudem kann man sich das dort verwendete Material und die damit verbundene Arbeit sparen. Alles gute Gründe, weshalb ein solches Muster in der Vergangenheit keine Verwendung fand.

Erin gut geschneidertes Kettenhemd ist auf den Träger angepasst. Dem entsprechend kann ich euch kein genaues Muster geben. Ihr müsst euch selbst ausmessen, das Geflecht anfertigen, anprobieren und allenfalls anpassen. Was ich euch jedoch liefern kann, sind die nötigen Techniken, um entsprechende Erweiterungen und Verengungen anzufertigen.

Die wichtigsten Stellen

Zunächst will ich aber auf die wichtigsten Punkte eingehen, die ihr beim Maßnehmen beachten solltet. Zunächst einmal ist es wichtig, dass ihr die Masse entsprechend eurem Gambeson nehmt. Dieser kann den Umfang eurer Brust bedeutend erhöhen. Wenn ihr das Kettenhemd nach eurer blanken Brust schneidert, kann ein T-Shirt noch gut darunter Platz finden. Ein Gambeson trägt aber etwas mehr auf.

Die Brust ist ein guter Ort, um mit dem Maßnehmen anzufangen. Die meisten Menschen, ob Mann oder Frau, haben direkt auf der Höhe der Brustwarze den größten Umfang. Es sei denn, ihr seid außerordentlich gut genährt. Dieses Maß gibt euch in der Regel das obere Limit an. Gerne wurde hin zur Achsel ein zusätzliches Dreieck eingesetzt, um die Bewegungsfreiheit der Schulter zu gewährleisten. Unterhalb der Rippen wird es dann jedoch schmaler. Ein gut angepasstes Kettenhemd folgt der Kontur des Körpers und wird ebenfalls schmaler, bis es dann in Richtung der Hüften wieder etwas auseinander geht.

Die Ärmel sind ebenfalls keine einfachen Schläuche. Selbst untrainierte haben direkt an der Schulter einen höheren Platzbedarf als am Handgelenk. Ein weiterer Punkt, der gerne übersehen wird, ist der Ellenbogen. Beim Anwinkeln des Armes stecken sich die modernen Stoffe, da sie Elasthan beinhalten. Bei einer Eisenkette ist das nicht der Fall. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten diesem Umstand zu begegnen.

Eine Variante, welche meines Wissens nach zumindest in England historisch belegt ist, ist ein entsprechender Einsatz. Dafür werden zwei Dreiecke zu einem Rhombus zusammengeknüpft, der dann auf der Höhe des Ellenbogens eingesetzt wird. Dadurch wird erzielt, dass bei gestrecktem Arm die Kettenglieder Locker sind und bei einer Beugung genug Raum bleibt, um das Geflecht zu strecken.

Eine andere Variante ist, zwei Einschnitte auf der Innenseite des Ärmels anzubringen. So ist die Außenseite ein durchgehender Strang, der sich auf der Innenseite verengt. Auch hier ist die Kette bei gestrecktem Arm locker, so dass der Ellenbogen Platz findet.

Beiden Varianten ist gemeinsam, dass der Ärmel von sich ausgebogen ist. Wenn das Kettenhemd also flach auf einem Tisch ausgebreitet wird, besitzt der Unterarm einen anderen Winkel als der Oberarm. Für die genauen Masse muss wieder experimentiert werden, da hier neben dem jeweiligen Körper und Muskelumfang auch die Art der Ringe mit ihrem jeweiligen Innendurchmesser entscheidend sind.

Der letzte Punkt, dem Beachtung geschenkt werden muss, ist der Schulterbereich. Vor allem der Übergang vom Hals zum Torso. Es war üblich, dass die Kettenhemden einen kurzen Stehkragen hatten, der den unteren Teil des Halses schützte. Dieser muss nicht besonders hoch sein, da weiter oben bald der Helm beginnt. An diesen Ring werden dann vier entsprechende Trapeze angebracht, die sich auf den nötigen Umfang für den Torso erweitern. So gibt es auch gleich etwas mehr Platz für die Schulter.

Erweiterungen und Verengungen dank Trötringen

Eine Möglichkeit zur Erweiterung ist es, ein zusätzliches Dreieck einzusetzen. Das führt jedoch zu relativ drastischen Veränderungen, die nicht immer mit der Kontur des Körpers übereinstimmt. Eine wesentlich subtilere und kontrollierbare Art ist es mit sogenannten Trötringen zu arbeiten.

Ein Trötring ist im Grunde nichts Weiteres als einen zusätzlichen Ring, der in das bereits vorhandene Muster eingebracht wird. Bei einem Kettenhemd im 4 in 1 Stil wird also ein einzelner Ring zusätzlich eingebracht, so dass an dieser Stelle fünf Ringe in einem verbunden sind. Bei der nächsten Reihe wird dann wieder wie gewohnt weitergearbeitet, so dass dieser zusätzliche Ring mir zwei weiteren verbunden wird. So wird das Gleichgewicht wiederhergestellt, indem ein Ring mit fünf verbunden ist, der Trötring jedoch nur mit drei, was in der Summe wieder 4 in 1 entspricht.

Im Bild oben habe ich den Trötring als blau anodisierten Aluminiumdraht eingesetzt. Man erkennt klar, dass der eine Ring, mit dem er verbunden ist, nun drei Ringe in sich hat.

Hier sieht man nun, wie sich das Ganze zusammenfügt. Man beachte, dass der blaue Trötring lediglich mit drei weiteren Ringen in Verbindung steht. Die unterste Reihe besitzt nun über zehn linksläufige Ringe. Die Reihe darüber hatte jedoch nur neun linksläufige.

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