• Sinnlosoph

Frage 189: Ist klonen eine Option?

Kinder sind nicht so mein Ding. Aber wir können dieselbe Prämisse auch auf den Partner anwenden, wenngleich die Begebenheiten nicht ganz identisch sind.


Dein zwölfjähriger Sohn stirbt bei einem Unfall. Würdest du lieber deinen verstorbenen Sohn klonen, oder auf natürlichem Weg ein zweites Kind zeugen? Was wäre, wenn du nicht mehr zeugungsfähig bist?



Wie wir hier schon mehrfach festgestellt haben, gehört der Tod zum Leben dazu. Dabei wird kein Unterschied zwischen reich und arm, oder jung und alt gemacht. Wenn es einen erwischt, ist es aus. Die Frage, die sich hier zwischen den Zeilen verbirgt, ist, ob wir diesen Fakt akzeptieren können, oder unser Leben lang an der Willkür aufreiben wollen. Wenn ich es für mich einmal nüchtern betrachte, spielt das Alter des Verstorbenen gar keine große Rolle. Mich traf der Tod meines Paten genau so hart, wie das Versterben meiner Oma. Obwohl hier ein Altersunterschied von mehr als vierzig Jahren vorliegt. Viel wichtiger ist doch, wie wir zu dieser Person standen.


Ein anderes Beispiel: Wenn die Zeit der eigenen Großeltern abläuft, ist das Subjektiv gesehen schlimmer als ein verhungerndes Kind in Afrika. Objektiv wäre es natürlich umgekehrt, immerhin hatte das Kind in Afrika noch das gesamte Leben vor sich und unbekanntes Potential auszuschöpfen. Da man das Kind aber nicht kannte, ist es einem so egal wie eine Fliege, die sich in einem Spinnennetz verfängt. Es gehört eben zum Leben dazu.


Wenn wir uns nun überlegen, unseren verstorbenen Sohn, oder meinetwegen auch den eigenen Partner zu klonen und so zu ersetzen, zeigt das doch nur, dass wir nicht in der Lage sind mit dem Lauf des Lebens klarzukommen. Unser Wunsch nach Stabilität steht den Tatsachen im Weg und verunmöglicht ein normales Leben. Sollten wir uns also dazu entscheiden, die Person zu Klonen und durch diesen Klon zu ersetzen, schafft uns das die erwünschte Stabilität, senkt aber auf der anderen Seite den Wert dieses Lebens herab. Immerhin können wir diesen Prozess so oft wiederholen, wie wir möchten. Was würde also aus unseren Werten im Bezug auf das Leben geschehen?


Ich bin der Meinung, dass es gut ist, dass alles ein Ende hat. Irgendwann muss es vorbei sein, damit die Erinnerungen an das Vergangene ihren Wert erhalten. Natürlich schmerzt der Verlust. Es kann sein, dass man diesen Schmerz auch noch Jahre später spürt. Allerdings gibt uns diese Endgültigkeit auch die Möglichkeit, den Sinn im Leben und Wirken einer Person zu finden. Wenn diese Endlichkeit entfällt, sind die geteilten Momente wiederholbar und keine Kostbarkeiten mehr.


Ein weiterer Punkt ist, dass man sich bei einem Klon die Möglichkeit nimmt neue Erfahrungen zu sammeln, beziehungsweise gemachte Erfahrungen anzuwenden. Jede Beziehung, die wir eingehen und jedes Erlebnis, das wir teilen, formt unseren Charakter. Menschen haben da einen wesentlichen Einfluss auf unsere Persönlichkeitsentwicklung. Das Ende eines Lebens zwingt uns dazu, den Verlust mit einem anderen Menschen auszugleichen. In diesem Fall wäre es ein weiteres Kind, einen neuen Partner oder einfach eine weitere Bekanntschaft. Auf jeden Fall wäre es eine weitere Möglichkeit sich neuen Einflüssen auszusetzen und den eigenen Horizont zu erweitern.


Ich würde also auf das Klonen verzichten. Wahrscheinlich bräuchte ich nach einem solchen Vorfall einige Jahre, um emotional wieder soweit stabil zu sein, aber eine neue Beziehung würde ich dem direkten Ersatz auf jeden Fall vorziehen.

Wie steht ihr zu dieser Sache? Wäre ein Klon für euch eine gangbare Option, oder würdet ihr euch vielleicht in der Einsamkeit verkriechen? Lasst es mich wissen!

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