• Sinnlosoph

Frage 216: Wie viel Rücksicht ist nötig

Eine Beziehung kann sehr schön sein. Wenn es aber nicht mehr stimmt, ist es eher eine Qual. Heute geht es darum, wann das eigene Wohl über das des Partners zu stellen ist.


Nach einigen Jahren in einer Beziehung willst du sie beenden. Du fürchtest aber, dass dein Partner sich dann das Leben nimmt. Was würdest du tun?



Zugegeben, ich bin bei weitem kein Beziehungsexperte. Ich hatte in meinem Leben zwei Freundinnen und beide Beziehungen wurden durch mich beendet. Ich kann hier also nur aus einem beschränkten Erfahrungsschatz schöpfen. Allerdings habe ich genügen Erfahrungen mit Depressionen und dem Umgang mit depressiven Personen. Was mir also am einen Ende an Expertise fehlt, kann ich am anderen Ende ausgleichen.


Meine Beziehungen beendete ich jeweils, weil die Konstellation für mich nicht mehr stimmten. Ich habe mich in diesen Gebilden nicht mehr wohl gefühlt und hatte ständig das Gefühl, dass ich an etwas gehindert werde. Bei der ersten Freundin war es kein all zu schwerer Schritt. Wie sich später herausstellte, hatte sie mich während der letzten beiden Monate betrogen und wenn ich ehrlich bin, war ich damals einfach nur spitz wie Nachbars Lumpi. Da bestand auch keine Gefahr, dass sich die Person irgendetwas antun würde.


Bei der zweiten Beziehung war es etwas heikler. Zum einen mochte ich sie immer noch, wenngleich es nicht mehr das Richtige für eine Beziehung war. Zum anderen hatte sie durchaus Tendenzen zu düsteren Gedanken und dem entsprechendem Verhalten. Ich will hier nicht ins Detail gehen, da es mir nicht zusteht das öffentlich zu machen. Es sei aber gesagt, dass ich mir durchaus einige Gedanken machte und ich mein Verhalten abwägen musste.


Für mich stellte sich am Ende jedoch die Frage, ob ich so weiter leben könnte. Nachdem ich das mit nein beantworten musste, stand mein Entschluss fest. Es wurden keine Selbstmorddrohungen ausgesprochen, aber ich hatte dennoch meine Bedenken. Glücklicherweise verlief alles gut. Das hat mich aber nicht davon abgehalten entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Ich habe es ihr nie gesagt, aber ich habe mich regelmäßig bei einigen Bekannten erkundet, wie es ihr geht. Ich habe sie auch darum gebeten ein Auge auf sie zu haben, damit sie nicht mit ihren Gedanken alleine ist. Ich wollte sie dabei nicht überwachen, allerdings hätte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren können, wenn wegen meine Entscheidung doch noch etwas schlimmeres passiert wäre.


Ich weiß nicht, wie viel meine Bemühungen hinter den Kulissen gefruchtet haben und wie groß der Einfluss davon war. Allerdings gab es mir eine gewisse Sicherheit und ermöglichte mir, mich um meine eigenen Wunden zu kümmern. Denn, wenngleich ich derjenige war, der alles beendete, hinterließ es auch bei mir ein Loch, welches nicht so schnell gefüllt werden konnte. Und das fasst auch ziemlich gut zusammen, was ich jedem in einer solchen Situation raten würde.


Wenn ihr in einer Beziehung seid, die euch nicht gut tut, dann beendet sie. Wenn ihr euch sorgen um den Partner macht, sorgt dafür, dass sie nicht alleine ist. Ihr müsst nicht den Kampf des anderen austragen, aber sorgt zumindest dafür, dass andere für sie da sind. In meinem Fall hatte ich Glück, dass sie nicht so labil war wie ich. Es nahm also alles ein gutes Ende. Wenn ich aber in der Beziehung geblieben wäre, oder mich nach dem Ende weiter direkt für ihr Wohl eingesetzt hätte, wäre ich wohl selbst irgendwann verbittert, abgestumpft oder zugrunde gegangen.


Da es gleich zum Thema passt, möchte ich hier auch gleich meine Erfahrung mit Depressionen und dem Umgang mit depressiven aufzeigen. Denkt daran, dass ich kein Psychiater bin und keine Quellen für meine Aussagen habe. Das ist aber das, was mir jeweils am meisten geholfen hat:

Wenn ihr jemanden kennt, der gerade eine schlimme Zeit durchmacht, schütz in erster Linie euch selbst. Ladet euch nicht mehr auf, als ihr tragen könnt und haltet diese Grenze auch ein. Es hilft niemandem, wenn ihr euch ins gleiche Loch stürzt. Ansonsten solltet ihr einfach für die Person da sein. Zwingt euch nicht auf, sondern bietet einfach die Hilfe an. Ob sie angenommen wird, liegt dann nicht mehr in eurem Einfluss. Wird keine Hilfe in Anspruch genommen, behalt die Person wie vorhin. Sie will in der Regel nicht ausgegrenzt oder besonders behandelt werden. Ladet sie zum Essen ein, auf eine Feier oder einen Ausflug. Wenngleich die Chance für eine Teilnahme vielleicht schlechter stehen als früher, gibt das doch ungemein Stabilität. Wenn das nun auf einmal ausbleibt, entwickelt sich schnell ein negativer Feedbackloop, der alles nur noch verschlimmern kann. Allerdings gilt auch hier: Zwingt euch nicht auf. Wenn ihr die drei Punkte einhaltet, könnt ihr unter Umständen bereits eine wertvolle Stütze sein, ohne dass es euch wirklich bewusst ist.


Wie sieht die Sache nun aber bei euch aus? Wie geht ihr mit solchen Fällen um? Habt ihr vielleicht eigene Erfahrungen? Lasst es mich wissen!

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