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Regeln Brechen - Die perfekte Zeit

Das Thema Zeit ist in der heutigen Gesellschaft einer der am stärksten limitierenden Faktoren. Alles braucht Zeit. Sei es die Arbeit, eine Weiterbildung, Verwandte, Familie, die eigenen Kinder oder eine Vereinstätigkeit. Zu allem Überfluss muss man sich auch noch irgendwann erholen und will nun noch ein so hoch gestecktes Ziel erreichen. Ein intelligentes Zeitmanagement muss also her, damit wir nicht nur genügend Kraft aufbringen können, sondern auch keine der anderen wichtigen Aspekte im Leben vernachlässigen.


Jetzt ist genauso gut wie später

Um eines vorweg zu nehmen: Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt, um zu starten. Genauer gesagt ist jetzt die perfekte Zeit dafür. Besser wäre gestern gewesen, aber das haben wir leider verpasst. Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Möglichkeiten verpasst, weil ich zu lange gewartet habe. Ich wollte den perfekten Zeitpunkt erwischen, um es mir so leicht wie möglich zu machen. Dieser kam allerdings nie und irgendwann war es zu spät oder ich musste unter erschwerten Bedingungen beginnen, damit ich noch rechtzeitig fertig wurde. Fakt ist, dass das Leben zu vielfältig ist, als dass alle Faktoren stimmen könnten. Bei der Arbeit gibt es immer zu viel zu tun. Die Familie wird immer in einer Phase sein, in der ihr für sie da sein müsst. Nach der Ausbildung folgt eine Weiterbildung. Wenn wir darauf warten, dass alles perfekt stimmt, werden wir nie anfangen. Deshalb ist es wichtig, diese Punkte nicht zu vergessen, sie aber so zu akzeptieren, wie sie sind. Wenn wir gerade wirklich viel zu tun haben bei der Arbeit, können wir das bei der Zieldefinition berücksichtigen. Wenn die Tochter gerade ihre ersten Fahrstunden nimmt und in jeder freien Minute üben will, müssen wir darum herum planen. Euer Ziel wird durch euch erreicht. Und ihr seid nicht nur eine leere Hülle, die man damit füllen kann. Dem entsprechend werdet ihr auch nie einen Moment im Leben haben, an dem ihr euch voll und ganz auf euer Ziel konzentrieren könnt. Es ist aber möglich, irgendwo die nötige Zeit frei zu machen und sich dabei um seine Ziele zu kümmern. Die wenigsten leben so prozessoptimiert, dass jede einzelne Minute bis ins kleinste Detail durchgeplant und besetzt ist.

In meinem Fall hatte ich wirklich genügend Zeit, um mich jeden Tag bis zu zwei Stunden um dieses Buch zu kümmern. Diesen Luxus hat nicht jeder. Allerdings hatte auch ich unterschiedliche Verpflichtungen, denen ich nachgehen musste. So habe ich meine Zeit flexibel darum herum gelegt. Wenn es einmal nicht ging, habe ich eine Doppelschicht eingelegt. Wenn ich am Abend etwas vorhatte, musste ich die Zeit am Morgen oder späten Nachmittag aufbringen. Es konnte auch vorkommen, dass ich bis spät in die Nacht arbeitete, um mein Ziel zu erreichen. Mit der richtigen Motivation und einem entsprechenden Pflichtgefühl gegenüber mir selbst war es trotzdem möglich. Dieser Umstand wäre auch nicht anders gewesen, wenn ich eine Woche länger gewartet hätte. Dann hätte ich vielleicht die Beerdigung nicht einplanen müssen, allerdings ist da ein Samstag mit Freunden verplant. Damit hätten sich die Herausforderungen nur nach hinten verschoben, sie wären aber auf keinen Fall verschwunden.


Die produktivste Phase

Ein Punkt, der bei der Einteilung der knappen Zeit helfen kann, ist sich selbst zu kennen. Jeder Mensch funktioniert etwas anders. Ich bin zum Beispiel am frühen Morgen und mitten in der Nacht am produktivsten. Andere sind erst nach einem ordentlichen Mittagessen auf Hochtouren. Findet heraus, wann ihr eure Bestleistungen erbringen könnt und strukturiert dem entsprechend euren Tag. Ich habe auch schon versucht, in meiner Mittagspause an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Für mich war das reine Zeitverschwendung. Ein Arbeitskollege blühte dabei jedoch richtig auf und brachte die kreativsten Ideen hervor. Lernt euch selbst kennen. Versucht unterschiedliche Zeiten aus und notiert euch, wie viel ihr in einer gewissen Zeit geschafft habt. Experimentiert auch mit unterschiedlichen Einsatzlängen. In meinem Fall konnte ich beobachten, dass alles unter 30 Minuten nichts bringt. Wenn ich wirklich produktiv war, arbeitete ich teilweise mehrere Stunden durch, ohne auch nur eine Kaffeepause zu machen. Es kann aber auch sein, dass ihr in kurzen Stößen produktiver seid und mehrere Einsätze zu je zwanzig Minuten der richtige Weg ist. Wir brechen also eine weitere kleinere Regel, indem wir uns nicht an konventionelle Rahmen halten, sondern uns selbst organisieren. Versucht es aus und nutzt die doch sehr knappe Zeit so effektiv wie möglich.

Sobald ihr wisst, wie und wann ihr am besten Arbeitet, könnt ihr bewusst entsprechende Fenster in eure Tagesplanung einbauen. Wenn ihr am Morgen Fit seid, steht eine Stunde früher auf. Da ihr dann wahrscheinlich am Abend nichts Intelligentes zu Stande bringt, könnt ihr auch früher ins Bett. Wenn ihr eher am Abend und nachts richtig in Fahrt kommt, macht nach der Arbeit ein kurzes Nickerchen. So seid ihr dann im Kopf frisch und könnt mehr von eurer Zeit effizient nutzen. Am schwierigsten wird es, wenn die effektivste Zeit auf den späten Vormittag oder frühen Nachmittag fällt. Allerdings kann man auch hier nach flexiblen Arbeitszeiten fragen und entweder früher anfangen oder später Feierabend machen, um doch so effizient wie möglich zu sein. Kleinere Stöße sind wiederum leichter zu bewältigen. Haltet euch einfach stets etwas passendes bereit, wo ihr zumindest die kreativeren Arbeiten für euer Ziel aufschreiben könnt. Diese müssen dann vielleicht zu einem ungünstigeren Zeitpunkt ausgearbeitet werden, aber ihr könnt auch unterwegs kleinere Einheiten einlegen.

Am Einfachsten lässt sich natürlich ein Ziel einteilen, für dessen Erreichung Ortsunabhängig gearbeitet werden kann. Wenn ihr euch selbst ein Haus bauen wollt, ist es schwierig, das in der Mittagspause unterzubringen. Allerdings lassen sich auch hier wieder einzelne Dinge planen und vorbereiten, die dann im Anschluss beendet werden können. Wenn es um die eigene Gesundheit geht, wird sich immer eine freie Minute finden, in der eine kurze Dehnübung, ein paar Liegestütze oder sogar ein kurzer Sprint untergebracht werden kann. Wenn ihr ein finanzielles Ziel habt, könnt ihr immer noch prüfen, ob ihr in eurer Freizeit einen Nebenjob annehmen könnt, der ein wenig zusätzliches Kapital einbringt.

Sollte euer Ziel nicht Ortsunabhängig sein, könnt ihr prüfen, ob ihr vielleicht mit dem Wissen der produktivsten Zeit etwas an euren anderen Verpflichtungen drehen könnt. So könnt ihr die Steuererklärung in diesem Zeitfenster erledigen und schneller damit fertig sein. Eine alternative wäre, die Haushaltsaufgaben auf diese Zeit zu legen und so mehr Freizeit zu erhalten. Womöglich lässt sich auch das Pensum bei der Arbeit entsprechend anpassen, wenn ihr die geforderte Arbeit in kürzerer Zeit erledigen könnt. Seid dabei auf jeden Fall kreativ und versucht das Best mögliche Ergebnis aus diesem Zeitraum zu holen.


Flow

Ich denke, jeder war schon einmal in dieser Situation. Sei es bei einem Videospiel, an einer Prüfung, während eines Films oder in einer Unterhaltung mit einem Freund. Ihr geht einer Tätigkeit nach und blendet irgendwann alles um euch herum aus. Ihr merkt nicht, wie viel Zeit vergeht und seid am Ende überrascht, dass ihr mehrere Stunden damit verbracht habt, ohne auch nur an die grundlegendsten Bedürfnisse zu denken. Wahrscheinlich hätte neben euch ein Mann im Gorillakostüm tanzen können und ihr hättet es nicht bemerkt. Dieser Zustand nenne ich den Flow.

Dieses Phänomen ist bereits seit langem bekannt. Die Dichter und Schriftsteller sagten dann, sie wären von der Muse geküsst worden. Andere sagen, sie wären in der Zone, Sphäre oder dem Feld. Sportler nennen es das Läufer Hoch und bezeichnet einen Zustand ohne Erschöpfungsgefühl. Am Ende des Tages ist es dem Meditieren gar nicht so unähnlich. Egal wie ihr es nennt, der Effekt ist derselbe. Und genau dieser Zustand ist es, indem wir die größten und besten Leistungen vollbringen.

Es ist dieser Zustand, indem ich mich nur auf eine Sache konzentriere. Alle meine Energie fließt nur auf einen Punkt und ich versenke mich voll und ganz in der Materie. Während ich dieses Buch schrieb, passierte mir das recht häufig. Ich schrieb und schrieb und schrieb. Das nächste Mal, wenn ich auf die Uhr schaue sind zwei oder drei Stunden vergangen und ich hatte mein Tagesziel bei weitem übertroffen. Dabei habe ich mir nicht einmal Gedanken über den Text machen müssen. Die Wörter flogen mir einfach zu und ich hatte Mühe damit, sie schnell genug zu tippen. In einer perfekten Welt würden wir uns ständig in diesem Zustand befinden und die Arbeit, die gerade ansteht mit einer Konzentration und Hingabe erledigen, dass es nur zum bestmöglichen Ergebnis führen kann.

Leider lässt sich dieser Zustand aber nicht immer herbeiführen. Ich habe gewisse Punkte festgestellt, die mir dabei helfen. Zum einen hilft es, wenn wir während der perfekten Zeit arbeiten. In meinem Fall war es so, dass ich meist mitten in der Nacht vom Flow überrascht wurde. Eine weitere Hilfe war für mich die Hintergrundmusik. Ich habe nicht immer dieselbe Musik gehört, habe aber darauf geachtet, dass es immer der gleiche Stil ist. Wenn ihr merkt, dass Jazz eure Fantasie beflügelt, hört Jazz. Wenn ihr erst mit Deathmetal ordentlich Dampf ablassen könnt, schmeißt euch den übelsten Deathmetal für euer Training an. Wenn ihr absolute Ruhe wollt, schließt die Tür und legt einen Gehörschutz an. Die Hauptsache ist, dass ihr immer ein ähnliches Muster beibehaltet.

Die Macht von Musik habe ich während meines Studiums kennen gelernt. Als ich für große Prüfungen lernte, habe ich durchgehend Trance aus den Neunzigern gehört. Nach einer gewissen Zeit verknüpfte mein Hirn diese Klänge mit den entsprechenden mathematischen Formeln und ich konnte mich wesentlich besser auf die Materie einlassen. An der Prüfung selbst hat es mir dann sogar gereicht, wenn ich meine Lieblingsmelodien im Kopf abspielte, um mich an gewisse Dinge aus der Theorie zu erinnern.

Manchmal kann es auch helfen, wenn eine kurze Pause eingelegt wird. In meinem Fall kam es schon vor, dass die erste Stunde mehr schlecht als recht verging. Nachdem ich aber eine kurze Kaffeepause eingelegt hatte, packte mich praktisch augenblicklich der Flow. Ein Wechsel des Blickwinkels kann helfen, neue Ideen zu entwickeln und den nötigen Durchbruch zu schaffen. Eine weitere Option ist, seinen eingeweihten Freund anzurufen. Ihr müsst nicht einmal über das Thema sprechen. Allein der Umstand, dass ihr eure Gedanken für einen Moment löst, kann ausreichen. Die Pause sollte allerdings nicht zu lange sein, damit die Gedanken nicht zu weit abschweifen können.

Ein weiterer Tipp, den ich euch geben kann, um in den Flow zu kommen ist, nur eine Sache zu machen. Vergesst Multitasking. Konzentriert euch nur auf einen einzelnen Aspekt in eurem Projekt. In meinem Fall habe ich mich ausschließlich auf die Textproduktion konzentriert. Die Rechtschreibung und Grammatik war zweitranging. Solange ich am Ende meine Gedanken aufgeschrieben habe und noch erkennen konnte, was ich da eigentlich aussagen wollte, war es gut genug. Dafür habe ich mir in der zweiten Woche die nötige Zeit genommen und mich ausschließlich auf den Satzbau, oder die Rechtschreibung, oder die Wortwahl konzentriert.

Der letzte Punkt, der mir auffiel, ist, dass es Zeit braucht. Meist trat die Wirkung des Flows erst nach fünfzehn bis dreißig Minuten ein. Es hilft also nicht, mit der Arbeit so lange zu warten, bis man das Gefühlt hat, in der richtigen Stimmung zu sein. Die Stimmung kommt währenddessen und nicht davor. Die genaue Zeit variiert bei jedem und ist auch nicht an jedem Tag gleich. Auch hier müsst ihr also etwas experimentieren und ausprobieren, bis ihr das richtige für euch findet.

Leider habe ich noch keinen garantierten Weg gefunden, in diesen Zustand überzugehen. Es kam oft vor, dass ich mein Tagespensum abarbeitete und nie wirklich in die richtige Stimmung gelangte. Das ist nicht schlimm und mit dem muss man leben. Ich würde euch also raten, bei der Arbeit nicht auf den Flow zu zählen, ihn aber zu nutzen, sollte er eintreten.

Genauso wie euch der Flow helfen kann, besteht aber auch eine gewisse Gefahr darin. Bei früheren Projekten passierte es mir zwischendurch, dass ich am späten Abend begann, mich vom Flow mitreißen ließ und erst aufhörte, als der Wecker klingelte. Ich hatte aus Versehen die Nacht durchgearbeitet und hatte keine Zeit mehr für den nötigen Schlaf. Eine so produktive Nacht kann viel bewirken, allerdings solltet ihr auch die Folgen bedenken. In meinem Fall war ich am nächsten Tag bei der Arbeit völlig übermüdet und performte mehr schlecht als recht. Zudem hatte ich am Abend keine Energie mehr, um mich wieder dem Projekt zu widmen und fiel direkt ins Bett. Ich hatte also einen ganzen Tag, an dem ich ausfiel, den ich andernfalls hätte produktiv nutzen können. Zudem ist es nicht gerade gesund eine ganze Nacht durchzuarbeiten. Auf lange Sicht werdet ihr mehr davon haben, wenn ihr zum nötigen Schlaf kommt.


Nutze deine Möglichkeiten

Damit kommen wir zum nächsten Punkt. Wir haben vorhin schon darüber gesprochen, flexible Arbeitszeiten zu nutzen und sich dem entsprechend zu organisieren. Neben der Arbeit hat man aber noch viele weitere Möglichkeiten, die man für sein Ziel nutzen kann. So können vermeintliche Nachteile auf einmal als Chance umgesetzt werden.

Ich leide an Schlafproblemen. Das heißt, ich habe Schwierigkeiten einzuschlafen und wälze mich gerne stundenlang im Bett. Dieser Umstand hat mich zeitweise fast wahnsinnig gemacht, da es ein unnötiger Zeitaufwand war. Ich habe aber auch festgestellt, dass ich am Nachmittag und frühen Abend sehr wohl einschlafen kann. Ich nutze nun also meine Einschlafstörungen so weit, dass ich regelmäßig nach Feierabend ein kurzes Nickerchen mache und abends länger an meinen Zielen arbeite. Auch wenn ich mitten in der Nacht aufwache und nicht mehr einschlafen kann, wird weitergearbeitet. So konnte ich aus meiner Störung einen Nutzen ziehen, den ihr nun vor euch seht. Es gibt auch andere körperliche und psychische Probleme, die so genutzt werden können. Ein Wutproblem kann in einer erschöpfenden Trainingseinheit enden. Melancholie kann zu einem herzerweichenden Gedicht führen und Liebeskummer zu verträumten Gemälden.

Emotionen sind generell ein guter Katalysator für die Produktivität. Man sagt nicht umsonst, die Liebe kann Berge versetzen. Es ist aber auch mit fast jeder anderen Gefühlslage möglich, diese gerichtet auf ein Ziel zu nutzen. Während meines Studiums habe ich zum Beispiel die Abneigung gegen mein Studienfach dazu genutzt, möglichst schnell meine Arbeiten zu schreiben. Neid gegenüber anderen Mitarbeitern haben mich zu einem der fachlich besten Mitarbeiter im Unternehmen werden lassen. Der Wunsch jemandem zu gefallen führte dazu, dass ich viel offener auf andere Menschen zugehen kann. Wenn wir also lernen, unsere Gefühle als Substitut für unsere Ziele zu nutzen, können wir ungeahnte Stärken freisetzen. Zudem hilft es in der Regel, damit umzugehen. Denn damit wir die darin gespeicherte Energie nutzen können, müssen wir uns zunächst mit unseren Gefühlen und der zu Grunde liegenden Problematik auseinandersetzen.

Es gibt aber auch noch schönere Möglichkeiten als die eigenen Probleme und Gefühle, die wir nutzen können. Wir alle haben ein soziales Netzwerk. In der heutigen Zeit von Social Media wahrscheinlich mehr denn je. Versucht, das darin gespeicherte Wissen und Knowhow zu nutzen. Egal, was ihr für ein Ziel habt, gibt es sicher jemanden, den ihr kennt, der euch zumindest teilweise dabei helfen kann. Als klassisches Beispiel kennt sicher jeder jemand, der schon seit längerem regelmäßig ins Fitnessstudio geht. Warum sollten wir ihn also nicht nach einem Trainingsplan und Ernährungstipps fragen? Genauso kennt wahrscheinlich jeder jemanden, der in finanziellen Fragen bewandert ist. Warum soll dieser uns nicht bei der Erstellung eines Budgets helfen? In meinem Fall kenne ich einige Menschen, die zum einen schon sehr viel gelesen haben und zum anderen im Rahmen ihres Studiums selbst längere Arbeiten geschrieben haben. Diese können mir doch sicher bei der Korrektur dieses Buches helfen, oder? Vielleicht geht es sogar soweit, dass einer meiner Bekannten im Verlagswesen oder bei einer Zeitung gearbeitet hat und mir dementsprechend Tipps zu Formulierungen geben kann.

Genau wie ihr hat jeder eurer Bekannten gewisse Fähigkeiten. Die einen haben sie scheinbar bei der Geburt geschenkt erhalten, andere haben sich diese Eigenschaften während ihrer Arbeit angeeignet. Auf jeden Fall besitzt ihr mit eurem sozialen Netzwerk einen wahren Schatz an Möglichkeiten, die ihr nutzen könnt. Die meisten werden euch mit Freuden Helfen. Immerhin ist eure Frage nach deren Hilfe das ultimative Kompliment für deren Fähigkeiten. Zudem freuen sich die meisten darüber, wenn sie ihr Wissen und vielleicht auch ihre Passion an andere weitergeben können. Aus unserer Sicht ist es natürlich ein schwerer Schritt, da wir uns zunächst den eigenen Schwächen bewusst sein müssen. Habt aber keine Angst vor dem Urteil der anderen. Niemand weiß so gut wie sie, dass diese Fähigkeiten nicht so leicht zu erreichen sind. Ein Bodybuilder weiß genau, wie viele Stunden er in seinen Körper investieren musste, um so auszusehen. Er erwartet nicht, dass ihr bereits nach der ersten halben Stunde sein ganzes Wissen besitzt.


Vergiss das Konzept von Arbeitszeiten

Wie im letzten Abschnitt bereits angesprochen, sollt ihr zu der Zeit arbeiten, zu der ihr am produktivsten seid. Deswegen ist es wichtig, dass ihr das Konzept von starren Arbeitszeiten, vor allem die berühmten nine-to-five vergesst. Auch das Wochenende könnt ihr getrost außer Acht lassen. Beides sind Konstrukte der Gesellschaft, die für euch und eure individuellen Ziele nur einen hindernden Rahmen bilden. Wer bereits Erfahrungen mit Selbstständigkeit oder einer Führungsposition gesammelt hat wird wissen, dass die Arbeit einfach getan werden muss. Wann das geschieht ist zweitrangig. Ähnlich verhält es sich auch mit unseren Zielen. Wir müssen unsere Tagesleistung erbringen. Wann wir das erledigen ist egal. Es interessiert auch nicht, welcher Wochentag ist oder ob in irgendeiner Religion irgendein Feiertag stattfindet. Wir arbeiten für uns und unsere Ziele und dafür brechen wir einige Regeln. In diesem Fall brechen wir mit den etablierten Arbeitszeiten und Ruhetagen. Das Schöne daran ist, dass wir uns auch eigene Regeln erschaffen können.

Ich habe mir immer gewünscht am Sonntag zu arbeiten. Die Vorteile liegen auf der Hand. Es gibt weniger Verkehr, man hat mehr ruhe, da keine lauten Arbeiten verrichtet werden und in der Arbeitswelt erhält man sogar einen gesetzlich vorgeschriebenen Zuschlag. Zudem kann man nicht so viel unternehmen, da viele Geschäfte geschlossen sind und die meisten einen Familientag halten. Bei meinen Zielen kann ich mir die Arbeit selbst einteilen. Da mir der Sonntag immer ziemlich langweilig vorkam, nutze ich diesen nun umso mehr. Ich kann in Ruhe arbeiten und verpasse nichts. Meine Opportunitätskosten, also die verpassten Gelegenheiten gehen Richtung Null. Dafür kann ich mir zum Beispiel am Freitag frei nehmen, wenn ich Einkaufen kann, meine Freunde Zeit haben und ich viel mehr Möglichkeiten habe.

Bei der Erstellung dieses E-Books habe ich mir für die geplanten zwei Wochen keinen wirklich freien Tag eingerichtet. Das funktioniert, weil ich weiß, dass ich 14 Tage durchgehend arbeiten kann, ohne auszubrennen. Wenn ihr jedoch nach drei Tagen eine Pause braucht, dann plant sie ein. Ihr habt die Möglichkeit dazu und könnt euch selbst organisieren. Solche pausen sind auch wichtig, damit ihr nicht auslaugt und am Ende gar nicht mehr arbeiten könnt. Plant sie aber so ein, wie sie für euch, eure Fähigkeiten und euer Vorhaben passen. Richtet euch nicht nach veralteten Formen, die auf Jahrhunderte alten Traditionen aufbauen und für alle passen sollen. Ihr seid individuell. Sowohl in euren Fähigkeiten als auch in euren Zielen, Ambitionen und Familiären Umständen. Schafft euch also selbst Rahmenbedingungen und arbeitet danach. Ihr seid selbst dafür verantwortlich, dass ihr die gesetzten Ziele erreicht, also müsst ihr auch die Verantwortung für eure Erholung übernehmen.

Ein Konzept, welches mich schon immer störte, war die sieben Tage Woche. Die Woche besitzt sieben Tage, weil die alten Römer, die dieses Konstrukt einführten, nur sieben Planeten kannten. Sie widmeten jeden Tag einem anderen Planeten. Nachdem sie durch waren, begannen sie von vorne. Hätten wir dieses Prinzip aktualisiert, hätten wir zeitweise neun Tage in einer Woche gehabt und nun, da Pluto kein Planet mehr ist, nur noch acht. Das verdeutlicht, wie willkürlich diese Regel ist und wie wenig Einfluss sie auf unser Handeln haben sollte. Richtet euch also nicht nach Wochentagen. Wochen sind immer noch eine gute Zeiteinheit, da wir durch das Aufwachsen in der Gesellschaft einen klaren Zeitraum damit assoziieren, der gut überschaubar ist. Deshalb habe ich mir auch zwei Wochen Zeit gegeben. Das heißt aber nicht, dass für mich am Montag andere Regeln gelten als am Sonntag.

Zuletzt möchte ich euch raten, für den Anfang ein ambitioniertes Ziel zu wählen, welches aber in relativ kurzer Zeit zu erreichen ist. Hier eignen sich Wochen sehr gut. Ich hätte mir auch vornehmen können einen Fantasy Epos mit über tausend Seiten zu schreiben. Dabei hätte ich bei gleicher Geschwindigkeit aber mindestens ein halbes Jahr einrechnen müssen. Ein halbes Jahr wiederum ist ein Zeitraum, der nicht realistisch geplant werden kann. Bei meinen zwei Wochen konnte ich im Vorfeld identifizieren, wo es zu Zeitproblemen kommen könnte und wo ich allenfalls Zeit für Erholung einrichten kann. Wenn ihr zu langfristig plant, erscheint das Ziel zudem zu weit entfernt, als dass ihr euch jeden Tag darauf einstellen könntet. Für das erste Ziel rate ich, maximal vier Wochen einzuplanen. Dieser Zeitraum reicht, um viel zu erreichen und festzustellen, wozu man fähig ist. Es ist aber auch so überschaubar, dass alles geplant und berücksichtigt werden kann. Wenn ihr nun aber doch ein so großes Projekt habt, teilt es euch in kleinere Zwischenziele ein. Bei einem solchen Epos könnten unterschiedliche Phasen der Geschichte als Ziel gesetzt werden. Nehmt euch Der Herr der Ringe als Vorbild. Dieser wurde auch in drei Teilen geschrieben, wobei jeder Teil zwei separate Bücher umfasste, obwohl es eine einzige Geschichte ist. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr bei den nächsten Zielen einen größeren Rahmen abstecken. Das hängt dann davon ab, wie eure Erfahrungen mit diesem Projekt ausgefallen sind. Um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, bedarf es einer entsprechenden Analyse. Ein mögliches Vorgehen dafür möchte ich euch im nächsten Kapitel vorstellen.

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