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Regeln Brechen - Disziplin und Motivation

Ihr habt euch nun ein entsprechendes Ziel gesetzt und brennt im Idealfall darauf, sogleich damit zu beginnen. Diese anfängliche Motivation wird mit der Zeit geringer werden. Man ist schlicht nicht jeden Tag in der Stimmung mehrere Stunden in ein Projekt zu investieren. Es gibt Tage, da läuft einfach nichts und an anderen hat man mit privaten und geschäftlichen Terminen so viel um die Ohren, dass man nicht weiß, wo man noch etwas Zeit hernehmen soll. In diesen Momenten ist es wichtig, sich gewisse Motivatoren zurecht zu legen und seine eigene Disziplin zu stählen.


Commitment

Der erste Schritt dafür ist, dass man sich das Projekt zum Zentrum macht. Man hat sich dazu entschlossen, dieses Ziel zu erreichen. Dem entsprechend muss es einen gewissen Wert besitzen. Als erstes ist es also wichtig, die Prioritäten richtig zu ordnen. Wenn man sich dazu bekennt, dass man Autor werden will, um ein Buch zu veröffentlichen, müssen andere Aspekte des Lebens weichen. In meinem Fall bedeutet das, dass meine Hobbys genau das bleiben: Hobbys zur Erholung. Das Schreiben, was bis anhin auch nur ein Hobby war, wird jedoch für den Zeitraum zu meinem Haupt oder Nebenberuf. Ich habe mir eine tägliche Arbeitslast aufgebürdet, die ich abzuarbeiten habe, bevor ich mich den restlichen Hobbys widmen kann. Ähnlich wie bei einer Arbeitsstelle, kann ich nicht einfach blau machen, nur weil ich gerade keine Lust habe. Wenn ich noch nicht meine dreitausend Wörter geschrieben habe, fasse ich die Fernbedienung nicht an. Netflix bleibt abgeschaltet und auch die Konsole setzt weiter staub an. Erst, wenn ich mein Tagesziel erreicht habe und Feierabend machen kann, habe ich Freizeit. Ihr habt euch dieses Ziel schließlich selbst ausgewählt. Ihr habt eure Gründe, weshalb ihr es erreichen wollt. Ihr seid also auch euer größtes Hindernis, wenn es um das Aufschieben geht.

Man schließt im weitesten Sinne einen Arbeitsvertrag mit sich selbst ab. Ähnlich wie in einem Arbeitsvertrag wird darin geregelt, was getan werden muss und wann die Arbeit erledigt sein muss. Für viele wird das nun kontraproduktiv erscheinen. Schließlich mögen sie ihre Arbeit nicht und es ist nur Mittel zum Zweck. Genauso verhält es sich auch bei einem solchen Ziel. Die tägliche Arbeitslast ist das Mittel, um den Zweck und damit das Ziel zu erreichen. Es ist natürlich von Vorteil, wenn die Tätigkeit Spaß macht. Allerdings hat man nicht immer dieselbe Lust. Ich wandere zum Beispiel gerne. Wenn es jedoch in Strömen regnet, will ich nicht unbedingt auf einen Berg. Wenn ich nun aber beruflich im freien unterwegs bin, darf mich das Wetter nicht stören. So verhält es sich auch hier. Ich schreibe gerne, aber es macht mir nicht an jedem Tag gleichviel Spaß. Wichtig ist dann jedoch, auch weiterzumachen, wenn man eigentlich keine Lust hat.

Um zu den Beispielen aus dem ersten Teil zurück zu finden lässt sich das auch auf die finanzielle Lage und die eigene Gesundheit anwenden. Vielleicht habt ihr gerade einen neuen Monitor gesehen, der sich perfekt in eurem Arbeitszimmer machen würde. Allerdings kostet er eine ganze Stange Geld, die ihr auch sparen könntet. Schließlich funktioniert der alte Monitor noch und ihr seid nicht davon abhängig. Ein anderes Beispiel wären Ferien. Natürlich sind Strandferien auf einer indonesischen Trauminsel schön. Allerdings kostet es einiges, um auf die andere Seite des Planeten zu kommen. Wäre es da nicht sinnvoller, wenn die Ferien zum halben Preis am Mittelmeer verbracht werden? Würde die Welt untergehen, wenn es zum Weihnachtsessen anstelle von Entenbrust einen Schweinebraten gibt? Es ist nicht das Ziel auf alles zu verzichten. Das Ziel ist, die Finanzen so im Griff zu haben, dass die gesetzten 100'000. in den geplanten drei Jahren erspart werden können.

Um Abzunehmen ist es wichtig, dass regelmäßig trainiert wird. Was machen wir aber, wenn wir vom letzten Mal noch Muskelkater haben? Ganz einfach: fragt euren Fitnesstrainer oder einen Angestellten im Studio, welche Übungen ihr machen könnt. Es gibt immer irgendwelche Trainingseinheiten, die weniger beanspruchte Muskeln ansprechen. So könnt ihr euer Tagesziel erreichen, ohne eure Gesundheit zu gefährden. Wenn ihr im freien Joggen wollt, es aber in Strömen regnet hilft eine Regenjacke. Wenn ihr keine Zeit habt, lassen sich intensive Workouts auch in sehr kurzer Zeit mit den richtigen Intervallen umsetzen. Auf der anderen Seite wäre eine Cola zum Mittagessen sicher etwas Feines. Ihr habt euch aber zum Zielgesetzt, keine Softdrinks mehr zu genießen. Was gibt es für Alternativen? Bestellt euch einen Tee. Dieser ist nicht nur ohne Zucker, sondern kann auch gleich euren Stoffwechsel unterstützen. Es gibt wirklich leckere Teesorten, wenn man sich einmal traut von den bekannten Farben und Kräutern abzuweichen.

Wichtig ist dabei, dass ihr euch nicht in Ausreden verliert. Hier greift das Sprichwort: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Natürlich gibt es einige limitierenden Faktoren, die die Planung beeinträchtigen können. So lässt sich mit einer Lungenentzündung nicht auf einen Marathon trainieren. Das müsste dann aber bei der abschließenden Evaluation der Zielerreichung beachtet werden. Ich hatte im Laufe dieses Projektes auch ein Tag, an dem ich die geforderten Wörter nicht schreiben konnte. In meinem Fall war ich den ganzen Tag unterwegs und musste an einer Beerdigung teilnehmen. Für mich bedeutete das einfach, dass ich am Tag davor die doppelte Menge schreiben muss. Auch hier gilt wieder: Ist es realisierbar? Mit ausreichendem Pflichtgefühl schon. Wird es angenehm? Ich hätte kotzen können.

Brecht auf keinen Fall wegen solchen Schwierigkeiten euer Vorhaben ab, denn dadurch würde die Hemmschwelle praktisch auf null sinken, beim nächsten Mal bei noch geringeren Widrigkeiten abzubrechen. Vorausgesetzt ihr könnt überhaupt nochmals die Motivation aufbringen, um einen zweiten Versuch zu starten. Zudem gehören solche schweren Tage dazu und sorgen dafür, dass ihr auch wirklich an eure Grenzen gelangt. Am Ende werdet ihr dadurch nur noch besser und ihr habt einen Grund mehr stolz auf euch zu sein.


Die schlimmstmöglichen Folgen

Ein weiterer Faktor, der mich immer wieder motiviert, ist das schlimmstmögliche Ende. Bei der Zieldefinition haben wir im abschließenden Satz aufgeführt, was der größte Motivator für das Vorhaben ist. In meinem Fall, ein E-Book unter meinem Namen zu veröffentlichen. Was aber mindestens genau so wirkungsvoll ist, ist die Vorstellung vom Negativen. Wir brechen also eine weitere Regel. Anstelle von den positiven Dingen, die uns dieses Ziel einbringt, machen wir genau das Gegenteilige. Was würde passieren, wenn ich das Ziel nicht erreiche oder gar nicht erst in Angriff nehme? Ähnlich wie bei den Motivatoren kommen hier sehr unterschiedliche und stark subjektive Punkte zum Tragen. Ich empfehle jedem, sich einmal eine halbe Stunde Zeit zu nehmen und ein Horrorszenario zu gestalten. Geht dabei wirklich vom aller schlimmsten aus und beschönigt nichts.

Bei meinem Vorhaben ist schon einmal offensichtlich, dass ich dann niemals ein Autor sein würde. Ich würde niemals ein von mir geschriebenes Buch lesen oder es jemandem geben können. Ich würde mir bis an mein Lebensende vorwerfen, dass ich doch eigentlich ein Buch hätte schreiben wollen und es doch nicht getan habe. Zudem würden mir sämtliche Einnahmen, die das E-Book eingebracht hätte, durch die Lappen gehen. Wenn es auch nur ein dreistelliger Betrag ist, wären das einige schöne Kinobesuche oder Essen mit Freunden. Unter Umständen auch eine zusätzliche Wochen Ferien oder, wenn es ganz erfolgreich wird, mein Lebensunterhalt. Ich wäre also weiterhin auf den Lohn meines Arbeitgebers angewiesen und wäre machtlos seinen Sparmaßnahmen und dem Lohndumping ausgesetzt. Zudem hätte ich keinen Ort, wo ich meine Ideen platzieren und veröffentlichen könnte. Ich könnte sie nicht verbreiten und damit anderen helfen. Ich würde bis an mein Lebensende an ein durchschnittliches Leben gebunden sein.

Bei der Altersvorsorge lässt sich ein noch düsteres Bild zeichnen. Hier gehen wir davon aus, dass bis zur Rente alle staatlichen Organisationen zur Altersvorsorge gescheitert sind. Jeder hat also nur das, was er sich erspart hat. Ohne das angestrebte Polster wäre man also dazu verdammt, bis zum Tod zu arbeiten, oder seinen Kindern und Enkeln auf der Tasche zu liegen. Man müsste sein gesamtes Eigentum verkaufen, um überhaupt etwas zu Essen zu haben und an Pension und die damit verbundene Ruhe wäre nicht zu denken. Schlussendlich würde man früher sterben, da die andauernde Belastung im Alter das Herz angreifen würde und man schlussendlich wegen den ganzen Sorgen einen Herzinfarkt hat. Eine ziemlich unschöne Vorstellung, die den Verzicht für die nächsten drei Jahre durchaus ertragbar erscheinen lässt.

Ähnlich makaber lässt sich die Gesundheit beschreiben. Wenn man nicht abnimmt und weiterhin gesüßtes Wasser in sich hineinschüttet, wird man nicht abnehmen, sondern nur noch mehr zunehmen. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo es Gelenksprobleme und Abnutzungserscheinungen gibt. Schlussendlich landet man in einem Rollstuhl, da man nicht mehr selbstständig gehen kann. Zu allem Überfluss hat man auch noch Diabetes erhalten und muss nun regelmäßig zum Arzt, um den Blutzucker zu überprüfen und sich entsprechende Medikamente holen. Schlussendlich endet man auch hier mit einem Herzinfarkt, da das verfettete Herz nicht mehr mitkommt und den Dienst quittiert. Auf dem Weg dahin ist man jedoch von allerhand Menschen abhängig, die den Haushalt erledigen, für einen Einkaufen und vielleicht sogar waschen. Definitiv kein würdiges Ende für einen so ambitionierten Menschen, der mit diesem Ziel alles hätte zum Besseren wenden können.

Niemand malt sich gerne eine solche Zukunft aus. Dennoch kann es durchaus Realität werden. Ein Ziel setzt man sich unter anderem deshalb, weil man mit einer Situation unzufrieden ist oder etwas erreichen möchte. Wenn wir jedoch gar nicht auf die Idee kommen, etwas zu ändern und einfach weiter machen, wird es nur noch schlimmer. Manchmal hilft eine solche Vorstellung auch überhaupt den Anstoß für ein Ziel zu geben. Wenn ihr also dieses Buch lest und noch nicht wisst, was euer nächstes Projekt sein soll, oder ihr gerade ein Ziel abgeschlossen habt, stellt euch die schlimmste Zukunftsversion vor. Versucht dann herauszufinden, wie ihr dieses Szenario verhindern könnt und stellt euch ein entsprechendes Ziel. Falls es mit einem Ziel nicht zu erreichen ist, teilt es euch in mehrere Teilschritte auf und arbeitete diese ab. Ihr könnt dadurch nur gewinnen. Stellt euch euren größten Ängsten und unternehmt aktiv etwas dagegen.


Freunde und Familie als externe Faktoren

Die eigenen Gründe für eine Veränderung sind wichtig, damit wir überhaupt ein entsprechendes Ziel ins Auge fassen. Allerdings kommen diese Motivatoren von innen. Die innere Stimme kann aber durchaus einmal genau das Gegenteilige behaupten und die sorgfältig zurecht gelegten Argumente übertönen. In diesem Fall kann es sinnvoll sein Freunde und Familie in das eigene Vorhaben einzuweihen und als Coaches zu nutzen. Hier muss jedoch im Vorfeld festgestellt werden, welche Personen wirklich eine Unterstützung sind und wer eher die eigene Faulheit unterstützt. Es gibt hier zum einen die Gruppe, welche einen Antreibt und dazu motiviert noch mehr zu leisten und seine eigenen Ziele zu übertreffen. Leider gibt es aber auch die andere Gruppe, die nach meiner Erfahrung zu allem Übel auch noch zahlreicher ist.

Diese kommt dann mit Sätzen wie: Du hast ja gestern schon so viel gemacht, da kannst du dir einen Tag frei nehmen. Oder: Heute ist Samstag. Da solltest du nicht arbeiten, sondern etwas entspannen. Es ist vielleicht richtig, dass Entspannung eingeplant werden muss. Allerdings ist das Schlüsselwort hier geplant. Wenn wir beginnen, alles auf morgen zu verschieben, haben wir irgendwann dasselbe Problem, wie wenn die Deadline nach Lust und Laune nach hinten verschoben wird. Man kann diese Art von Menschen nutzen, indem man immer das Gegenteil von dem macht, was sie einem raten. In der Regel sind es nämlich genau so durchschnittliche Personen, die ihr eigenes Potential nicht kennen und dem entsprechend nicht ausnutzen. Falls ihr kraft und Motivation habt, könnt ihr diese vielleicht versuchen zu inspirieren. Zum Beispiel, indem ihr ihnen dieses Buch zu lesen gebt. Das wichtigste ist jedoch, dass wir uns nicht von ihnen zurück auf die Couch und damit in ein Leben in Mittelmäßigkeit verleiten lassen.

Die wesentlich wichtigere Gruppe sind jene Menschen, die einem erbarmungslos in den Hintern treten, wenn man selbst zweifelt. Das sind die Menschen, die dafür sorgen, dass du dich schlecht fühlst, wenn du nicht produktiv wirst. Solche Menschen haben erkannt, was ein solches Ziel bewirken kann. Sie wissen, wie wichtig die Erreichung für dich ist und wie sehr du dich damit weiterentwickeln kannst. Sie werden also immer hinter dir stehen und dich antreiben. Wenn dich die eigene Faulheit überrascht, zeigen sie dir die Folgen. Wenn du dich in Ausreden flüchtest, entkräftigen sie deine Argumente. Das wirkt auf den ersten Blick unbarmherzig. Allerdings sind das auch die Menschen, die dafür sorgen, dass du regelmäßig deine Tagesziele übertriffst. Wenn sie merken, dass du in einer produktiven Phase bist, wo dir alles nur so zugeflogen kommt, motivieren sie dich dran zu bleiben. Sie sorgen dafür, dass du am Ende des Tages für deine geleistete Arbeit Wertschätzung erfährst. Sie gratulieren dir zu deinem Erfolg und sorgen für das nötige Glücksgefühl nach dem Erreichen eines Meilensteins. Das sind dann auch die Menschen, mit denen du den Abschluss deines Ziels feierst und die sich aus tiefstem Herzen für dich freuen.

Der Umgang mit Menschen ist in der Gesellschaft unumgänglich. Es ist jedoch ein Fehler, jedem seine Pläne auf die Nase zu binden. Holt euch diese Personen ins Boot, die euch motivieren und schweigt gegenüber allen, die euch aufhalten könnten. Diese werden dann umso überraschter sein, wenn sie das Ergebnis sehen und sich ebenfalls mit euch freuen. Prinzipiell würde ich empfehlen, größere Projekte in scheinbarer Heimlichkeit zu verrichten. Es gibt das Phänomen, wobei sich das Sprechen über ein geplantes Projekt bereits nach Arbeit anfühlt. Das kennt man vor allem von den Menschen, die immer große Pläne haben, sie aber nie umsetzen. Diese erzählen es jedem, der es hören will. Im Gehirn wird das dann irgendwann so abgespeichert, dass man bereits einiges für die Erreichung des Ziels getan hat. In der Realität hat man jedoch nur über seine Pläne gesprochen und man ist immer noch am selben Punkt wie am Tag davor. Umgeht diese Problematik, indem ihr nur mit ausgewählten Menschen darüber sprecht. Sorgt aber dafür, dass diese handverlesenen Personen regelmäßig auf dem Laufenden gehalten werden, damit sie euch weiter motivieren und anspornen können. In meinem Fall wusste die längste Zeit nur eine einzige Person von meinem Plan ein Buch zu schreiben. Erst, als es an die Überarbeitung ging, weihte ich eine zweite Person ein. Das vor allem, da ich ihre Meinung in dieser Sache sehr schätze und gerne ein Feedback hätte. Es mag zunächst etwas hinterlistig und unehrlich erscheinen, da ich erst auf sie zu ging, als ich sie brauchte. Sie hatte sich aber trotzdem gefreut und es überhaupt nicht persönlich genommen. Sie war sogar überrascht über meine Leistung und spornte mich weiter an.


Spaß ist gut, Routine ist besser

Für den Fall, dass sämtliche Motivatoren versagen und wir schlicht keine Lust haben, an unserem Projekt zu arbeiten, muss die Disziplin greifen. Hiermit brechen wir noch eine weitere Regel, die in den letzten Jahren immer größere Beliebtheit in der Gesellschaft gefunden hat. Der Volksmund ist der Meinung, wenn du dir einen Job suchst, der dir Spaß macht, wirst du keinen Tag in deinem Leben arbeiten müssen. Sicher ist es von Vorteil, wenn man Spaß dabei hat. Es gibt aber in jedem Bereich Dinge, die man nicht gerne macht. Der Schlüssel zum Erfolg ist hierbei trotzdem seine Arbeit zu erledigen. Eine Möglichkeit dazu ist, sich Routinen einzurichten.

Bei der Erstellung dieses Buches habe ich mein großes Ziel in einzelne Tage gegliedert. Diese habe ich gleichmäßig verteilt und mir so eine tägliche Arbeit gesetzt. Tatsächlich habe ich mir täglich dreitausend Wörter abverlangt. Egal ob ich Lust hatte oder nicht. Es war nicht relevant, ob ich inspiriert war oder gut geschlafen habe. Ich wusste, ich muss diese Anzahl an Wörter schreiben, sonst erreiche ich mein Tagesziel und damit auch mein Endziel nicht. Es gab Tage, da war ich motiviert und inspiriert. Dann ging es schneller und ich schrieb auch gerne einige hundert Wörter mehr. Es gab aber auch Tage, an denen fühlte ich mich elend und ich wollte einfach nicht mehr. Trotzdem habe ich zumindest die dreitausend vollgemacht und mich im Anschluss sogar darüber gefreut. Wichtig war für mich, dass ich keine Zeitspanne definierte, sondern eine Wortanzahl hatte. Das motivierte mich an den schlechten Tagen möglichst schnell zu arbeiten, damit ich es hinter mir hatte. An den guten Tagen hatte ich nach dem Erreichen des Ziels mehr Freizeit. In beiden Fällen brachte es mir auf jeden Fall mehr, als wenn ich gesagt hätte, ich investiere täglich zwei Stunden.

Bei den Sparzielen machen tagesziele nicht viel Sinn. Besser wäre es da, einen bestimmten Betrag pro Monat zu definieren, der auf die Seite gelegt wird. Alternativ kann man auch ein maximum an Ausgaben definieren, welches nicht überschritten werden darf. Hier wird es sicher zwischendurch die Versuchung geben, mehr auszugeben. Wenn man seinen Lebensstil jedoch einmal auf eine geringere Summe eingestellt hat, fällt es wesentlich leichter auf etwas zu verzichten. Also hilft auch hier ein genauer Plan dessen, was man jeden Monat erreichen muss, um sein Ziel in der gesetzten Frist zu erreichen.

Um schließlich abzunehmen, kann man sich wieder einzelne Tagesziele in Kombination mit Wochenzielen setzen. Es bringt nichts täglich auf die Waage zu stehen. Man kann aber seinen Trainingsplan entsprechend gestalten und seine Mahlzeiten planen. Beides hat einen Einfluss auf die Zielerreichung. Kombiniert man nun dies mit dem Wochenziel, dass jede Woche ein bestimmtes Gewicht erreicht werden muss, gibt das bereits erstes Feedback, ob man auf dem richtigen Weg ist. Hat man mehr abgenommen, kann man sich freuen oder die Diät ein wenig sanfter angehen lassen. Wenn man das Ziel nicht erreicht hat weiß man, dass man in der nächsten Woche härter Trainieren muss, oder die Menge an Salatsoße zu reduzieren ist. Es wird auf jeden Fall die ganze Woche geplant und das Ergebnis kann dann als weitere Motivation herangezogen werden. Es fällt sicher leichter auf den Schokopudding zu verzichten, wenn bereits im Vorfeld bekannt ist, was heute gegessen wird.

So geschaffenen Routinen sorgen dafür, dass es nicht mehr immer eine bewusste Entscheidung ist, an seinen Zielen zu arbeiten. Ich war am Ende meiner zwei Wochen sogar so weit, dass ich das Gefühl hatte, etwas vergessen zu haben. Einfach weil eine Gewohnheit entstand, wo ich täglich eine gewisse Zeit in die Tasten haute. Die Aufteilung in kleinere Tagesziele ist zudem noch weiter motivierend, wenn die einzelnen Ziele übertroffen werden. Zu Beginn dieses Kapitels habe ich erwähnt, dass ich an einem Tag die doppelte Menge leisten musste, da ich am nächsten Tag nicht dazu gekommen wäre. Ich habe es durchgezogen und das Ziel der Doppelschicht erreicht. Nachdem ich an diesem Tag Feierabend machte fühlte ich mich großartig. Ich war von meiner eigenen Leistung beeindruckt und war mir sicher, dass ich das Ziel erreichen werde. Schließlich hatte ich es geschafft, mehr als das Doppelte meines ambitionierten Ziels zu erreichen. Ich musste also nur weitermachen.

Dieses Erfolgserlebnis wünsche ich jedem. Jeder soll einmal von sich selbst überrascht werden und merken, wozu er eigentlich fähig ist.

Als letzten Punkt möchte ich noch anmerken, dass es immer besser ist vorzuarbeiten. In meinem Beispiel habe ich eine Doppelschicht eingelegt. Es ließe sich aber auch auf zwei oder drei Tage davor verteilen. Widersteht der Versuchung es im Nachhinein nachzuholen. Der Grund dafür liegt wieder in der Deadline. Wenn ihr es verholt, bildet der eine Tag eine Deadline, die nicht verschoben werden kann. Ihr habt also einen fixen Termin, zudem ihr die Arbeit geleistet haben müsst. Wenn ihr es nachholt, besteht dieser Termin auch, ist aber mit dem Ende des Projekts identisch. Die Versuchung ist dann groß, es auf den letzten Drücker am letzten Tag noch nachzuholen. Bei größeren Projekten kann so am Ende auf einmal ein Riesenberg an Arbeit anstehen, da immer alles nach hinten verschoben wird. Wenn ihr nur diese eine Aufgabe schon vorher erledigt und nicht nach hinten stellt, wird dieser Berg bereits ein gutes Stück kleiner.

Wir sind nun also soweit, dass wir das Ziel klar vor Augen haben. Wir wissen genau, wann wir es erreichen wollen und was wir dafür tun müssen. Wir sind davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein und können es kaum erwarten zu beginnen. Zudem haben wir einige Menschen eingeweiht, die uns bei diesem Vorhaben unterstützen und der Weg ist frei. Wann sollen wir es also Umsetzen? Um diese Frage dreht sich das nächste Kapitel.

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