• Sinnlosoph

Regeln Brechen - Rückblick

Ihr habt nun das Rüstzeug erhalten, um ein Ziel zu definieren. Die Planung wurde festgehalten, einzelne Tagesziele definiert und ihr habt die perfekte Zeit zum Arbeiten gefunden. Nach der gesetzten Frist habt ihr nun etwas in der Hand, was im Idealfall mit dem gesetzten Ziel übereinstimmt. Ich gratuliere euch an dieser Stelle für das Durchhaltevermögen und frage gleichzeitig, was als nächstes kommt. Um das zu erfahren, müssen wir zunächst reflektieren, was bei diesem Vorhaben alles geklappt hat, was nicht funktionierte, was wir hätten besser machen können und wie wir das nächste Mal an eine solche Aufgabe gehen.


Wurde das Ziel erreicht

Die wohl wichtigste Frage von allen. Ist das Ergebnis das, was wir uns vorgestellt haben? Haben wir unser Ziel erreicht? Haben wir jeden Tag das volle Potential ausgeschöpft? Wenn ihr bei der Zieldefinition darauf geachtet habt, einen klaren Messwert zu definieren, fällt dieser Schritt ziemlich leicht aus. Sind die zwanzig tausend Wörter geschrieben? Habe ich 100'000. auf dem Konto? Habe ich die zehn Kilogramm abgenommen? Absolute Werte, die klar bestimmt werden können. Diese Bestimmung erfolgt direkt nach Ablaufen der Zeit. Wir haben uns die entsprechende Frist als Deadline gesetzt und zu diesem Zeitpunkt wird eine Bestandes Erhebung vorgenommen. Dabei gibt es nur zwei mögliche Antworten: Ja, ich habe es erreicht und Nein, ich habe es nicht erreicht. Belügt euch nicht selbst, indem ihr euch mit irgendwelchen Prozentzahlen ein gutes Gefühl einredet. Zu diesem Zeitpunkt werden keine Rechtfertigungen ausgesprochen, sondern lediglich die Fakten geprüft.

Es wird den einen oder anderen hart treffen, sich eingestehen zu müssen, dass das Ziel nicht erreicht wurde. Diese Einsicht ist jedoch genau so wichtig, wie das Erreichen des Ziels selbst. Es bietet die Grundlage, um in den nächsten Schritt die Ursachen zu finden und für das nächste Mal zu wachsen. Scheut also nicht davor zurück gnadenlos ehrlich zu euch zu sein. Wenn ihr das nicht könnt, lasst euch von einem eurer Freunde beurteilen, die euch während des Prozesses motiviert haben. Ein wahrer Freund wird nicht weniger von euch erwarten, als dass ihr eure Ziele erreicht. Wichtig ist auch hier, dass es auf keinen Fall wertend ist.

Wenn wir uns an das erste Kapitel erinnern, wurde folgendes festgehalten: Wenn alle Ziele erreicht sind, waren sie zu tief angesetzt. Das allein sollte euch klar machen, dass ein voller Erfolg und die Erreichung aller Ziele genauso gut oder schlecht sind, wie wenn sie nicht erreicht wurden. Hier geht es nicht darum, fehlerfrei alles zu erreichen. Es geht darum, sich selbst herauszufordern und zu wachsen. Egal, wie das Urteil ausfällt, ob ihr das Ziel erreicht habt oder nicht, habt ihr etwas geschaffen, das zuvor noch nicht existierte. Ihr habt also mehr geleistet als die neunzig Prozent der Bevölkerung, die sich an die Norm hält und immer nur das macht, was in ihrer Komfortzone liegt.

Was verlief gut

Nachdem wir nun festgehalten haben, ob das Ziel insgesamt erreicht wurde, können wir uns um die Einzelheiten kümmern. Ein weiterer Punkt, wo sich ein kurzer Zeitraum auszahlt. Bei längeren Projekten müsste entweder eine Zwischenevaluation vorgenommen werden, oder die wichtigsten Punkte notiert werden. Andernfalls wird es kaum zu einer aussagekräftigen Antwort führen. Die Gefahr besteht, dass nach einer gewissen Zeit wichtige Punkte vergessen werden, oder im Rückblick besser dargestellt werden, als sie eigentlich waren.

An diesem Punkt lassen sich die einzelnen Tagesziele sehr gut einbringen. Ich habe mir bei der Erstellung jeden Tag notiert, wie viele Wörter ich geschrieben habe. Daraus berechnete ich den Durchschnitt und sah dann ziemlich schnell, an welchen Tagen es gut lief und an welchen weniger. Anschließend habe ich mir Gedanken gemacht, was an den guten Tagen vorgefallen war, dass es so leicht von der Hand ging. Das können Kleinigkeiten wie ein gutes Frühstück, schönes Wetter oder ein Anruf von einem guten Freund sein. Es kann aber auch weitreichendere Ursachen haben. Meine Produktivsten Tage waren ganz zu Beginn und am Ende. Anfangs war ich äußerst motiviert und konnte es kaum abwarten. Am Ende habe ich mich auf das Ergebnis gefreut und wollte es so schnell wie möglich beenden, damit ich es so bald wie möglich mit der Welt teilen kann.

Ein Weiterer Punkt, der mir im Vorfeld nicht bewusst war, ist, dass ich am besten Arbeite, wenn ich meine Tagesleistung am Stück abarbeite. Es kam oft vor, dass ich mich mit einer Tasse Kaffee hinsetzte und loslegte. Nur um dann zwei Stunden später aufzustehen, die effektiv geschriebenen Wörter zu notieren und den mittlerweile kalten aber noch vollen Kaffee hinunter zu spülen. Dabei kam es mir vor, als wäre nur eine Viertelstunde vergangen. Diese Tage, an denen ich den Flow voll und ganz nutzen konnte, gaben Aufschluss darüber, welche Bedingungen herrschen müssen, um diesen Zustand zu erreichen.

Um die anderen Beispiele wieder aufzugreifen, kann bei den Finanzen am Ende jedes Monats ein Kassensturz vorgenommen werden. Dabei analysieren wir, wohin das Geld floss und wie viel wir effektiv gespart haben. Wenn wir nun feststellen, dass im Dezember mehr Geld als geplant übrigblieb, können wir überlegen, woran das gelegen hat. Vielleicht vielen die Weihnachtsgeschenke günstiger aus. Womöglich erhielt man für seine außerordentliche Arbeit einen Bonus. Vielleicht hat die Verwandtschaft aber auch von deinem Vorhaben erfahren und dir vor allem Bargeld geschenkt, so dass du alles in allem im Plus liegst.

Beim Gesundheitsziel können wir festhalten, wie leicht es uns fiel, auf Softdrinks zu verzichten und dafür Sport zu treiben. An welches Tagen haben wir womöglich noch eine Extrarunde gedreht oder eine zusätzliche Kardioeinheit eingelegt? Woran lag das? Vielleicht war das Wetter schön, wir sind am Vorabend früher ins Bett oder auf dem Speiseplan stand ein Gericht, auf das man richtig Lust hatte.

All diese Punkte können helfen, wenn es das nächste Mal darum geht, ein ähnliches Ziel zu erreichen. Zudem zeigt sich über einen längeren Zeitraum klarer, wann die produktivste Zeit wirklich liegt und welche Umstände man schaffen muss, um richtig in Fahrt zu kommen. Wichtig ist auch hier, dass ihr ehrlich zu euch seid und weder etwas beschönigt noch unter den Tisch kehrt. Diese Informationen helfen euch schließlich dabei, euch zu verbessern und es angenehmer zu machen. Ihr würdet euch also am Ende nur selbst sabotieren.


Was verlief schlecht

Wo es etwas Positives gibt, muss es zwangsläufig auch negative Seiten geben. Genauso wichtig, wie die produktiven Aspekte zu vermerken ist es, die Hindernisse zu identifizieren. Dieser Punkt ist wahrscheinlich für viele wichtiger. Hier zeigt sich, was man ändern muss, um nicht aufgehalten zu werden. In einer perfekten Welt würden wir alle positiven Punkte aus dem letzten Abschnitt verstärken und die negativen Punkte eliminieren. Das sollte das Ziel sein. Denn so könnten wir die ohnehin schon ambitionierten Ziele verdoppelt, verdreifachen oder sogar vervierfachen.

In meinem Fall war stellte ich die größten Hindernisse während meiner Doppelschicht vor der Beerdigung fest. Zum einen wurde ich nach einiger gewissen Zeit von meinen Katzen eingenommen, was eine Pause nötig machte. Das riss mich aus der Arbeit, wo ich nur schwer wieder hineinfand. Ein weiterer Punkt, den ich feststellte, war die Beleuchtung. Die normale Lampe in meinem Arbeitszimmer wurde in Kombination mit dem Monitor auf die Dauer zu hell. Diesen Umstand habe ich dann am folgenden Tag direkt behoben, indem ich mir eine kleine Schreibtischlampe kaufte, die nun weiches, indirektes Licht spendet. Zu guter Letzt habe ich im Verlauf der zwei Wochen festgestellt, dass sich zu wenig Schlaf sehr schnell auf die Performance auswirkt. Die zusätzliche Arbeit, die mir dieses Buch bescherte, forderte im Schnitt auch eine zusätzliche Stunde schlaf, um das Optimum heraus zu holen.

Im Finanziellen lassen sich die größten Ausgaben schnell mit der Ausgabenübersicht erfassen. Waren hier ungeplante Ausgaben nötig wie Arztrechnungen oder Versicherungsprämien? Womöglich war die vorgängige Kalkulation auch unzureichend und man hatte einen wesentlichen Punkt übersehen. Vielleicht stellte man fest, dass die Vorstellungen des Partners in Bezug auf die Feriendestination doch etwas anspruchsvoller sind und sich nicht ganz damit verbinden lassen. Auch hier können unterschiedliche Faktoren zum Tragen kommen, die man im Anschluss berücksichtigen muss. Vielleicht können nicht alle Probleme behoben werden, aber sie können zumindest einkalkuliert werden.

Beim Sport lässt sich ebenfalls einiges festhalten. War zum Beispiel der Muskelkater so stark, dass es nicht besser ging? War das Essen mehr eine Qual als eine Belohnung? Gab es eine Sportart, die man überhaupt nicht mochte? Zu welchen Gelegenheiten konnte man einfach nicht auf seine Cola verzichten? Vielleicht gab es auch eine bestimmte Person im Fitnesscenter, die für ein unangenehmes Gefühl sorgte. Gerade bei Frauen, die dann schamlos beobachtet werden, kann es sehr an der Motivation nagen. Hier wäre der Wechsel in ein anderes Studio vielleicht angebracht?

Auch hier ist das oberste Gebot, ehrlich zu sich zu sein. Die Feststellungen, die ihr hier macht, sind auf keine Weise wertend. Es sind einfache Feststellungen, Fakten. Einige davon werdet ihr nicht ändern können. Andere müssen auf kreative Weise angegangen werden, um sie so erträglich wie möglich zu gestalten. Wieder andere sind einfach zu lösen, wie mein Problem mit der Beleuchtung. Gerade wenn es das erste Mal ist, dass ihr ein derartiges Ziel in Angriff nehmt und davor nur oberflächliches Wissen von der Thematik hattet, werden euch diese Punkte extrem weiterhelfen.


Welche Lehre können wir daraus ziehen

Der letzte Punkt der Reflexion ist meist auch der schwierigste. Was können wir unternehmen, damit es das nächste Mal besser wird. Hierfür benötigen wir die Informationen aus allen drei vorangegangen Schritten. Auch hier verzichten wir auf eine Wertung und Rechtfertigung, sondern konzentrieren uns auf die Fakten. Idealerweise formuliert man wieder einen prägnanten Satz, der die Erkenntnisse zusammenfasst. Dieser prägt sich leichter ein, als wenn wir eine Liste mit Stichworten erstellen, die wir jedes Mal herunterbeten müssen. Mit diesem Satz im Hinterkopf können wir uns dann an das nächste Ziel machen und von vornherein schon gewisse Vorkehrungen treffen, um noch besser zu werden. Hier mögliche Abschlusssätze für die drei Beispiele:

Obwohl ich mein Ziel erreicht habe, werde ich das nächste Mal mehr Zeit für die Erholung einplanen und die Tagesziele so setzen, dass ich sie am Stück abarbeiten kann.

Da ich mein Ziel nicht erreicht habe, werde ich in Zukunft die Ausgaben für die Steuern einkalkulieren, die geplanten Ferien besser mit meinem Partner absprechen und meine Verwandten weiterhin um Bargeldgeschenke bitten.

Ich habe mein Ziel erreicht, deshalb werde ich weiterhin im Wald joggen gehen, dafür streiche ich Rosenkohl von meinem Einkaufszettel und wechsle zu einem anderen Fitnessstudio.

Versucht die wichtigsten Punkte aus eurer Analyse festzuhalten. Im Zweifelsfall beschränkt ihr euch lieber auf zwei bis drei Punkte, die ihr verhindern oder ausbauen wollt. Wenn es mehr Punkte gibt, könnt ihr diese immer noch in einer Liste festhalten. Wenn der Satz jedoch zu lange wird, wird eure Konzentration zu sehr aufgeteilt, so dass ihr keinen der Ansätze wirklich verfolgen könnt. Hier sind kleine Schritte besser als alles auf einmal erledigen zu wollen.


Feiere deine Fehlschläge

Nach dieser Analyse und Reflexion der vergangenen Wochen kommt die letzte Regel, die wir brechen. In der heutigen Gesellschaft werden nur schöne Dinge gefeiert. Früher war es jedoch auch üblich negative Ereignisse zu feiern. So wurde der Tod eines Herrschers in vielen Zivilisationen mit einem Fest geehrt, wo die Bevölkerung lacht, tanzen und trinken konnte. Diese Mentalität müssen wir zurückholen. Feiert also nicht nur, wenn ihr das Ziel erreicht habt. Feiert auch, wenn ihr daran vorbeigeschossen habt. Es gibt keinen Grund niedergeschlagen zu sein, denn ihr habt etwas geleistet, worauf ihr stolz sein könnt. Gerade, wenn ihr euer Ziel nicht erreicht habt, könnt ihr sagen, dass ihr an eure Grenzen gegangen seid. Wenn ihr es erreicht habt, feiert, dass ihr zu noch viel mehr fähig seid. Feiert, dass ihr etwas vollbracht habt, wovon ihr vor kurzem nicht geglaubt habt, dass ihr es könnt. Beglückwünscht euch, dass ihr den Mut aufgebracht habt, endlich etwas anzugehen und das Ganze durchgezogen habt.

Ihr habt im Verlauf dieser Wochen nicht nur etwas geschaffen, was ihr vorher noch nicht hattet. Ihr seid auch an der Aufgabe und der damit verbundenen Herausforderung gewachsen. Ihr habt euch weiterentwickelt, euch mit euren besten und schlechtesten Seiten auseinandergesetzt und könnt nun besser auf die Aufgaben der Zukunft eingehen. Ihr habt ein Gespür dafür erhalten, was möglich ist. Vielleicht seid ihr bereits wieder hoch motiviert, um den soeben aufgestellten Rekord zu übertreffen. Lasst euch hinreißen und genießt den Erfolg. Auch wenn das Ziel noch nicht endgültig abgehackt werden konnte, habt ihr mehr geleistet und vorzuweisen als der durchschnittliche Bürger, der nichts neues wagt und sich nur beklagt. Ihr habt euer Leben in die Hand genommen und es verändert. Ihr habt euch selbst verbessert und das ist es, was zählt.

Vergesst bei diesen Feiern einfach nicht, dass es immer weiter geht. Ihr seid nun mit diesem Ziel einen großen Schritt weitergekommen. Nun gilt es, nachdem ihr das Hochgefühl genossen habt, weiter zu machen. Ihr habt unglaubliches vollbracht. Aber es geht immer noch ein Stückchen besser. Ihr habt zu Beginn vielleicht gezweifelt, ob dieses Ziel schaffbar ist. Und nun habt ihr einen Beweis für das Gegenteil. Achtet das nächste Mal auf die Punkte, die wir in der Reflexion festgehalten haben und ich bin sicher, dass mindestens noch weitere zehn Prozent an Potential in euch steckt.

0 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen