• Sinnlosoph

Frage 122: Rosarückblickbrille

Wenn wir uns an vergangenes erinnern, gibt es die bekannte Rosa Rückblickbrille. Darin sieht alles etwas schöner aus, als es in Wirklichkeit war. Wie weit geht das aber?

Wenn du dich an etwas erinnerst, übertreibst du dabei gerne und beschönigst Dinge? Wenn ja, wieso?

Ich bin von diesem Phänomen nicht ausgenommen. Auch ich habe eine subjektive Erinnerung. Es liegt in der Natur des Menschen, sich eher an die schönen Dinge zu erinnern. Bestes Beispiel sind die Geschichten aus dem Wehrdienst. Wenn Männer darüber reden, wie sie die Rekrutenschule erlebten, wird die Kameradschaft in den Vordergrund gestellt. Man erinnert sich an den einen Idioten, der mit seiner Tollpatschigkeit immer für ärger sorgte, oder das Bier im Ausgang. Man vergisst gerne, dass die meiste Zeit entweder gewartet, gerannt oder trainiert wird. Der Muskelkater, die Übermüdung und den Frust vergisst man in der Erzählung.

Heikel wird es, wenn man bewusst Dinge beschönigt, um sich selber besser darzustellen. So werden aus drei Bier fünf und aus einem zwanzig Kilometer Marsch werden vierzig. Diese bewussten Entscheidungen werden getroffen, weil sich der Mensch gerne geschätzt fühlt. Die eigene Leistung wird also in den Vordergrund gerückt. Sehr gut lässt sich das bei Jugendlichen beobachten, die das Erlebte gerne etwas ausschmücken, um „krasser“ zu wirken.

Ich versuche die Dinge beim Namen zu nennen. Meine Geschichten sind in der Regel ziemlich detailgetreu. Ich gebe nicht viel darauf, ob mich andere dafür bewundern oder nicht. Es sind Dinge, die ich geleistet habe. Wenn ich dabei konstant übertreiben würde, wäre das nur ein Geständnis meiner Unfähigkeit. Ich würde behaupten, dass es bei mir eher in die andere Richtung geht.

Ich untertreibe lieber, als dass ich mich in den Mittelpunkt stelle. Meine Leistung wird gerne als etwas abgetan, was jeder schaffen kann, wenn er es denn nur will. In der Regel stimmt das auch. Allerdings stinke ich dann gegen jene ab, die sich selbst profilieren. Ich mache es hauptsächlich, weil ich mein größter Kritiker bin. Im Berufsleben ist das allerdings nicht die beste Eigenschaft. So wurden mir schon mehr als einmal die Lorbeeren geraubt und ich konnte nichts weiter machen als mich zu ärgern. Dennoch bleibe ich dabei. Wenn sich jemand wirklich für Leistung interessiert, weiß er meine Arbeit auch zu schätzen und wird den Mehrwert darin erkennen. Wer hingegen auf Blender hereinfällt ist selber schuld und wahrscheinlich nicht für seine Position bereit.

Wie haltet ihr es mit diesen Dingen? Seid ihr eher jemand, der die eigenen Taten in ein besseres Licht rückt, oder haltet ihr euch strikt an die fakten? Lasst es mich wissen!

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