• Sinnlosoph

Frage 174: Ist Sympathie wichtiger als Fachwissen?

Der Mensch ist subjektiv. Die meisten Handeln mehr nach Bauchgefühl als nach Fakten. Wie ist es aber bei der Arztwahl?

Du musst dich einer gefährlichen Operation unterziehen und hast die Wahl zwischen zwei Ärzten. Der eine ist sehr gut in seinem Fach aber persönlich ein Arsch. Der andere ist nicht ganz so gut, aber sympathisch. Wen würdest du wählen?

Ich habe eine unerklärliche Angst vor Ärzten. Vor allem in Spitälern. Das ist in etwa so irrational wie Höhenangst oder die Angst vor Clowns. Ich halte es also für sehr unwahrscheinlich, dass mir ein Arzt überhaupt sympathisch sein kann. Das würde bedeuten, dass ich mich ganz auf die Fakten verlasse. Eine Alternative, die wahrscheinlicher ist, wäre, dass ich jemand anderen entscheiden lasse. Da ich mit Ärzten so wenig wie möglich zu tun haben will, würde ich vielleicht einen Verwandten oder meine beste Freundin darum bitten die Entscheidung für mich zu fällen.

Im Berufsleben habe ich aber das eine oder andere Mal erlebt, dass die Sympathie sehr viel mehr Einfluss auf die Entscheidungen von Menschen haben, als man sich vielleicht bewusst ist. Zunächst hielt ich es für einen Nachteil, da ich nicht gerade als sympathisch wahrgenommen erde, wenn man mich nicht kennt. Ich habe dann aber daraus einen Vorteil gemacht, indem ich einige psychologische Verkaufstricks angewendet habe, um schnell Sympathie aufzubauen. Da ich mit den meisten Kunden nicht länger als eine Stunde zusammensaß, reichte es aus um darüber hinweg zu täuschen. Ich bin nicht stolz darauf, aber wenn die Unternehmensleitung Ziele vorgibt und man daran gemessen wird, macht man Dinge, die nicht immer richtig sind.

Im Privaten versuche ich mich rein auf die fakten zu konzentrieren. Wenn ich Produkte und Dienstleistungen vergleiche, so sammle ich zunächst alle Daten, die Verfügbar sind und versuche das beste Preis/Leistungsverhältnis zu erzielen. Dabei ist es mir dann ziemlich egal, ob der Verkäufer charmant oder verschwitzt ist. Das hindert sie aber nicht daran, ihre eigenen Tricks ebenfalls anzuwenden.

In meiner Rolle als Schulleiter war ich erste Eskalationsstelle, wenn es zu einer Bewertung eine Beschwerde gab. Gerade Studentinnen versuchen dann teilweise mit ihren Reizen zu punkten und mich, um den Finger zu wickeln. Es ging nie so weit, dass ich konkrete Angebote erhalten hätte. Aber der eine oder andere tiefe Blick war durchaus möglich. Schade nur, dass ich mich auch hier nach den fakten richtete. Das machte die Schülerinnen dann meist etwas ärgerlich. Wahrscheinlich waren sie es sich gewohnt, durch ihre „Sympathie“, oder in dem Fall Rundungen ein wenig Bonus zu bekommen.

Unter dem Strich bin ich wohl zu sehr ein Zahlenmensch, als dass ich mich auf so zwischenmenschliche Aspekte einlassen würde. Wenn die Entscheidung also wirklich an mir hängenbleiben würde, wäre es der qualifiziertere Arzt. Hauptsache, ich muss mich nicht mit dem Doktor abgeben.

Wie ist es bei euch? Wie groß ist der Einfluss von Sympathie bei euch? Lasst es mich wissen!

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