• Sinnlosoph

Auf zu den Wolken und wieder zurück

Ein weiterer Berg, der auf meiner Liste stand war der Titlis. Mit 3238 Metern ist der Gipfel der höchste Punkt, den ich in diesem Jahr bisher als Ziel hatte. Wie immer habe ich mir als Bedingung gestellt, keine Seil- oder Gondelbahnen als Unterstützung zu nutzen. Dementsprechend akribisch bin ich an die Vorbereitungen gegangen.

Der Plan war, um 5 Uhr morgens aufzustehen um kurz vor 7 Uhr in Engelberg (1013 m ü. M) loszulegen. Insgesamt sollen also 2220 Höhenmeter überwunden werden. Als Route wollte ich vom Bahnhof in Engelberg zur Gerschnialp (1300 m ü. ) und von da an den Berg hinauf zum Trübsee (1764 m ü. M). Danach soll es zur Bergstation Stand (2450 m ü. M) gehen und dann in Richtung kleiner Titlis (3020 m ü. M) und schlussendlich zum Gipfel. Leider soll mir aber, wie bei der letzten Wanderung im Alpstein, das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen.


Früh morgens nach Engelberg

Wie geplant bin ich am 13. August 2017 um 5 Uhr morgens aufgestanden. Ich bin vielleicht kein ausgesprochener Morgenmensch, doch wenn es um eine Wanderung geht, fällt das Aufstehen leicht. Nach kurzer Anfahrt zum Luzerner Bahnhof wird der letzte Rest an Proviant gekauft und die Fahrt mit dem Panoramazug geht los. Auffällig ist, dass ich trotz der frühen Stunde nicht der einzige mit Wandergepäck bin.



Im weichen Licht der Morgendämmerung fahren wir also in Richtung Engelberg. Dabei geht es am Pilatus vorbei und es kommen einige Erinnerungen an diese Besteigung hoch. Vor allem der Abstieg war denkwürdig. Je länger die Fahrt jedoch dauert, desto imposanter werden die Berge. Kurz vor der Ankunft geht es nochmals durch einen Tunnel. Sobald man wieder aus dem Berg kommt bietet sich ein wunderbarer Blick auf die Gebirgskette. Auf den Gipfel des Titlis kann man als weisse Kappe in der Ferne erkennen. Die Vorfreude steigt.


Um den Hügel, über Stock und Stein zur Gerschnialp

Am Bahnhof angekommen folge ich den restlichen Wanderern. Ich muss zugeben, dass ich noch nie in Engelberg war und dementsprechend auch keine Ortskunde besitze. Auf diese Weise werde ich jedoch Zielsicher zur Talstation der Seilbahn geführt. Ein kleines Stück weiter geht jedoch schon der Wanderweg los. Und das gleich mit einer ordentlichen Steigung.


Vorbei geht es an einigen malerischen Altbauten, die zwischen saftigen Wiesen liegen. Auf dem Weg kreuze ich einige Male eine Strasse. Ein gutes Indiz dafür, dass ich noch einige Höhenmeter vor mir habe. Nach einiger Zeit jedoch endet der Wanderweg und es geht auf der Strasse weiter. Ich persönlich gehe nicht so gerne auf Asphalt. Das ermüdet die Muskeln und Gelenke und ist in der Regel nicht all zu spannend. Zum Glück geht es nach einigen Minuten aber wieder nach rechts in den Wald.


Diese Strecke gefällt mir wirklich sehr. Allem Anschein nach wird sie nicht sonderlich oft begangen. Das Moos hat viele Teile des Weges übernommen. Das dämpft die Schritte und schafft Stille zur Erholung. Dennoch ist der Weg nirgends überwuchert oder versperrt. Allerdings ist dieser Abschnitt nur sehr kurz und schon bald stehe ich vor einer Abzweigung wo ich das Gasthaus zur Gerschnialp bereits sehen kann.


Über die Eben und hoch den Berg zum Trübsee

Da noch nicht einmal eine Stunde vergangen ist, entschliesse ich mich direkt weiter zu gehen. Schliesslich ist noch ein weiter Weg vor mir. Zu meiner Überraschung flacht das Gelände ab und wir stellenweise abschüssig. Mit der Seilbahn als Orientierungspunkt ist es aber kein Problem die Richtung zum Ziel zu bestimmen. Hier oben gibt es sehr viele Weiden, auf denen vor allem Kühe, aber auch Geissen grasen. Letztere sind mir sogar ein ganzes Stück nachgelaufen und haben mich von der anderen Seite des Zauns angemeckert. Das war unerwartet, aber irgendwie süss.


Bereits nach gut einer halben Stunde erreiche ich die Flanke des Berges. Hier wird es wieder richtig Steil. Zum ersten Mal seit der Talstation sehe ich nun auch andere Wanderer. Diese sind als Gruppe zu etwa 15 Personen vom Trübsee abgestiegen.



Nun sollte die erste Belastungsprobe anstehen. Hier geht es in recht engen Serpentinen mehr als 300 Meter in die Höhe. Abgesehen von einigen Schlammpassagen vom Regen der letzten Woche ist der Weg aber gut befestigt. Einzig bei der Überquerung des Bergbaches, den ich im gesamten Aufstieg etwa vier Mal kreuze, muss man Vorsichtig sein. Die Steine sind rutschig und teilweise nicht so festsitzend wie sie scheinen.


Grosse Teile des Weges sind bewaldet. Dennoch gibt es immer wieder Stellen, wo die Baumfront aufbricht und den Blick auf das Tal und, noch wichtiger, auf das Bergpanorama freigibt. Da abgesehen vom Tal, indem Engelberg liegt, rundherum nur Berge sind, lohnt es sich alleine deswegen schon einmal kurz inne zu halten. Als zusätzlichen Zeitvertreib können die Passagiere der Gondelbahn beobachtet werden. Die haben oft eine helle Freude, wenn sie einen Wanderer erblicken und winken nicht selten zu.


Bei all der Aussicht bleibt aber der Aufstieg. Diesen habe ich nach knapp einer Stunde hinter mich gebracht. Die Strecke ist wirklich durchgehend steil und fordert einiges an Kondition. Allerdings ist sie technisch nicht besonders anspruchsvoll.


Vom Trübsee über die Piste nach Stand

Eigentlich war geplant, in Stand eine etwas längere Pause einzulegen und das erste Mal den Proviant anzubrauchen. Allerdings muss ich sagen, dass die Station nicht besonders schön ist. Mir zumindest hat sie nicht zugesagt und auch der Trübsee macht seinem Namen alle Ehre. Also habe ich nach nur einer kurzen Verschnaufpause den Weg fortgesetzt.


Hier starten insgesamt drei verschiedene Bahnen und Lifte. Allerdings war nur eine in Betrieb. Dennoch leiten die Fahrleitungen Zielsicher nach oben und weisen den Weg nach Stand. Dieser führt über recht breite und gleichmässige Schotterwege, die aber konstant nach oben gehen. Ich bin kein Wintersportler, aber wahrscheinlich werden an dieser Stelle in einigen Monaten hunderte Ski- und Snowboardfahrer hinunterfahren.



Wieder ist der Weg technisch nicht besonders anspruchsvoll, erfordert dafür einiges an Kondition. Etwa auf 2000 Metern entschloss ich mich dann, die Mittagspause nachzuholen. Von hier aus habe ich einen wunderbaren Ausblick auf die Berge mit dem Trübsee und dem Tal unter mir. Aus dieser Perspektive passt der See nahtlos in die Szene. Auch die vereinzelten Wolkenfetzen tragen zum Charme der Aussicht bei.


Nach der Pause geht es weiter Bergauf. Nun wird der Weg zunehmend steiler und der Schotter unter den Füssen gröber. Pflanzen gibt es fast keine mehr, dafür rückt der Schnee langsam näher. Nach gut zwei Stunden erreiche ich dann mit müden Beinen die Bergstation Stand. Hier startet auch die rotierende Gondel, die zum kleinen Titlis hinaufgeht. Sie braucht dafür gerade einmal fünf Minuten. Ich habe in meiner Zeitplanung etwa 90 Minuten eingeteilt. Langsam ziehen sich die Wolken ein wenig zusammen und die Sicht wird schlechter. Trotzdem brauche ich erst einmal eine Pause um ein wenig Kraft zu tanken.


In der Wolke wird die Orientierung schwierig

Nach etwa 30 Minuten fühle ich mich fit genug um weiter zu gehen. Leider hat sich die Sicht weiter verschlechtert. Dennoch gehe ich noch ein wenig den Berg hinauf. Solange ich den weiteren Weg grob ausmachen kann, geht das schon. Zu meinem Pech hat sich das aber geändert.


Ich bin geschätzt zwischen 2600 und 2700 Metern über dem Meer umgekehrt. Es war eine schwere Entscheidung, aber die richtige. Wenn ich das Gelände und den Weg gekannt hätte, wäre es weitergegangen. Da ich aber zum ersten Mal hier oben war, wollte ich das Risiko des Verlaufens nicht eingehen. Zudem wäre bald schon die Gletscherüberquerung angestanden. Diese wollte ich auf keinen Fall mit beschränkter Sicht starten.



So mache ich mich also wieder auf den Rückweg. Erst beim Abstieg wird mir bewusst, dass der Weg eigentlich gar kein richtiger Weg ist. Ich habe mir wohl einfach den leichtesten Pfad über den Schotter gesucht. So bringe ich immer wieder kleine Schuttlawinen ins Rollen, wenn der Untergrund unter dem Fuss nachgibt. Nach kurzer Zeit erreiche ich dann wieder die Bergstation und ich mache mich gleich an den kompletten Abstieg.


Beim Abstieg grüsst das Murmeltier

Grundsätzlich gestaltet sich der Abstieg ähnlich wie der Aufstieg. Es ist eine Tortur für die Knie und Oberschenkel, aber aufgrund des ausgebauten Weges keine besondere Herausforderung. Der Vorteil, der sich hier aber bietet ist die Aussicht. Wo vorhin der Gipfel im Blickfeld lag, ist nun die Sicht frei auf das Panorama und das Tal.


Etwa auf halben Weg zum Trübsee huscht ein brauner Schatten über den Weg. Ich frage mich noch kurz, was eine Katze auf über 2000 Metern zu suchen hat. Nach einem zweiten Blick stellt sich die vermeintliche Katze aber als Murmeltier heraus. Dieses ist schon einen Hügel hinaufgeklettert und schaut mich an. Ich versuche vorsichtig meine Kamera hervor zu nehmen. Leider ist das flinke Tier aber zu vorsichtig und verschwindet kurzerhand in einem kleinen Erdloch. Schade, aber sicher ein Erlebnis.



Einige Meter weiter unten höre ich von rechts einige Pfiffe. Ich drehe mich also um uns sehe noch ein zweites (oder das gleiche?) Murmeltier, wie es geschickt dem Grat entlang springt und wieder verschwindet. Noch ein Stück weiter sehe ich ein weiteres Exemplar, das gerade in einem weiteren Loch verschwindet. Schon interessant diese kleinen Pelzträger.


Wieder am Trübsee lege ich eine weitere Pause ein. Der Aufstieg nach Stand, für den ich gut zwei Stunden brauchte, schaffte ich nun in der halben Zeit. Da habe ich mir einen kleinen Snack verdient. Der Rest des Weges legte ich dann in einem eben solchem Tempo zurück. Interessant ist jedoch, dass es unterhalb von 2200 Metern strahlend schönes Wetter war. Um kurz vor 16 Uhr erreichte ich den Bahnhof von Engelberg und machte mich wieder auf den Heimweg.


Fazit

Leider habe ich mein Ziel nicht erreicht. Dennoch habe ich mit der erreichten Höhe und auch den gemeisterten Höhenmetern einen neuen, persönlichen Rekord aufgestellt. Für mich ist der Titlis jedoch nicht der richtige Berg. Ich habe auf der einen Seite stets meine Ruhe gehabt, aber ich mag es doch, wenn der Weg nicht nur anstrengend, sondern auch fordernd ist. Zudem ist das Gebiet vor allem für den Schneesport ausgebaut, was man als Wanderer leider merkt.


Für Kletterer ist das Gebiet sicher grandios. Ich kenne mich leider (noch) nicht damit aus, aber ich habe einige Felswände gesehen, die sicher eine Besteigung wert wären. Vielleicht nehme ich das nächstes Jahr in Angriff.


Ich werde auf jeden Fall nochmals zurückkommen und den Gipfel besteigen. Dann nehme ich aber die Bahn bis nach Stand.

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