• Sinnlosoph

Frage 184: Nimmst du Unannehmlichkeiten für eine Belohnung in Kauf?

Heute haben wir eine schöne Metapher, die so aber auch für viele andere Aspekte des Lebens gelten kann.


Du bist an einem sonnigen Tag auf einem Berg und siehst einen kühlen See. Du weißt, dass das Wasser kalt ist, aber dir die Erfrischung gut tut. Würdest du hineinspringen?



Dieses Sinnbild lässt sich auf die verschiedenen Bereiche des Lebens anwenden. Sind wir bereit etwas Unangenehmes zu tun, wenn wir dafür eine entsprechende Belohnung erhalten? Grundsätzlich müsste jeder, der nicht gerne zur Arbeit geht, diese Frage bejahen. Jede Weiterbildung, die man nicht aus eigenem Interesse an der Sache selbst besucht, fällt ebenfalls in diese Kategorie. Sogar das Aufräumen der Wohnung gehört dazu. Am Ende des Tages sind die meisten Aktivitäten nicht zwingend angenehm, führen aber dazu, dass wir uns danach besser fühlen.


Ich hatte früher eine klare Devise: Ich arbeite jetzt, da ich jung und fit bin, damit ich später nicht mehr muss. Das ziel war es eigentlich bereits mit 30 in Rente zu gehen. Nun werde ich in einem Monat dreißig und die Rente ist noch nicht in Sicht. Allerdings konnte ich mein Arbeitspensum bereits soweit reduzieren, dass ich beinahe schon als faul angesehen werden kann. Dafür schuftete ich mich aber jahrelang fast zu Tode. Sechzig Stundenwochen waren keine Seltenheit. Parallel dazu besuchte ich eine Weiterbildung, die ich ach noch als Klassenbester abschloss. Ich habe mir sprichwörtlich den Arsch aufgerissen, damit ich mich jetzt etwas zurücklehnen kann.


Mittlerweile hat sich mein Fokus also etwas verschoben. Natürlich hätte ich die letzten beiden Jahre weit mehr tun können und vielleicht hätte ich dann das Ziel der Rente mit dreißig auch erreicht. Allerdings haben sich meine Prioritäten geändert und ich bin mit dem aktuellen Zustand durchaus zufrieden. Ich würde nun keine sechzig Stunden mehr arbeiten wollen. Ich will noch nicht einmal mehr vierzig Stunden arbeiten. Vielleicht ändert es sich nochmals und ich lege nochmals einen derartigen Senkrechtstart hin, um dann komplett mit diesem Thema abschließen zu können. Für den Moment würde ich jedoch den so verlockenden See außer Acht lassen und lieber die Aussicht vom trockenen aus genießen.


Ich kann grundsätzlich beide Ansichten verstehen. Viele in meinem Bekanntenkreis konnten nicht nachvollziehen, wieso ich mich so sehr aufopfere. Die verstehen jetzt aber auch nicht, wie ich mit so wenig Arbeit über die Runden komme. Für sie war der momentane Reitz grösser und sie mieden solche Unannehmlichkeiten. Sie lebten lieber im hier und jetzt. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Was viele aber nicht sehen ist, dass man so auch nie aus dem berühmten Hamsterrad entkommt. Von fadenscheinigen Argumenten wie „Ich könnte ja heute noch vom Bus überfahren werden“ halte ich nicht viel, denn sie sind oft nur Ausreden, um die eigene Entscheidung nicht hinterfragen zu müssen.


Wie steht ihr zu diesem Thema? Würdet ihr in den Metaphorischen See springen, oder lieber im Trockenen bleiben? Lasst es mich wissen!

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