• Sinnlosoph

Frage 215: Haben Väter Mitspracherecht

Hier gelange ich langsam auf dünnes Eis und ich bin mir sicher, dass ich dem einen oder anderen definitiv auf die Füße treten werde. Allerdings habe ich dieses Projekt nicht gestartet, damit ich allen auf dieser Welt gefalle.


Wenn du weißt, dass dein ungeborenes Kind stark behindert sein wird und im Alter von 5 Jahren stirbt, würdest du es abtreiben wollen? Sollen Väter ein Mitspracherecht bei einer solchen Entscheidung haben?



Auch wenn ich mich in meiner Jugend das eine oder andere Mal vielleicht gegenteilig ausgedrückt habe, bin ich heute der Meinung, dass eine Behinderung für sich allein gestellt kein Grund sein soll ein Kind abzutreiben. Viel wichtiger ist für mich, ob die Eltern sich in der Lage fühlen, mit diesem Umstand richtig umzugehen. Ohne Zweifel erfordert es viel Aufwand ein Kind großzuziehen. Umso mehr, wenn erschwerende Faktoren dazu kommen. Wenn die Eltern nun nicht die nötigen Mittel, die Zeit oder Geduld aufbringen können, um damit umzugehen, kann ich es eher nachvollziehen. Eine Abtreibung, nur weil das behinderte Kind nicht in das perfekte Familienbild passt, ist einfach egoistisch und falsch.


Nun kann man sich wahrscheinlich bereits denken, wie ich zum zweiten Teil der Frage stehe. Ich habe vorhin bewusst von den Eltern als Gemeinschaft gesprochen. Denn genau das sollten sie darstellen: Eine Einheit, die das Kind an erste Stelle stellt. Dem entsprechend bin ich der Auffassung, dass kein Elternteil alleine darüber entscheiden soll. Wenn der Vater nicht damit umgehen kann, nicht die nötigen Ressourcen aufbringen kann, dann sollte es in seinem Recht sein, ein entsprechendes Vorgehen anzubringen. Das heißt aber nicht, dass der Vater das alleinige Bestimmungsrecht besitzt. In einer perfekten Welt würden sich beide Parteien offen aussprechen und einen geeigneten Kompromiss finden. Vielleicht kann Hilfe aus der Familie bezogen werden, vielleicht ist es aber auch für die Mutter zu viel. Wenn sich kein Kompromiss finden lässt, müsste rational entschieden werden, ob dem Kind eine erfüllende und liebevolle Familie gegeben werden kann oder nicht.


Wenn bereits vor der Geburt ein solcher Konflikt zwischen Vater und Mutter besteht, kann ich mir nicht vorstellen, dass daraus ein ansonsten gesunder und glücklicher Mensch hervorgehen kann. Als Eltern hat man die Verpflichtung, das Kind über die eigenen Bedürfnisse zu stellen. Dabei sollen beide Parteien mitbestimmen können und ihre Wünsche, aber auch Bedenken einbringen können. Das bedeutet also im Umkehrschluss, dass alles, was vorhin genannt wurde, auch für die Mutter gilt.


Ich für meinen Teil denke nicht, dass ich in der Lage bin ein guter Vater zu sein. Also habe ich mir diese Option bereits vor längerem versagt. Dem entsprechend werde ich mir diese Frage nie stellen müssen. Sollte es aber dennoch passieren, müsste ich die genauen Umstände abwägen, tief in mich hinein hören und mit meiner Partnerin darüber reden. Der Dialog wäre auf jeden Fall der erste Schritt.


Wie seht ihr die Sache? Ist für euch eine Behinderung bereits Grund genug für eine Abtreibung? Findet ihr, dass der Vater mitentscheiden soll, oder ist das Frauensache? Lasst es mich wissen!

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