• Sinnlosoph

Zodiac - 3. Kapitel: Kontakt

Egal, wie sehr sich die Mannschaft auch anstrengte: Auf den Sensoren und Scannern gab es keinen Hinweis auf das unbekannte Objekt. Einige hatten sich sogar auf dem Beobachtungsdeck eingerichtet, da sie glaubten, die Sensoren seien überhaupt nicht in der Lage etwas zu registrieren. Sie vertrauten lieber ihren eigenen Augen als den empfindlichen Geräten an Bord der Avalon. Alle waren sie immer noch bis zum Zerreißen gespannt. Die Aussicht auf das Preisgeld trieb sie weiterhin an.



Lediglich Tharen verbrachte seine Zeit lieber mit Essen, Schlafen und Trainieren. Teilweise sah ich, wie er sich mit meinem Assistenten austauschte und an verschiedenen Maschinenteilen herumbastelte. Als ich ihn darauf ansprach erklärte er mir:

„Das gesuchte Ding wurde vor mehr als zwei Wochen das letzte Mal gesehen. Wir wissen, dass es schnell ist und deshalb sehe ich keinen Sinn darin, in Gebieten zu suchen, wo es sich vor so langer Zeit aufhielt.“

Die häufigen Spannungen und darauffolgenden Enttäuschungen, wenn statt des Objekts ein Asteroid entdeckt wurde, begann an der Besatzung zu nagen.

Nachdem Walker ein gesamtes Sonnensystem abgesucht und keinen Winkel unberührt gelassen hatte, begann die Mannschaft aufmüpfig zu werden. Die zuversichtliche Stimmung hatte sich gründlich geändert und nach der allgemeinen Aufmerksamkeit machte sich jetzt eine demonstrative Fress- und Schlafwelle breit. Das heißt, wenn sie nicht gerade dabei waren sich gegenseitig Vorwürfe zu machen und sich an den Hals zu springen. Mehr als einmal kam es zum Schlagabtausch zwischen zwei Besatzungsmitgliedern, der durch das restliche Personal beendet werden musste.

Weitere zwei Wochen später forderte eine wachsende Gruppe von ihrem Kapitän, er solle umkehren. Walker erbat sich noch drei Tage, danach wollte er wieder in bekanntere Systeme reisen. Dieses Versprechen verbesserte die Laune kurzzeitig und die Mannschaft tat ihr Bestes, um das Objekt zu finden. Sie fingen an, an den Sensoren und Scannern herum zu schrauben. Der Glaube, die verwendeten Frequenzen seien schuld daran, dass wir noch keinen Erfolg hatten, machte sie verzweifelt. Das führte allerdings nur dazu, dass Fehlfunktionen auftraten und wir teilweise blind und nach Gefühl durch das All navigieren mussten.

Als die Frist von drei Tagen verstrichen war, unterhielt ich mich mit Alix. Wie üblich war es mehr ein Monolog, der lediglich durch die Verschiebung seines Kopfes gewürdigt wurde. Als ich ihn gerade danach fragte, ob wir hier unsere Zeit verschwendeten, kam eine Durchsage:

„Das gesuchte Ding gesichtet! Steuerbord, etwa fünfzehnhundert Klicks entfernt!“

Auf diese Worte hin stürmte die ganze Mannschaft auf ihre Positionen. Und wirklich, auf einem der Kurzstreckenscanner erschien ein undeutlicher Punkt, der nicht genau positioniert werden konnte. Vom Beobachtungsdeck aus war es jedoch klar zu sehen und Jubel breitete sich unter der Mannschaft aus.

Vor uns war ein grob geformtes Objekt. Auf den ersten Blick konnte man es für einen Stein- oder Eisklumpen mit seltsam symmetrischen Strukturen halten. Allerdings ging von dem Ding ein warmes Leuchten aus und es wechselte fortlaufend die Richtung. Herausragend war, dass sich die Form ebenfalls im ständigen Wandel zu befinden schien. Die unförmige Kugel erhielt Spitzen, die sich endlos zu dehnen schienen, nur um dann wieder in sich zusammen zu fallen. In einem Moment war es beinahe eine Scheibe und im nächsten formte es sich zu einem Würfel. Dann begann sich das Objekt mit rasender Geschwindigkeit auf uns zu zubewegen.

„Abdrehen und Geschütze bemannen!“ erklang die Stimme des Kapitäns durch die Sprechanlage.

Die Fregatte entfernte sich so rasch es ging von dem bedrohlichen Brocken. Es schien, als würde uns das Objekt verfolgen. Zu allem Überfluss holte es auch noch auf.

Auf diese Entfernung konnten die meisten Geschütze der Avalon nicht eingesetzt werden. Die Energie der Treffer würde so viel Strahlung freisetzen, dass die Hülle des Schiffes Schaden nehmen würde. Mir war das gerade recht. Ich wollte ohnehin nicht, dass wir das Objekt zerstören mussten. Wer weiß, welche technischen Wunder sich darin verbergen mochten?

„Ich kann meine Fregatte nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen. Wenn wir einen derart aggressiven Kontakt haben, müssen wir uns verteidigen“ Erklärte sich Walker.

Tharen, der sich zu uns begeben hatte, forderte den Kapitän auf, einen Sturmtrupp loszusenden.

„Sie müssen ihr Schiff nur nahe genug heranbringen, dass ich mit einem Schub meines Anzuges hinübergleiten kann. Den Rest erledige ich dann vor Ort.“

Es war eine Selbstmordmission. Wenn er auch nur knapp daran vorbei gleiten würde, hätte die Avalon keine Möglichkeit ihn wieder einzusammeln. Dennoch nickte Walker. Zwischen den beiden schien eine sonderbare Verbindung zu bestehen, die sie ohne große Worte oder Erklärungen kommunizieren ließ.

Tharen machte sich auf den Weg zu den Schleusen. Ich begleitete ihn. Ich weiß nicht mehr, was mich in diesem Moment befallen hatte. Im Gegensatz zu ihm war ich ein Mensch. Ich konnte nicht einfach in das Weltall stürzen und hoffen das Ganze auch zu überleben. Ihn zu begleiten wäre also wirklich Selbstmord. Dennoch tat ich es. Ich hatte das dumpfe Gefühl, dass ich es sonst bereuen würde.

Dort angekommen wählten wir unsere Anzüge. Glücklicherweise war die Avalon gut ausgestattet, so dass es unterschiedliche Größen gab und jeder von uns einen passenden Schutz fand. Es würde entweder ein sehr kurzer Ausflug, oder, wenn es schief ging, der letzte meines Lebens. Alix folgte mir stumm und legte sich ebenfalls einen Anzug an. Im Nachhinein fühle ich mich beinahe schuldig, ihn kein einziges Mal nach seiner Ansicht oder Meinung gefragt zu haben. Auf der anderen Seite folgte er mir ohne Aufforderung und aus eigenem Willen.

Wir vergewisserten uns, dass alle Instrumente ordnungsgemäß funktionierten und nahmen jeweils eine Harpune in die Hand. Diese würden wir auf das Objekt abfeuern und uns mit einem Seilzug heranziehen. Tharen rüstete sich zudem mit einer halben Waffenkammer aus. Neben einer Pistole und einer Schrotflinte am Gürtel, schnallte er sich ein Sturmgewehr um und verstaute es auf seinem Rücken. Kann nicht schaden, meinte er nur beiläufig.

Als wir unsere Anzüge angelegt hatten und ich meine Instrumente ein letztes Mal prüfte, ging ein scharfer Stoß durch die Fregatte. Irgendetwas hatte uns getroffen. Es folgte eine zweite, noch heftigere Erschütterung, die uns von den Beinen riss. Im nächsten Moment löste sich die Hülle des Schiffes in scharfes Schrapnell auf und wir wurden in die Weiten des Alls gerissen.



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