• Sinnlosoph

Zodiac - 4. Kapitel: Schiffbrüchig

Der Unterdruck sog mich mit unbarmherziger Kraft ins All. Dabei drehte ich mich und ich verlor für kurze Zeit die Orientierung. Automatisch begann ich mit hektischen Körperbewegungen zumindest die Drehung zu stoppen. Wieder in einer verhältnismäßig ruhigen Position erkannte ich die Avalon. Sie entfernte sich schnell und war nur noch als kleiner Punkt in der Schwärze zu sehen. Den Funken und Blitzen zu Folge war sie zwar beschädigt, der Antrieb schien aber noch zu funktionieren.



Verzweiflung übermannte mich. Von meiner Position aus konnte ich das unbekannte Objekt nicht ausmachen. Zudem traute ich mich nicht, mich zu sehr zu bewegen, da mir die schnelle Drehung einige Übelkeit bereitete. Ich spürte, wie mich die Panik ergriff und ich die Entscheidung, Tharen zu folgen, gründlich bereute. Da fühlte ich plötzlich, wie ich am Arm gepackt wurde. Über die Sprachverbindung in unseren Anzügen hörte ich Alix.

„Wir sollten uns nach dem Objekt umsehen.“

„Hat es dich auch hinaus gerissen?“

„Nein. Ich folgte dir.“

Alix kam an mich heran und hielt sich mit seinen langen Beinen an meinem Körper fest, während er unsere beiden Systeme miteinander verband. Das würde helfen, den Energieverbrauch zu senken und wir könnten länger überleben. Es war mir schleierhaft, wie er in einer solchen Situation so ruhig und logisch bleiben konnte. Auf der anderen Seite waren die Adalaari nicht gerade für ihr überschwängliches Gemüt bekannt.

Wie lange wir so vor uns her trieben, kann ich nicht sagen. Wir umklammerten uns und blickten uns gegenseitig über die Schulter, um nahende Rettung frühzeitig auszumachen. Es blieb jedoch schwarz um uns herum und das einzige, was wir hörten, war unser eigener Atem.

Als ich merkte, wie mein Körper langsam aufgrund der aufgebrauchten Energie unserer Lebenserhaltung auskühlte, setzten wir ein letztes, verzweifeltes Notsignal ab. Lange würden wir in dieser Situation nicht mehr durchhalten. Wahrscheinlich würden wir erfrieren, bevor uns der Sauerstoff zum Atmen ausging. Da hörten wir eine undeutliche und verzerrte Frequenz.

Als nächstes spürte ich, wie sich ein Seil um meinen Körper schlang und mich ruckartig auf die Seite zog. Ich konnte nicht erkennen, woher die Kraft kam, bis ich mit einem schmerzhaften Aufprall anhielt. Mir wurde die Luft aus der Lunge gedrückt und Sterne tanzten vor meinen Augen. Ich spürte nur, dass ich auf einer rauen, aber ebenen Fläche lag.

Es dauerte einige Momente, bis ich wieder klar sehen konnte. Über mich gebeugt stand Alix. Mit geübten Griffen verband er ein drittes Lebenserhaltungssystem mit den unseren. Der Besitzer dieses Systems war niemand anderes als Tharen.

„Dich hat es also auch erwischt?“ fragte ich.

„Allerdings. Die Hülle riss so unerwartet, dass ich mich nicht mehr festhalten konnte. Aber ich hatte Glück. Bereits kurz darauf schlug ich auf diesem Felsen auf.“

„Felsen? Wir hatten keine Asteroiden auf den Sensoren.“

„Oder sollte ich sagen: Auf diesem Schiff. Es scheint, als wären wir beide falsch gelegen. Das Unbekannte Objekt ist ein Schiff, welches aber eine felsenartige Hülle besitzt.“

Dieser Satz brachte mich wieder vollends zu Bewusstsein. Ich sprang auf und trat mit den Füssen gegen den Untergrund. Es bestand kein Zweifel, das fremdartige Objekt war in Wahrheit ein Raumschiff. Ich konnte aber nicht erkennen, aus welchem Material die Hülle bestand. Ich wusste auch nicht, welchem Volk ich die organischen und doch künstlichen Formen zuschreiben sollte. Ich hatte bei meinen Studien noch nie etwas auch nur ansatzweise Vergleichbares gesehen. Wenn es aber eine Maschine war, dann musste es Menschen an Bord geben. Oder zumindest eine andere intelligente Lebensform. Waren wir gerettet?

Tharen warf ein, dass er nun schon eine ganze Weile auf dem Ding hockte und sich nichts gerührt hätte. In dem Moment spürten wir eine erneute Erschütterung. Wir merkten, wie sich der Grund unter uns langsam in Bewegung setzte. Die Beschleunigung war schwach genug, so dass wir uns gut festhalten konnten. Was aber würde passieren, wenn die Triebwerke wirklich Schub geben würden?

In unserer Verzweiflung begannen wir wie wild mit unseren Füssen zu trampeln und die Fäuste gegen die Hülle zu schlagen. Natürlich hatten wir nicht viel Hoffnung, dass man uns im inneren hörte. Immerhin musste das Material die kosmische Strahlung abhalten. Zudem war die Hülle widerstandsfähig genug, um extreme Geschwindigkeiten und Beschleunigungen unbeschadet zu überstehen. Was sollten wir also mit unseren Händen anrichten können?

Plötzlich verebbte die sanfte Vibration des Untergrunds. Offensichtlich wurde der Antrieb wieder gestoppt. Etwa fünf Meter neben uns verschob sich eine Verdickung auf der Oberfläche und eine Linse an einem flexiblen Arm schoss hervor. Es schien, als würde sie sich umblicken und nahm jeden einzelnen von uns ins Visier. Nach wenigen Sekunden verschwand sie wieder in der Oberfläche. Das nächste, was wir spürten war, wie sich der Boden unter uns bewegte und wir ins Innere des unbekannten Objektes gesogen wurden.



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